BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Union und Großbritannien verschärfen ihre Regelungen zur Bekämpfung von Betrug im Finanzsektor. Neue Richtlinien verlagern die Haftung für Impersonation-Betrug von Verbrauchern auf Banken und Tech-Plattformen. Diese Maßnahmen stellen Finanzinstitute vor erhebliche technische Herausforderungen und könnten den Druck auf Tech-Giganten erhöhen, betrügerische Inhalte zu entfernen.

Die Europäische Union und Großbritannien haben neue Regelungen eingeführt, die die Haftung für Impersonation-Betrug von Verbrauchern auf Banken und Tech-Plattformen verlagern. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Verbraucherschutz zu stärken und die Finanzinstitute zu Investitionen in bessere Sicherheitssysteme zu motivieren. Während Großbritannien bereits seit über einem Jahr ein verpflichtendes Erstattungsmodell implementiert hat, zieht die EU nun mit der Dritten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD3) und der Zahlungsdienste-Verordnung (PSR) nach.
Eine der bedeutendsten Neuerungen in der EU ist die Einführung einer Haftung der Zahlungsdienstleister bei Impersonation- oder Spoofing-Betrug. Kriminelle geben sich dabei als Bankmitarbeiter oder vertrauenswürdige Unternehmen aus, um Opfer zu Überweisungen zu bewegen. Unter der finalisierten PSR müssen Zahlungsdienstleister den Schaden ersetzen, vorausgesetzt, der Betrug wurde bei Polizei und Bank gemeldet. Diese Regelung beendet den Flickenteppich freiwilliger Erstattungsregeln und schafft einen EU-weiten Verbraucherschutz.
In Großbritannien hat sich der Fokus nach 15 Monaten Laufzeit der Regeln von der Umsetzung zur Optimierung verschoben. Die Vorgaben der Aufsichtsbehörde Payment Systems Regulator (PSR) teilen die Haftung 50:50 zwischen sendender und empfangender Bank, gedeckelt auf 85.000 Pfund. Der finanzielle Druck zwingt die Institute, Betrug prävantiv zu stoppen, indem sie verstärkt auf verhaltensbasierte Biometrie und KI-gestützte Risikoerkennung setzen.
Ein entscheidender Unterschied zwischen der EU und Großbritannien zeigt sich bei der Haftung von Tech-Giganten und sozialen Medien, wo die meisten Betrugsfälle ihren Ursprung haben. Die EU führt eine bedingte Haftung für Online-Plattformen ein, die zur Erstattung herangezogen werden können, wenn sie betrügerische Inhalte nicht entfernen. Dieses Verursacherprinzip könnte soziale Netzwerke zwingen, Betrugswerbung und Fake-Profile aggressiv zu löschen.
Die Dringlichkeit der Reformen wird durch die schiere Größe des Schadens belegt. Betrug ist im Vereinigten Königreich die häufigste Straftat, mit Verlusten von über 1,1 Milliarden Pfund im Jahr 2024. Die verpflichtende Erstattung soll Banken zu Investitionen in bessere Sicherheitssysteme motivieren – ein Trend, der sich in den Strategieplänen für 2026 deutlich abzeichnet.
Für das verbleibende Jahr 2026 zeichnen sich zwei Trends ab: Technische Standardisierung und verbesserter Datenaustausch. In der EU läuft der Wettlauf um einen einheitlichen IBAN-Name-Check für grenzüberschreitende Zahlungen. Zudem betonen beide Rechtsrahmen die Notwendigkeit eines besseren Informationsaustauschs zwischen Banken, um Geldwäsche-Konten frühzeitig zu identifizieren.
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