LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Langzeitstudie zeigt, dass gezieltes Gehirntraining das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 25 Prozent senken kann. Die Studie, die über 20 Jahre mehr als 2.800 Teilnehmer beobachtete, hebt die Bedeutung spezifischer Trainingsmethoden hervor. Experten warnen jedoch vor überzogenen Erwartungen an kommerzielle Gehirnjogging-Apps.

Die jüngste Langzeitstudie zur Alzheimer-Prävention hat in der wissenschaftlichen Gemeinschaft für Aufsehen gesorgt. Durch gezieltes Training der Verarbeitungsgeschwindigkeit konnte das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 25 Prozent gesenkt werden. Diese Erkenntnisse stammen aus einer 20-jährigen Studie mit über 2.800 Teilnehmern, die alle älter als 65 Jahre waren. Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Debatte um die Wirksamkeit von Gehirntraining.
Das erfolgreiche Trainingsprogramm konzentrierte sich auf die schnelle und geteilte Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Besonders bemerkenswert war, dass Teilnehmer, die nach einem und drei Jahren zusätzliche Auffrischungseinheiten erhielten, am meisten von der Risikoreduktion profitierten. Diese sogenannten ‘Booster-Sessions’ scheinen entscheidend für den langfristigen Erfolg des Trainings zu sein. Die Forscher vermuten, dass ein solches Training die Erkrankung zumindest hinauszögern könnte.
Dennoch bleibt die wissenschaftliche Gemeinschaft skeptisch gegenüber den Versprechungen der milliardenschweren Gehirntrainings-Industrie. Ein zentraler Kritikpunkt ist der fehlende Nachweis für den sogenannten ‘Transfer-Effekt’. Das bedeutet, dass Verbesserungen in einem Spiel nicht zwangsläufig zu besseren Problemlösungsfähigkeiten im Alltag führen. Vor einigen Jahren unterzeichneten über 70 führende Forscher eine Erklärung, in der sie die überzogenen Behauptungen der Branche kritisierten.
Die Forschung zeigt jedoch auch, dass nicht jedes Spiel wirkungslos ist. Komplexe Videospiele können das Gehirn auf vielfältige Weise fordern und sogar zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen. Während einfache Rätsel-Apps oft nur bekanntes Wissen abfragen, fördern Strategiespiele die Planungsfähigkeit und das logische Denken. Action-Spiele hingegen schulen die Reaktionsgeschwindigkeit und die visuelle Aufmerksamkeit.
Experten betonen, dass geistige Aktivität nur eine Säule der kognitiven Gesundheit darstellt. Der größte Schutz vor Demenz im Alter kommt von einem ganzheitlichen Lebensstil, der regelmäßige körperliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und soziale Aktivitäten umfasst. Die Zukunft liegt wahrscheinlich nicht in einer Wunder-App, sondern in integrierten, personalisierten Ansätzen, die verschiedene Aspekte der Gesundheit berücksichtigen.
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