LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass Raumflüge unterschiedliche Auswirkungen auf das Gehirn und die Augen von männlichen und weiblichen Astronauten haben. Während weibliche Astronauten eine stärkere Reduktion der Gehirnflüssigkeit erfahren, sind männliche Astronauten anfälliger für Augendruckveränderungen. Diese Erkenntnisse könnten zukünftige Gesundheitsstrategien für Langzeitmissionen im All beeinflussen.

Die Raumfahrt stellt den menschlichen Körper vor einzigartige Herausforderungen, die weit über die bekannten physischen Belastungen hinausgehen. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass männliche und weibliche Astronauten unterschiedliche physiologische Veränderungen in ihren Gehirnen und Augen während und nach Raumflügen erleben. Diese Unterschiede könnten wichtige Implikationen für die Planung zukünftiger Langzeitmissionen im All haben.
Die Forschung, die in der Fachzeitschrift npj Microgravity veröffentlicht wurde, zeigt, dass weibliche Astronauten nach einer Mission eine stärkere Reduktion der Flüssigkeit in den oberen Gehirnregionen aufweisen. Diese Veränderungen könnten auf die Anpassung des Körpers an die Mikrogravitation zurückzuführen sein, bei der Flüssigkeiten, die normalerweise durch die Schwerkraft nach unten gezogen werden, in Richtung Kopf verschoben werden.
Im Gegensatz dazu sind männliche Astronauten anfälliger für Veränderungen im Augendruck, was zu einer Kompression des Augapfels führen kann. Diese Veränderungen sind Teil des sogenannten Spaceflight Associated Neuro-ocular Syndrome (SANS), das bei etwa 70 Prozent der Astronauten auftritt. SANS kann die Form des Augapfels verändern und zu einer Schwellung des Sehnervs führen.
Die Forscher um Rachael D. Seidler von der University of Florida analysierten Daten von 37 Astronauten, die Missionen auf der Internationalen Raumstation abgeschlossen hatten. Mithilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) untersuchten sie die Gehirnstrukturen vor und nach den Flügen. Dabei konzentrierten sie sich auf die Volumenänderungen der grauen Substanz und der freien Flüssigkeit im Gehirn.
Interessanterweise zeigte die Analyse keine signifikante Verbindung zwischen dem Alter der Astronauten und dem Ausmaß der Gehirnveränderungen. Die Geschlechterunterschiede waren jedoch deutlich: Frauen zeigten eine größere Abnahme des freien Wasservolumens in bestimmten Gehirnregionen. Die funktionalen Konsequenzen dieser Veränderungen sind noch unklar, könnten aber wichtige Hinweise für die Gesundheitsüberwachung von Astronauten liefern.
Die Studie hebt auch hervor, dass die Augengesundheit bei männlichen Astronauten stärker beeinträchtigt ist. Obwohl die statistische Analyse nicht schlüssig genug war, um definitive Aussagen zu treffen, deutet sie darauf hin, dass männliche Astronauten dreimal häufiger SANS entwickeln als ihre weiblichen Kollegen. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, gezielte Maßnahmen zur Gesundheitsüberwachung und -erhaltung für Astronauten zu entwickeln.
Die Forscher betonen, dass die Stichprobengröße, insbesondere bei weiblichen Astronauten, eine Einschränkung der Studie darstellt. Dennoch bietet die Untersuchung wertvolle Einblicke in die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Anpassung des Körpers an die Raumfahrt. Zukünftige Forschungen könnten dazu beitragen, personalisierte Gegenmaßnahmen zu entwickeln, um die Gesundheit von Astronauten auf Missionen zum Mond, Mars und darüber hinaus zu schützen.
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