BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – GASAG bringt in einem Mehrfamilienhaus eine Hybridheizung aus Luftwärmepumpe und Gas-Spitzenlastkessel in Betrieb und reduziert dabei den CO2-Ausstoß deutlich. Das System deckt die Hauptlast im Winter überwiegend über die Wärmepumpe ab und nutzt den Gas-Kessel nur bei Bedarfsspitzen. Damit soll die Anlage zugleich steigende gesetzliche Anforderungen im Gebäudebestand erfüllen. Entscheider erhalten damit ein konkretes Beispiel, wie sich Sanierungsziele, Effizienz und Energieträger-Mix in der Praxis zusammendenken lassen.

GASAG Solution Plus: Hybridheizung senkt CO2 im Mehrfamilienhaus deutlich
GASAG Solution Plus: Hybridheizung senkt CO2 im Mehrfamilienhaus deutlich (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Berliner Bestandsbau rückt der Austausch alter Heiztechnik zunehmend in den Fokus, weil Klimaziele, Förderlogiken und verpflichtende Nachrüstpfade aufeinander treffen. Vor diesem Hintergrund hat GASAG mit „Solution Plus“ eine Hybridheizung für ein Mehrfamilienhaus der Gewobag in Betrieb genommen, konkret an der Winterfeldtstraße. Die Maßnahme zielt darauf ab, jährlich 21,6 Tonnen CO2 einzusparen und damit die Anforderungen an energieeffizientes Heizen voraussichtlich besser zu erreichen. Dass Hybridtechnik dafür als Brücke eingesetzt wird, ist ein Signal: Unternehmen müssen kurzfristig Anlagen sanieren, gleichzeitig aber die Wärmeerzeugung schrittweise dekarbonisieren.

Technisch basiert das Konzept auf einer Luftwärmepumpe mit 45 Kilowatt Leistung, ergänzt durch einen Gas-Spitzenlastkessel. In der Auslegung übernimmt die Wärmepumpe die Hauptlast, während der Kessel nur dann anspringt, wenn der Bedarf die wirtschaftlichen bzw. energetischen Grenzen der Wärmepumpe in der Praxis überschreitet – etwa bei ausgeprägten Kältephasen oder Lastspitzen. Diese Betriebsstrategie ist entscheidend, denn sie reduziert den Anteil fossiler Wärmeerzeugung, ohne das System in ungünstigen Wetterfenstern unterdimensioniert zu betreiben. Der im Ergebnis genannte erneuerbare Anteil von 70 Prozent zeigt, wie stark die Lastfahrweise die Bilanz prägt.

Der Vergleich zu Alternativen macht den Charakter der Hybridlösung deutlich: Ein reines Wärmepumpensystem kann in sehr kalten Situationen zwar technisch funktionieren, erfordert aber häufig größere Pufferspeicher, strengere Auslegung und bei hohen Netztemperaturen zusätzliche Komponenten. Ein reines Gas-Brennwertkonzept wiederum erfüllt mittelfristig kaum die Richtung der Energiewende, weil Emissionsgrenzen und erwartbare Verschärfungen bei Nachrüstungen den langfristigen Betrieb riskant machen. Hybridheizungen positionieren sich deshalb häufig als „Übergang mit Planungssicherheit“: Der fossile Anteil bleibt steuerbar, während der EE-Anteil bereits steigt. Damit konkurriert das Modell indirekt mit Konzepten anderer Versorger, die stärker auf Wärmenetze, zentrale Speicher oder reine Wärmepumpen-Standards setzen.

