HO-CHIMINH-STADT / LONDON (IT BOLTWISE) – Ärzte warnen vor zwei aufeinanderfolgenden Zwillingsschwangerschaften, weil das Risiko für Mehrlinge und Komplikationen stark steigt. Besonders bei IVF spielt die Anzahl der übertragenen Embryonen eine zentrale Rolle: Wer zwei Embryonen einsetzt, erhöht die Mehrlingswahrscheinlichkeit deutlich. Laut Dr. Ho Manh Tuong werden in der Gesellschaft die Risiken oft zu positiv eingeschätzt, nachdem Fälle in sozialen Medien viral gegangen sind. Im Krankenhaus müssen zudem fetale Verläufe früh per Ultraschall besser eingeordnet werden, um die Schwangerschaft sicherer zu begleiten.

Aufeinanderfolgende Zwillingsschwangerschaften sind in der Natur bereits selten. Noch ungewöhnlicher wird es, wenn eine Frau nach einer Zwillingsgeburt erneut Zwillings- oder sogar zwei aufeinanderfolgende Zwillingsschwangerschaften hat. In der Einordnung der Ärzte entsteht die Verwirrung vor allem dort, wo Social-Media-Beispiele wie „es hat doch geklappt“ als allgemeine Regel wirken. Dr. Ho Manh Tuong, Generalsekretär der Ho-Chi-Minh-Stadt-Vereinigung für Reproduktionsendokrinologie und Unfruchtbarkeit, ordnet das Problem deshalb statistisch und medizinisch ein: Natürlich entstehende Zwillinge machen laut den genannten Angaben etwa 3 % aller Geburten aus. Rechnet man das auf die Alltagssituation von „100 Frauen, die ein Kind gebären“, bedeutet das grob, dass nur 2–3 Zwillinge pro 100 Fälle auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, nach bereits erfolgter Zwillingseinordnung erneut Zwillinge zu bekommen, wird dagegen auf etwa 0,09 % beziffert, also 9 von 10.000 Fällen.
Technisch betrachtet liegt der entscheidende Hebel bei assistierter Reproduktion (IVF) nicht im „Schicksal“ der Biologie, sondern in der Transfer-Strategie. Wenn im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) ein einzelner Embryo übertragen wird, bleibt das Risiko für Zwillingsschwangerschaften deutlich geringer. In der Darstellung der Ärzte gilt das auch dann, wenn im Anschluss zwei aufeinanderfolgende IVF-Schwangerschaften stattfinden: Entscheidend ist, ob jeweils nur ein Embryo übertragen wird oder ob mehr Embryonen gleichzeitig in die Gebärmutter gelangen. Sobald jedoch zwei Embryonen übertragen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsschwangerschaften laut den genannten Angaben auf ein „sehr hohes“ Niveau; je nach Einzelfall wird eine Spannbreite von 30 bis 50 % genannt. Für die Praxis bedeutet das: IVF ist zwar ein Werkzeug zur Erfüllung eines Kinderwunschs, aber es verschiebt die Eintrittswahrscheinlichkeiten verschiedener Schwangerschaftstypen deutlich – und damit auch die Bandbreite möglicher Verläufe.
Daneben erklärt Dr. Tuong auch, warum das Thema gesellschaftlich schnell verkürzt wird. Viele Paare träumen von Zwillingen, weil zwei Kinder gleichzeitig für sie eine positive Vorstellung sind – und eine Konstellation „Junge und Mädchen“ wirkt in Beiträgen oft besonders attraktiv. Der medizinische Blick richtet sich aber auf die Gesamtrisiken einer Mehrlingsschwangerschaft, nicht nur auf die Möglichkeit, dass gesunde Kinder zur Welt kommen. Mehrlingsschwangerschaften gelten in der Geburtshilfe als Risikoschwangerschaften, weil die Schwangerschaftsphysiologie unter zusätzlicher Last steht. Dr. Bui Thi Hong Nhu, Leiterin der Abteilung für Sozialarbeit im Tu-Du-Krankenhaus, hebt zudem hervor, dass Zwillingsgeburten zweimal hintereinander auf natürlichem Wege äußerst selten und praktisch beispiellos seien; in fast 30 Jahren Tätigkeit sei ihr kein solcher Fall begegnet. Für die Betreuung folgt daraus: Schon in frühen Stadien müssen Ärztinnen und Ärzte feststellen, ob es sich um monochoriale, monochoriale oder diamniotische Zwillinge handelt – weil diese Einordnung die Prognose und das Risikomanagement beeinflusst.
