SEOUL / LONDON (IT BOLTWISE) – Samsung Engineering stellt seine Carbon-Capture-Lösung für Großanlagen in den Fokus und verspricht je nach Projektkonfiguration Abscheideraten von bis zu rund 90 Prozent. Die Technik trennt CO2 aus Rauchgasen über chemische Absorption, gekoppelt mit Regeneration und Abgasaufbereitung. Für Betreiber ist dabei vor allem das Zusammenspiel aus Effizienz, Energie-„Penalty“ und langfristiger Stabilität der Prozesschemie entscheidend.

Samsung Engineering: Carbon-Capture-Lösung für Abgasströme großer Industrieanlagen
Samsung Engineering: Carbon-Capture-Lösung für Abgasströme großer Industrieanlagen (Foto: IT BOLTWISE)
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Samsung Engineering rückt mit seiner „Carbon Capture Solution“ eine Infrastrukturtechnik in den Mittelpunkt, die in der Dekarbonisierung besonders dort ansetzt, wo Emissionen schwer zu vermeiden sind: bei großen Punktquellen wie Kraftwerksblöcken, Raffinerien und petrochemischen Anlagen. Ausgangspunkt sind Abgasströme, die in der Regel bereits bei der Prozessführung bestimmte Temperaturen und Zusammensetzungen mitbringen und über die konventionell CO2 nur selten gezielt entnommen wird. Der Ansatz zielt damit weniger auf den Heimeinsatz als auf Industrie- und Energieprojekte, die regulatorisch oder freiwillig messbare Emissionssenkungen benötigen.

Technisch basiert das System auf dem Prinzip der chemischen Absorption: CO2 wird selektiv in einer Waschlauge gelöst und anschließend wieder ausgetrieben. In der typischen Architektur durchlaufen die Gase eine Absorberkolonne, in der Abgas von unten einströmt und die Waschlauge von oben geführt wird. Die beladene Lösung geht danach in einen Regenerator, der die Flüssigkeit erhitzt, um das gebundene Kohlendioxid als Gas freizusetzen. Dazwischen sorgen Wärmetauscher, Pumpen und Reinigungsstufen dafür, dass der Dauerbetrieb in industriellen Umgebungen funktioniert, einschließlich Staub, schwefliger Bestandteile und wechselnder Lasten.

Samsung Engineering nennt für Projekte, abhängig von Konfiguration und Rahmenbedingungen, Abscheideraten von bis zu rund 90 Prozent des im Abgas enthaltenen CO2. Für die Auslegung sind dabei nicht nur die Basiskomponenten relevant, sondern die Abstimmung auf Druck, Temperatur und die konkrete Gaszusammensetzung der Quelle. In der Praxis bedeutet das: Betreiber müssen die Anlage oft so planen, dass sie mit vorhandenen Produktionslinien koexistiert. Entscheidend ist auch die Mess- und Überwachungslogik, denn Temperaturen, Druckverläufe und Zusammensetzung der Chemie müssen stabil bleiben, damit sich die Abscheidung langfristig in Emissionsinventaren und Umweltberichten zuverlässig nachweisen lässt.

Im Marktumfeld konkurrieren solche Carbon-Capture-Ansätze mit mehreren Richtungen. Klassische Anlagenkonzepte mit amininspirierter Absorption stehen im Wettbewerb zu Alternativen wie Kryotechnik, Membranverfahren oder krytischer Nutzung von Abwärme in integrierten Prozessketten. Auch große Industrie- und Engineeringanbieter positionieren sich parallel mit CO2-Abscheide- und Aufbereitungstechnologien, sodass Einkaufs- und Partnerschaftsentscheidungen stark von Projektrisiken abhängen: Integration in bestehende Anlagen, Verfügbarkeiten unter realen Betriebsbedingungen und die Frage, wie gut sich die Systemeffizienz skalieren lässt. Branchenbeobachter ordnen Carbon Capture in der Regel als „Brücken-Technologie“ ein, die besonders für langlebige Assets relevant bleibt, solange Strukturwandel und Netzausbau nicht ausreichen.

Für die Wirtschaftlichkeit steht zugleich die sogenannte Energy Penalty im Vordergrund. Das Regenerieren der Waschlauge und das Verdichten des abgeschiedenen CO2 benötigen Wärme und Strom, wodurch die Nettoleistung eines fossil betriebenen Kraftwerks sinken kann. Genau hier entscheidet sich, ob Capture im Gesamtbetrieb wirtschaftlich darstellbar ist: Je nach Technologie und Anlagengröße kann die Zusatzbelastung nur einen kleinen Teil der Hauptproduktion betreffen oder deutlich spürbar werden. Aus Projektleitungs- und Betreiberperspektive muss daher ein belastbarer Business Case entstehen, in dem Energiepreise, verfügbare Abwärme, Betriebsprofile und Fördermechanismen zusammenpassen.

Technisch gibt es ebenfalls Grenzen, die nicht nur in der Theorie liegen. Die chemische Absorption eignet sich besonders für große Punktquellen wie Kessel oder Reformer, während stark verteilte kleine Quellen technologisch und logistisch meist schwieriger abbildbar sind. Bei klassischen Amin-Lösungen treten zudem potenzielle Risiken wie Korrosion oder Lösungsmittelverluste auf, wenn Betrieb und Wartung nicht streng kontrolliert werden. Samsung Engineering verweist in diesem Zusammenhang auf unterschiedliche Rezepturen und Materialien sowie auf Servicekonzepte, die Wartung und Optimierung abdecken sollen. Für Unternehmen zählt dabei nicht nur die Anfangsleistung, sondern die Persistenz über mehrere tausend Betriebsstunden pro Jahr.

Regulatorisch wird Carbon Capture zunehmend als Baustein betrachtet, um schwer dekarbonisierbare Sektoren in den Griff zu bekommen. In Südkorea, dem Heimatmarkt von Samsung Engineering, diskutieren Regierung und Industrie Wege zur CO2-Reduktion, bei denen neben erneuerbaren Energien und Effizienzmaßnahmen auch Abscheidungs- und Speichertechnologien eine Rolle spielen. Ähnliche Debatten prägen weitere asiatische Staaten sowie Teile des Nahen Ostens, wo CO2-Zertifikate, nationale Klimaziele und Anforderungen an dokumentierbare Einsparungen Druck erzeugen. Für Betreiber ist zudem relevant, dass Förderungen und Finanzierungsmodelle häufig an nachweisbare Mengen gekoppelt sind – weshalb Messsysteme am Ausgang der Anlage und klare Dokumentationspfade bereits in der Projektplanung verankert werden.

Für Samsung Engineering selbst kann die Carbon Capture Solution als Baustein in einem breiteren Anlagenbau- und Serviceportfolio wirken: Zusatzaufträge entstehen im Engineering, in der Beschaffung und im Bau, während langfristige Wartung und Optimierung wiederkehrende Umsätze stützen können. Wie stark sich ein solches Segment bereits im Kurs einer Aktie abbildet, hängt laut Marktlogik davon ab, wie Investoren den Anteil dieser Aktivitäten am Gesamtmix aus Energie-, Chemie- und Infrastrukturprojekten einschätzen und wie planbar die Projektpipeline im jeweiligen Zeitraum erscheint. Künftig dürften sich die Anforderungen weiter verschieben: Betreiber werden stärker auf Lebenszykluskosten, Energieintegration und nachweisbare Stabilität achten, während Wettbewerber ihre Lösungen zunehmend modularisieren, um Stillstandszeiten bei Retrofit-Phasen zu minimieren.


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