Marktseitig ist die Timing-Komponente nicht zu unterschätzen. Viele Wohnungsunternehmen stehen vor Sanierungsentscheidungen, die sich über mehrere Jahre erstrecken, während gleichzeitig Förderbedingungen, CO2-Bepreisung und gesetzliche Vorgaben dynamisch wirken. Experten sehen daher weniger den Wettbewerb einzelner Wärmetechniken als vielmehr den Wettbewerb um Projektfähigkeit: Wer in kurzer Zeit Installationskapazitäten, Engineering-Ressourcen und Betriebskonzepte zusammenbringt, gewinnt Skalierungsvorteile. In Branchenkommentaren wird häufig betont, dass Hybridansätze vor allem dann überzeugen, wenn die Regelung im Alltag funktioniert und nicht nur im Rechenmodell. Ein Fachbeitrag aus dem Energiedienstleistungsumfeld bringt die Erwartung auf den Punkt: „Die Effizienz entscheidet sich am Zusammenspiel von Lastprofil, Sensorik und Fahrweise.“

Auch regulatorisch ist der Ansatz ein pragmatisches Manöver. Im Gebäudebereich zählen Emissionskennwerte, Energieeffizienz und die nachweisbare Minderung gegenüber dem Ausgangszustand. Hybridsysteme können dabei helfen, Grenzwerte schneller zu erreichen als eine reine Modernisierung auf Basis fossiler Komponenten. Gleichzeitig bleibt der Betrieb adressierbar: Wenn in Zukunft erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden oder Gas-Anteile durch klimafreundlichere Lösungen ersetzt werden, lässt sich das System in vielen Fällen stufenweise weiterentwickeln, etwa über angepasste Betriebsstrategien oder zusätzliche Sektorkopplung. Damit entsteht eine strategische Option für Betreiber, die kurzfristig Compliance brauchen und mittelfristig auf Dekarbonisierung setzen.

Ein zentraler technischer Hebel liegt in der Steuerung: Die Wärmepumpe muss die Hauptlast im Winter zuverlässig tragen, während die Spitzenlastanforderungen energetisch sinnvoll abgefedert werden. Dazu braucht es eine regelbasierte Auslegung, die Außenlufttemperaturen, Rücklauftemperaturen und reale Gebäude-Lasten berücksichtigt. In der Praxis wird zudem relevant, wie das System mit Zyklen umgeht, etwa durch eine abgestimmte Taktung zwischen Wärmepumpe und Kessel sowie durch temperaturgeführte Betriebsmodi. Für die Betreiberseite bedeutet das: Messbarkeit und Betriebsführung sind Teil der Lösung. Wer nur Hardware installiert, riskiert, dass die Effizienz im Alltag nicht die Planwerte erreicht.

Der Markt betrachtet solche Projekte inzwischen auch als Lernfeld für Skalierung im Bestandssegment. Für Wohnungsbaugesellschaften und kommunale Stadtwerke ist entscheidend, dass die Umrüstung nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch funktioniert: von der Planung über die Bauausführung bis hin zu Abnahme, Monitoring und langfristigem Betrieb. Gleichzeitig kann die Technologiekompetenz intern aufgebaut werden, wenn dokumentierte Betriebsergebnisse vorliegen. In der Wettbewerbslandschaft zeigen sich dabei unterschiedliche Strategien: Während manche Anbieter stärker auf Wärmenetze oder zentrale Lösungen setzen, fokussieren andere auf „Heizungsmodernisierung mit EE-Anteil“ im Gebäude. Hybridheizungen stehen dabei oft im Wettbewerb um die bessere Balance zwischen Machbarkeit, Investitionshöhe und CO2-Wirkung.

Mit Blick auf die Zukunft wird die Frage sein, wie sich der Anteil erneuerbarer Energien weiter erhöhen lässt, ohne die Systemsicherheit zu gefährden. Der genannte EE-Anteil von 70 Prozent ist ein Zwischenziel, aber keine Endstufe: In kommenden Projektzyklen werden Regelung, Hydraulik und ggf. Speicherkonzepte weiter optimiert werden, insbesondere wenn die Gebäudehülle durch Dämmmaßnahmen oder Austausch von Fenstern zusätzlich entlastet wird. Zudem könnten sich künftige Anlagenteile anpassen lassen, etwa über optimierte Lastverschiebung, bessere Wärmeverteilung oder Kopplung an PV-Überschüsse. Für Entwickler und Integratoren entsteht dadurch ein klarer Bedarf an KI-gestütztem Monitoring der Betriebsparameter, ohne dass die Anlagenhersteller-Logik ausgehebelt werden muss.


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