PARIS / ROTTERDAM / KIEW / LONDON (IT BOLTWISE) – Europäische Strafverfolger haben den „First VPN“-Dienst nach der Operation „Saffron“ vom Netz genommen. Dabei wurden 33 Server eines Anbieters beschlagnahmt und ein mutmaßlicher Administrator in der Ukraine festgenommen. Laut Europol nutzten zahlreiche Ransomware-Gruppen die VPN-Infrastruktur für Reconnaissance und Intrusionen. Gleichzeitig zeigen die Maßnahmen, dass scheinbare Anonymitätsangebote auf Basis von Exit-Nodes und Dark-Web-Werbung im Ermittlungsprozess technisch angreifbar werden.

Die Nachricht wirkt zunächst wie ein klassischer Schlag gegen Kriminelle: Europäische Ermittler haben mit der Operation „Saffron“ den VPN-Dienst „First VPN“ stillgelegt. Hinter der Vermarktung als „Anonymitäts-Tor“ stand jedoch keine legitime Privatsphäre-Infrastruktur, sondern ein Service, der nach Angaben der Behörden in zahlreiche Cyberangriffe eingebunden war. Bemerkenswert ist dabei weniger die reine Abschaltung als die klare Kette aus technischer Vorarbeit, Zugriff auf Betriebsdaten sowie der Auswertung von Benutzerverbindungen, die über Ländergrenzen hinweg verwertbar sein sollen. Damit bestätigt sich ein Trend: VPN-Provider sind zunehmend Bestandteil von Ermittlungsstrategien gegen Ransomware- und Betrugsökosysteme.
Technisch griffen die Behörden nach dem Muster einer modernen Takedown-Kette zu: Ermittlung, koordinierte Beschlagnahme, Serverabschaltung und Datenauswertung. Im Fall von „First VPN“ wurden 33 „kritische Server“ des Anbieters während der Aktion übernommen; parallel wurde ein mutmaßlicher Administrator in der Ukraine festgenommen. Dazu gehören auch die im Rahmen der Aktion beschlagnahmten Domänen, die öffentlich nicht mehr als normaler Dienst erreichbar sind. Wer auf die Domains zugreift, sieht seither ein Beschlagnahme-Banner mit den beteiligten europäischen Behörden. Aus Sicht der Ermittler war entscheidend, dass zuvor Zugriff auf den laufenden Betrieb möglich gemacht wurde.
Europol und die U.S.-Behörde FBI ordneten den Dienst als aktive Infrastruktur ein, die mindestens seit 2014 genutzt wurde. Laut einer „Flash Alert“-Mitteilung des FBI waren Exit-Node-Server in 27 Ländern verfügbar. Solche Exit-Nodes sind bei VPNs der zentrale Punkt: Der Datenverkehr wird dort scheinbar „umgeleitet“, sodass Zielsysteme Quellinformationen mit dem Exit-Node assoziieren. Genau diese Eigenschaft machte den Dienst nach Behördenangaben für Angriffe attraktiv, etwa für Netzwerk-Scanning, die Vorbereitung von Botnet-Zugriffen sowie für Denial-of-Service- und Scam-Abläufe. Zusätzlich wird „First VPN“ als Bestandteil der Arbeitskette von rund 25 Ransomware-Gruppen genannt, einschließlich „Avaddon Ransomware“.
Für die Einordnung des Geschäftsmodells ist das Marketing entscheidend: Der Dienst wurde in einschlägigen russischsprachigen Dark-Web-Foren beworben, darunter als Marktplätze für unbefugten Systemzugang, gestohlene personenbezogene Informationen sowie Hacking-Tools. Dort wird häufig mit einer Kombination aus „Nichtkooperation“ gegenüber Strafverfolgungsbehörden, dem Versprechen „keine Datenspeicherung“ und der Behauptung „keine Zuständigkeitsprobleme“ geworben. Ermittler stellen dieser Selbstdarstellung jetzt eine andere Realität gegenüber: Europol betont, dass der Dienst über Jahre in nahezu jeden großen Cybercrime-Fall eingebunden gewesen sei, den die Behörden untersucht hätten. Dass ein VPN nicht „automatisch“ anonym ist, ist dabei weniger moralische Einsicht als praktische Mess- und Beweisfrage.
