LONDON (IT BOLTWISE) – In den 1990er Jahren versprach SoftRAM eine kostengünstige Lösung zur Verdopplung des Arbeitsspeichers von PCs. Doch die Software hielt nicht, was sie versprach, und führte zu einem der größten Technikskandale der Zeit. Syncronys, das Unternehmen hinter SoftRAM, erlebte einen rasanten Aufstieg und ebenso schnellen Fall.

In den 1990er Jahren, als Windows 95 auf den Markt kam, stiegen die Anforderungen an die Hardware vieler Heimcomputer erheblich. Der Bedarf an zusätzlichem Arbeitsspeicher war groß, doch die Kosten für Hardware-Upgrades waren für viele Nutzer unerschwinglich. In dieser Zeit versprach eine Software namens SoftRAM eine einfache und kostengünstige Lösung: die Verdopplung des vorhandenen Arbeitsspeichers ohne zusätzliche Hardware.
SoftRAM wurde zunächst für Windows 3.1 in den USA veröffentlicht und versprach für 30 US-Dollar eine Verdopplung des Arbeitsspeichers. Trotz der fragwürdigen technischen Grundlage verkaufte sich die Software über 100.000 Mal. Nach der Umbenennung des Unternehmens in Syncronys wurde SoftRAM95 für Windows 95 veröffentlicht und in Deutschland für 170 D-Mark verkauft. Die Software fand rund 600.000 Käufer, und Syncronys wurde an der US-Börse gehandelt, wobei der Aktienkurs zeitweise 32 US-Dollar erreichte.
Der Erfolg von SoftRAM rief jedoch auch Skeptiker auf den Plan. Fachredakteure untersuchten die Software und fanden heraus, dass sie keinen Programmcode enthielt, der den physischen Arbeitsspeicher tatsächlich vergrößerte. Stattdessen vergrößerte SoftRAM lediglich die Auslagerungsdatei auf der Festplatte, was keine reale Leistungssteigerung darstellte. Diese Entdeckung führte zu einem erheblichen Vertrauensverlust bei den Investoren.
Nach der Veröffentlichung dieser Recherchen geriet Syncronys unter Druck. Das Unternehmen reagierte mit Klagen und bot Geld-zurück-Garantien an, um die Kritik zu entschärfen. Dennoch nahm das Vertrauen der Investoren weiter ab, und 1998 meldete Syncronys Insolvenz an. Mit rund fünf Millionen US-Dollar Schulden verschwand das Unternehmen vom Markt. Jahre später wurde SoftRAM95 vom Magazin „PC World“ als eines der „drittschlechtesten technischen Produkte aller Zeiten“ eingestuft.
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