Ein weiterer Punkt, der in der Debatte oft fehlt, betrifft die technischen Konsequenzen für die Schwangerschaftsüberwachung. Nhu beschreibt, dass die Gebärmutter zwar wächst, aber anatomisch begrenzt ist: Während der Schwangerschaft vergrößert sie sich zwar, bleibt jedoch als „Baucontainer“ im Bauchraum. Die Gebärmutter ist demnach nur für einen vollständig entwickelten Fötus ausgelegt; werden zwei oder mehr Feten parallel versorgt, entsteht Platzmangel. Das führt in der Praxis dazu, dass nicht nur das Wachstum, sondern auch die gesundheitlichen Bedingungen im Mutterleib schwieriger werden. Genau hier setzt auch die medizinische Risikoaufzählung an: Das Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten und vorzeitigen Blasensprung wird als höher beschrieben, ebenso Wachstumsstörungen beim Fötus und weitere Probleme, die sowohl Mutter als auch Neugeborene beeinträchtigen können. Besonders relevant ist das auch im Kontext einer Vorgeschichte mit Kaiserschnitt: Wenn die vorherige Schwangerschaft eine operative Geburt erforderte, liegt bereits eine Operationsnarbe an der Gebärmutter vor. Dann braucht es laut der Darstellung eine engmaschige Überwachung, weil je nach Einzelfall Risiken wie Plazenta praevia, Plazenta accreta oder sogar eine Uterusruptur auftreten können.
Auch die Zahlen unterstreichen, warum die Begrenzung von Mehrlingsschwangerschaften als Schutzstrategie verstanden wird. In den genannten Angaben wird die Frühgeburtenrate bei Zwillingsschwangerschaften mit 60 % beziffert, während sie bei Einlingsschwangerschaften bei 7 % liegt. Damit wird die Frühgeburtlichkeit bei Zwillingen fast siebenmal höher dargestellt als bei Einlingen; zusätzlich wird erwähnt, dass ein Drittel der Zwillingsbabys aufgrund von Fehlgeburt oder extrem früher Entbindung nicht überlebt. Neben den akuten Risiken kommt eine zweite, langfristige Dimension hinzu: Die Entwicklung kann eingeschränkt sein, weil zwei Feten sich über viele Monate hinweg Nährstoffe und Wachstumsraum teilen müssen. Frühgeborene seien außerdem weniger ausgereift; selbst wenn sie nach der Geburt zunehmen, fällt die Entwicklung häufig schwerer als bei termingeborenen Babys – körperlich wie auch geistig. In der Darstellung wird deshalb die Rate „gesunder fetaler Entwicklung, termingerechter Geburt und normaler, gesunder Entwicklung“ bei Zwillingen oder Mehrlingen mit < 50 % genannt, während bei Einlingsschwangerschaften über 90 % der Babys gesund geboren würden und sich nach der Geburt gut entwickelten.
Aus Sicht von IVF-Anwendern und Kliniken ergibt sich daraus eine konsequente Logik: Wenn das Ziel nicht nur die Schwangerschaft, sondern die bestmögliche Startphase ist, rückt die Transferzahl in den Mittelpunkt. Der Trend, den Dr. Nhu und Dr. Tuong ansprechen, geht folgerichtig dahin, eher einen einzelnen Embryo zu übertragen, um eine gesündere und sicherere Einlingsschwangerschaft für Mutter und Kind zu erreichen. Damit wird IVF nicht „weniger“ wirksam, sondern präziser gesteuert: Durch die Verringerung des Mehrlingsrisikos sinkt die Wahrscheinlichkeit typischer Folgeprobleme wie Frühgeburtlichkeit, Entwicklungsverzögerungen und die Komplexität der geburtshilflichen Betreuung. Für Eltern und medizinische Teams heißt das praktisch, dass Aufklärung nicht beim romantischen Bild „zwei Kinder auf einmal“ enden darf, sondern Risiken transparent macht und die Schwangerschaft strukturiert begleitet – insbesondere, wenn bereits ein Kaiserschnitt oder andere belastende Faktoren in der Vorgeschichte liegen.
Gleichzeitig bleibt ein realer Kommunikationsbedarf: Laut den genannten Aussagen sehen viele Menschen und Teile der Gesellschaft vor allem die gesunden, normalen Zwillingsfälle und schließen daraus, dass jede Zwillingsschwangerschaft ähnlich verlaufe. Nur wenige bekämen demnach die tragischen Verläufe mit – etwa Fehlgeburten, Frühgeburten, Komplikationen und mögliche Langzeitfolgen. Für die Entscheidung zwischen verschiedenen IVF-Strategien bedeutet das: Nicht nur die Erfolgsquote der Behandlung ist relevant, sondern die Qualität der Schwangerschaftsausgänge. Wer zwei Embryonen überträgt, kann damit zwar die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen, zahlt aber in der Folge oft mit einem deutlich höheren Risiko für Mehrlinge. Umso wichtiger ist es, dass Kliniken und Beratungen die individuellen medizinischen Rahmenbedingungen, die frühe Ultraschalldiagnostik und das Risikomanagement zusammenbringen. So lässt sich der Kinderwunsch mit einem medizinisch verantwortlichen Ziel verknüpfen: bestmöglicher Schutz für Mutter und zukünftige Entwicklung der Kinder.
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