Im Marktvergleich wird die Spannung zwischen legitimer und illegitimer Nutzung besonders sichtbar. Während legale Anbieter wie NordVPN oder ExpressVPN darauf abzielen, Datenverkehr zu schützen und Standort-/Netzwerksperren zu umgehen, operieren kriminelle Dienste mit ähnlichen Mechanismen, aber abweichenden Zielsetzungen und Betriebsdisziplin. Aus Sicht von Sicherheitsverantwortlichen ist das relevant: Unternehmensnetze und Behörden bewerten VPNs nicht nur nach Verschlüsselungs-Claims, sondern nach konkreten Betriebsindikatoren, Logging- und Schlüsselmanagement-Entscheidungen sowie nach der Wahrscheinlichkeit, dass Exit-Node-Ressourcen in Abwehr- und Ermittlungsprozesse einfließen. Auch der Umstand, dass Ransomware-Gruppen denselben Typ Infrastruktur nutzen, verschiebt die Risikobewertung deutlich.
Eine besonders wertvolle Komponente dieser Aktion ist der Intelligence-Mehrwert. Europol erklärte, dass die Ermittler vor der Abschaltung Zugriff auf den Dienst erlangten, wodurch sie an eine Benutzer-Datenbasis gelangten und damit VPN-Verbindungen identifizieren konnten, die mit weiteren Akteuren in Verbindung standen. Laut Agentur wurden tausende Nutzer mit dem Cybercrime-Ökosystem assoziiert und es entstanden operative Hinweise für Fälle weltweit, darunter Ransomware-Angriffe und Betrugsmaschen. Zudem habe Europol 83 Intelligence-Pakete geteilt, die Informationen zu 506 internationalen Nutzern enthielten. Für Unternehmen bedeutet das: Angriffe, die zunächst isoliert wirken, lassen sich über gemeinsame Infrastrukturmuster in Kampagnen einordnen.
Regulatorisch und datenschutzbezogen stellt sich dabei eine zweischneidige Frage: Wo endet berechtigte Strafverfolgung, und wie werden Daten so verarbeitet, dass Grundrechte gewahrt bleiben? In Europa gelten strenge Maßstäbe für den Umgang mit personenbezogenen Daten, weshalb Ermittlungs- und Zugriffsmechanismen häufig mit gerichtlichen Anordnungen sowie dokumentierten Zweckbindungen verknüpft sind. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass „Null-Logging“-Versprechen im Dark Web nicht automatisch als Glaubenssache akzeptiert werden dürfen: Wenn Behörden Betriebsdaten und Verbindungszusammenhänge sichern, fließen diese Informationen in weitere Verfahren. Für Sicherheits- und Compliance-Teams ist daher entscheidend, in Incident-Response-Playbooks explizit solche Infrastrukturindikatoren zu verankern.
Mit Blick auf die Zukunft ist wahrscheinlich, dass das Takedown-Szenario nicht das Ende, sondern eine Neujustierung des Ökosystems auslöst. Kriminelle wechseln typischerweise nach Abschaltungen auf neue Domains, alternative Serverstandorte oder modifizierte Exit-Strukturen, während Ermittler ihre Mustererkennung weiter verfeinern. Für die Verteidigungsseite könnten zwei Entwicklungen im Vordergrund stehen: erstens eine stärkere Verknüpfung von Threat-Intel aus VPN- und Dark-Web-Infrastruktur mit Ransomware-Taktiken, zweitens ein konsequenterer Fokus auf „Egress“-Punkte wie Exit-Nodes, DNS-Indikatoren und wiederkehrende Netzwerkprofile. Für Entwickler und IT-Teams heißt das auch: Monitoring auf Anomalien im Traffic-Muster und auf verdächtige Tunnel-Charakteristika wird strategisch relevanter, ebenso wie die schnelle, rechtskonforme Zusammenarbeit mit Behörden.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- NIEDLICHER BEGLEITER: Eilik ist der ideale Begleiter für Kinder und Erwachsene, die Haustiere, Spiele und intelligente Roboter lieben. Mit vielen Emotionen, Bewegungen und interaktiven Funktionen.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Europäische Behörden schließen „First VPN“ und treffen Infrastruktur für Ransomware" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Europäische Behörden schließen „First VPN“ und treffen Infrastruktur für Ransomware" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Europäische Behörden schließen „First VPN“ und treffen Infrastruktur für Ransomware« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!