HAIFA / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein israelisches HIFU-System soll bei vergrößerter Prostata BPH-Probleme lösen, ohne Instrumente durch die Harnröhre einzuführen. Das Gerät wird am Damm platziert, nutzt fokussierten Ultraschall und kontrolliert die Energie auf den Zielbereich. In der ersten klinischen Testphase wurden bisher drei Patienten über rund drei Monate beobachtet. Der Fokus liegt zunächst klar auf Sicherheit – Wirksamkeit über lange Zeiträume muss die nächste Studienstufe zeigen.

Für viele Männer über 50 ist eine vergrößerte Prostata (BPH) mehr als ein Komfortthema: Häufiger Harndrang, nächtliches Aufwachen und ein geschwächter Harnstrahl können Alltag und Schlaf massiv beeinträchtigen. Wenn Medikamente nicht ausreichen oder Komplikationen wie Harnverhalt, wiederkehrende Infektionen oder Schäden an Blase und Nieren drohen, steht in der Praxis häufig eine invasive Behandlung über die Harnröhre im Raum. Genau hier setzt ein israelisches Technologie-Setup an, das im Rahmen einer ersten-in-Menschen-Studie am Rambam Health Care Campus in Haifa erprobt wird. Ziel ist die Wiedereröffnung des Harnwegs – ohne den klassischen Eingriff durch die Harnröhre.
Technisch betrachtet nutzt das System hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU), der von außen auf die Prostata zielt. Der Behandlungskopf wird dabei an der Haut am Damm positioniert – zwischen After und Hodengrund. Aus dem Bauch heraus funktioniert das Verfahren also nicht, sondern über einen nicht-invasiven Zugang; gleichzeitig soll die Energie präzise in das Gewebe eingebracht werden, sodass dort eine kontrollierte thermische Ablation entsteht. Laut den Angaben aus der Studie soll die Behandlung pro Aktivierung einen Bereich von der Größe einer Erbse bis einer Olive innerhalb von etwa einer Minute adressieren. Die gesamte Prozedur inklusive Vorbereitung dauert dabei ungefähr 20 bis 30 Minuten und findet im Sitzen statt.
Der entscheidende Unterschied zu vielen bisherigen HIFU-Ansätzen liegt in der Bildführung und Zielsteuerung. Bei der medizinischen Nutzung fokussierten Ultraschalls bleibt die Frage zentral, wo der Strahl wirklich konvergiert und wie zuverlässig der Fokus auf dem Zielgewebe sitzt – insbesondere, wenn Anatomie und Lage variieren. Das Unternehmen NINA Medical beschreibt deshalb eine Kombination aus Ultraschallbildgebung und zusätzlicher Darstellung von Strahlweg sowie Fokusposition vor der eigentlichen Hochenergiephase. Zuerst wird niedrigintensiv gearbeitet, um visuelles Feedback zu erhalten, anschließend erfolgt die volle therapeutische Energie. Damit soll die Sicherheit und Effektivität steigen, weil das Team „sehen“ kann, bevor es thermisch ablätiert.
Die klinische Einordnung bleibt dennoch vorsichtig: Bisher wurden am Rambam drei Patienten behandelt und ungefähr drei Monate nachverfolgt. In dieser frühen Phase ist der Endpunkt primär die Sicherheit; ob das Verfahren langfristig genauso wirksam ist wie etablierte Therapien, ist damit noch nicht belegt. Dr. Aleksander Kravtsov betont, dass nicht allein subjektive Zufriedenheit zählt, sondern objektive Tests zu Harnfunktion und Lebensqualität. Auf Studienebene folgt demnach ein zweistufiger Plan: zuerst die sichere Anwendbarkeit zeigen, dann erst Wirksamkeit. Genau dieses Vorgehen findet sich auch bei anderen HIFU-Programmen wieder, etwa bei in der Urologie etablierten Systemen von Herstellern wie EDAP oder kooperierenden Technikplattformen, die ebenfalls Bild- und Energiekontrolle priorisieren.
Marktseitig ist der Druck auf „möglichst invasivearme“ BPH-Therapien spürbar. Typische Alternativen sind medikamentöse Ansätze (Alpha-Blocker zur schnellen Druckreduktion, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer für eine langsamere Schrumpfung) sowie endoskopische Verfahren, bei denen Gewebe durch Werkzeuge in der Harnröhre entfernt oder verdampft wird. Gerade diese Instrumentierung schreckt viele Patienten ab, weil sie unter Anästhesie erfolgen kann, Krankenhausaufenthalte verursachen und mit Risiken wie Blutung, Infektion oder Katheterpflicht verbunden sein können. Das HIFU-Versprechen lautet deshalb: outpatient-fähig, ohne Fremdkörper im Körper und potenziell wiederholbar. Für Kliniken bedeutet das außerdem, dass Pfade wie OP-Saal-Kapazitäten, Nachsorge und Komplikationsmanagement stärker neu austariert werden müssen.
Aus Sicht von Enterprise-Software und medizinischer Infrastruktur ist das Verfahren auch ein Hinweis darauf, wie sich Gerätetechnik und Data-Workflows künftig verzahnen. Selbst wenn die Studie selbst keine KI-basierten Algorithmen im engeren Sinn nennt, erfordert die präzise Zielverfolgung und Dokumentation der Fokuslagen eine saubere Integration von Bilddaten, Aktivierungsprotokollen und Messwerten zur Harnfunktion. Das schafft Potenzial für neue Anforderungen an Monitoring, Auditierbarkeit und Qualitätskontrollen in der Klinik-IT. Außerdem berührt das Thema regulatorische und datenschutzbezogene Fragen: Bevor sich solche Systeme breit durchsetzen, müssen Zulassungsbehörden sowohl die technische Sicherheit als auch die klinische Evidenz (Studiendesign, Endpunkte, Nebenwirkungsprofile) bewerten. Dazu kommen strenge Vorgaben für den Umgang mit Gesundheitsdaten, insbesondere wenn Bild- und Verlaufsdaten in IT-Systemen verarbeitet werden.
Die nächsten Entwicklungsschritte dürften genau an diesen Punkten ansetzen. In der zweiten Studienphase geht es vor allem darum, Wirksamkeit über längere Zeiträume zu zeigen und zu prüfen, ob sich das Verfahren in bestimmten Patientengruppen als Alternative zu etablierten Eingriffen etablieren kann – etwa bei Prostatagrößen, bei denen endoskopische Techniken bereits an Grenzen stoßen. Ebenso wichtig wird sein, wie das System mit anatomischen Variationen umgeht und ob sich die Energieablation reproduzierbar kontrollieren lässt, ohne Folgeprobleme wie Harnröhrenverengungen (Urethral Stricture) zu begünstigen. Wenn das gelingt, könnten HIFU-basierte Workflows langfristig den Weg zu standardisierten „ambulanten Ablationspfaden“ ebnen, die sich in bestehende Urologie- und Nachsorgeschemata integrieren lassen.
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