WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine massive Phishing-Welle hat Österreich erfasst, bei der Kriminelle den Ablauf digitaler Zertifikate ausnutzen, um an sensible Bankdaten zu gelangen. Der Schaden beläuft sich bereits auf eine halbe Million Euro, und die Dunkelziffer könnte noch höher liegen. Experten warnen vor weiteren Angriffen in den kommenden Wochen, da die Zahl der ablaufenden Zertifikate ihren Höhepunkt erreicht.

In Österreich sorgt derzeit eine massive Phishing-Welle für Aufsehen, bei der Kriminelle den bevorstehenden Ablauf digitaler Zertifikate ausnutzen, um an Bankdaten zu gelangen. Das Bundeskriminalamt hat bereits einen Schaden von rund 500.000 Euro gemeldet, wobei die Dunkelziffer vermutlich noch höher liegt. Diese Angriffe richten sich gezielt gegen Nutzer von ID Austria, die durch gefälschte Nachrichten unter Druck gesetzt werden, ihre Daten preiszugeben.
Die Methode der Betrüger ist hochprofessionell und zweistufig. Zunächst erhalten die Opfer eine täuschend echte SMS, die angeblich vom Finanzministerium oder A-Trust stammt. Ein Link führt auf eine gefälschte ID-Austria-Seite, wo Zugangsdaten, Ausweisnummern und Bankinformationen abgegriffen werden. Kurz darauf folgt ein Anruf eines angeblichen Bankmitarbeiters, der unter einem Vorwand dazu drängt, Fernwartungssoftware zu installieren. Sobald die Täter Zugriff auf das Gerät haben, räumen sie die Konten leer.
Die aktuelle Krise zeigt auch Schwachstellen im System auf. Bürgerrechtler kritisieren, dass Teile der Architektur auf veralteten Standards basieren und der Verlängerungsprozess nicht intuitiv genug ist. Das Innenministerium verweist auf die Modernisierung durch das digitale Wallet „eAusweise“, das künftig die Zertifikate ergänzen oder ersetzen soll. Doch die aktuelle Welle ablaufender Alt-Zertifikate trifft auf die Einführung neuer EU-Grenzsysteme, was die Unterscheidung zwischen echten und gefälschten Benachrichtigungen erschwert.
Experten rechnen in den kommenden Wochen mit weiteren Angriffen, da die Zahl der ablaufenden Zertifikate im Frühsommer ihren Höhepunkt erreicht. Nutzer sollten ihr Ablaufdatum proaktiv über die offizielle App oder den A-Trust-Check prüfen und die Verlängerung frühzeitig einleiten. Wer bereits Daten auf einer verdächtigen Seite eingegeben hat, sollte sofort den Bankzugang sperren und den ID-Austria-Support kontaktieren. Eine Anzeige bei der Polizei ist unerlässlich, um die Ermittlungen gegen die international agierenden Tätergruppen zu unterstützen.
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