BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ehrenamtliche schulen bundesweit rund ältere Menschen, damit sie Smartphones, Tablets und Online-Dienste sicher nutzen können. Projekte wie „Di@-Lotsen“ wachsen auf etwa 600 Freiwillige, während weitere Initiativen konkrete Alltagsanwendungen trainieren. Parallel will der DigitalPakt Alter digitale Teilhabe in Kommunen mit einem neuen Qualitätssiegel verstetigen. Der nächste Schritt führt von Gerätebedienung hin zu komplexeren Themen wie der elektronischen Patientenakte und KI-gestützten Gesundheitsprozessen.

Wer ältere Menschen bei der digitalen Teilhabe begleitet, entscheidet heute nicht nur über Komfort, sondern über gesellschaftliche Zugänglichkeit. Bundesweit entstehen strukturierte Angebote, in denen Ehrenamt und Fördergelder zusammenwirken: Anstatt „nur“ Tablets bereitzustellen, geht es um verständliche Lernpfade, regelmäßige Ansprechpartner und praktische Übungen. Die Entwicklung wird sichtbar, sobald lokale Projekte skaliert werden. In Hessen etwa ist das Vorhaben „Di@-Lotsen“ seit 2021 auf rund 600 Ehrenamtliche angewachsen. Solche Größenordnungen deuten darauf hin, dass Digitalhilfe zunehmend als dauerhafte Infrastruktur verstanden wird, vergleichbar mit Bibliotheken oder Bürgerdiensten.
Technisch betrachtet ist der Schritt von Hardware zum sicheren Umgang mit digitalen Diensten entscheidend. Viele Kurse starten mit der Bedienung, rücken dann aber rasch an konkrete Use Cases heran: Online-Banking, Terminportale, Behördenwege und digitale Kommunikation. Dadurch werden typische Fehlerketten reduziert, etwa wenn Passwörter unbedacht gespeichert werden oder Phishing-Mails übersehen. Genau hier wirken Trainingskonzepte wie modulare Schulungen, regelmäßige Sprechstunden und begleitende „Digital-Cafés“. Im Vergleich zu rein digitalen Tutorials setzen diese Angebote stärker auf Peer-Learning, also auf Lernunterstützung durch Menschen aus dem Umfeld, was die Hürde für Neueinsteiger spürbar senkt.
Auch Markt- und Branchenbewegungen spiegeln den wachsenden Druck auf benutzerfreundliche Schnittstellen. Große Plattformanbieter wie Apple und Google investieren seit Jahren in Barrierefreiheit, etwa durch vereinfachte Einstellungen, Screenreader-Support und Sicherheitsfunktionen auf Betriebssystemebene. Dennoch bleibt die Lücke zwischen „eingebauter Funktion“ und „kompetentem Einsatz“ bestehen. Branchenexperten argumentieren deshalb, dass digitale Inklusion ohne begleitende Vermittlung nicht nachhaltig wird: Betriebssystem-Features helfen, aber die richtige Nutzungsroutine entsteht erst durch wiederholte Anwendung. Gleichzeitig konkurrieren Kommunen und Träger nicht um Technologie, sondern um Personal, Zeitfenster und verlässliche Lernformate.
Ein Blick auf die Wettbewerbslage zeigt zudem, dass die größten Fortschritte dort entstehen, wo Initiativen Alltagsnähe und organisatorische Stabilität kombinieren. Projekte wie „Digital-Botschafter RLP“ setzen auf geplante Online-Schulungen mit mehreren Modulen, während Initiativen in anderen Regionen auf Treffpunkte vor Ort wie die regelmäßige Beratungsstruktur eines Seniorenbeirats setzen. Das Digital-Café-Modell in Kooperationen mit Bildungseinrichtungen ist ein weiteres Beispiel: Wenn Schüler:innen und Ehrenamtliche gemeinsam anleiten, entsteht eine Lernkultur, die beide Generationen abholt. Für Entscheider ist dabei wichtig, dass die Nachfrage nicht „einmalig“ ist, sondern sich mit neuen Funktionen und digitalen Anforderungen fortlaufend verändert.
