BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die zunehmende Verbreitung von Elektroautos aus China wirft erhebliche Datenschutzbedenken auf. Experten warnen vor der Möglichkeit, dass diese Fahrzeuge als Werkzeuge zur Datensammlung genutzt werden könnten, insbesondere in sicherheitsrelevanten Bereichen wie der Bundeswehr und kritischen Infrastrukturen.

Die zunehmende Verbreitung von Elektroautos, insbesondere aus China, hat in Deutschland zu einer intensiven Debatte über Datenschutzrisiken geführt. Stephan Kramer, Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, äußerte kürzlich Bedenken hinsichtlich der potenziellen Spionagegefahr durch diese Fahrzeuge. Er betonte, dass es weniger um klassische Spionage gehe, sondern vielmehr um die großflächige Abschöpfung von Daten.
Besonders in sicherheitsrelevanten Bereichen wie der Bundeswehr, der Polizei und kritischen Infrastrukturen sieht Kramer ein hohes Risiko. Die Übertragung von Standortdaten an externe IT-Systeme in der Cloud könnte problematisch sein, da diese Informationen in falsche Hände geraten könnten. Auch Unternehmen mit sensibler Forschung und Entwicklung sind potenziell gefährdet, insbesondere wenn Elektroautos regelmäßig Forschungsstandorte anfahren oder als mobile Besprechungsräume genutzt werden.
Doch nicht nur chinesische Elektroautos bergen laut Kramer ein Risiko. Moderne Elektroautos sind im Grunde rollende Computer, die eine Vielzahl von Daten erfassen und übermitteln. Dazu gehören Standort- und Bewegungsdaten, Informationen aus dem Innenraum über Mikrofone oder Kameras, sowie Telefon- und Kontaktdaten aus der Verbindung mit Smartphones. Diese Daten könnten theoretisch von den Herstellern oder anderen Parteien missbraucht werden.
Das Bundesinnenministerium hat angekündigt, die Situation genau zu beobachten, insbesondere angesichts der steigenden Marktanteile chinesischer Autohersteller in Europa. Ein Sprecher des Ministeriums betonte die Notwendigkeit, die Risiken im Auge zu behalten, da chinesische Fahrzeuge über hochkomplexe, vernetzte Systeme verfügen, die große Mengen an Daten generieren, speichern und übermitteln.
Hersteller sind laut EU-Typgenehmigungsrecht verpflichtet, ihre Fahrzeuge gegen Cyberangriffe zu schützen und den Zugriff auf Fahrzeugdaten durch Unberechtigte zu verhindern. Dennoch bleibt der konkrete Umfang der generierten Daten und deren Übermittlung für die Kunden oft intransparent. Insbesondere im Ausland ist die tatsächliche Verwendung der Daten durch die Hersteller schwer überprüfbar.
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