In mehreren Regionen wird der Kursinhalt zunehmend konkretisiert. Anstatt nur Smartphones „anzuschalten“, trainieren Lernangebote Themen wie Sicherheitseinstellungen, Kommunikation oder Reiseplanung. Workshops mit Kartenfunktionen, regelmäßige Smartphone-Sprechstunden und längere Reihen für Android, die von Messaging bis Sicherheit reichen, sorgen dafür, dass Wissen nicht in Einmalterminen verpufft. Besonders relevant ist die Fachsprache: Selbst wenn Geräte intuitiv wirken, blockieren Begriffe wie „AirDrop“ oder iOS-nahes Vokabular viele Einstiegskursteilnehmer. Deshalb setzen einige Formate ergänzend auf klar strukturierte Lexika oder Leitfäden, die Begriffe in einem verständlichen Kontext erklären und die Lernkurve senken.
Damit wird auch die Förderlogik greifbarer: Bundesweite Initiativen wollen die digitale Hilfe verstetigen und messbarer machen. Der „DigitalPakt Alter“ führt hierfür ein neues Qualitätssiegel für „Kommunen im DigitalPakt Alter“ ein. Ziel ist, digitale Teilhabe nicht als zeitlich befristetes Pilotprojekt zu behandeln, sondern als wiederholbar kontrollierbares Programm. Für kommunale IT und Sozialverwaltungen ist das zugleich eine Governance-Aufgabe: Prozesse, Schulungsinhalte, Datenschutzregeln und Dokumentation müssen zusammenpassen. Hier setzt die nächste Etappe an, denn bereits für 2027/2028 sind Förderzuschüsse für kleinere und mittlere Kommunen vorgesehen, die planbar Ressourcen für lokale Strukturen bereitstellen.
Der Blick nach vorn zeigt eine Verschiebung vom „Geräte-Know-how“ hin zu digitalen Gesundheits- und Verwaltungssystemen. Beim Digitaltag in Heilbronn sollen Expert:innen die elektronische Patientenakte (ePA) und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Alltag erklären. Für viele Senior:innen ist das ein Sprung: Während Smartphone-Kurse oft mit Messenger-Apps oder Kartenfunktionen beginnen, erfordern Gesundheits- und Verwaltungsprozesse ein tieferes Verständnis von Identität, Berechtigungen und Datenflüssen. Genau deshalb wird die Verbindung von technischer Schulung mit verständlicher Sicherheitsvermittlung so wichtig. Datenschutzrechtlich bedeutet das: Die Nutzer müssen nicht nur „bedienen“, sondern auch verstehen, warum Einwilligungen, Zugriffsrechte und datensparsame Einstellungen zentral sind.
Langfristig entscheidet sich die Wirkung solcher Programme an drei Faktoren: Reichweite, Qualität und Anpassungsfähigkeit. Reichweite entsteht durch Skalierung von Ehrenamtlichen, wie das Beispiel mit rund 600 Freiwilligen zeigt; Qualität durch einheitlichere Trainings- und Begleitstrukturen, etwa über Module, Zertifikate oder Gütesiegel; Anpassungsfähigkeit durch regelmäßige Aktualisierung der Kursinhalte, wenn neue App-Funktionen oder Sicherheitsrisiken auftauchen. Für Anbieter von Unternehmenssoftware, Lernplattformen und Beratungsdienstleistungen ergeben sich daraus Chancen, vor allem in der Unterstützung für Kursorganisation, Wissensmanagement und sichere Zugänge. Gleichzeitig wird die Priorität klar: Eine zugängliche digitale Teilhabe gelingt nur, wenn Security- und Privacy-Konzepte konsequent mitgedacht werden und Kommunen die Lernangebote nicht nur starten, sondern dauerhaft betreiben.
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