LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft hält die geplante Abschaltung der erweiterten Personenansicht im klassischen Outlook an und verlängert den Support mindestens bis 2029. Gleichzeitig rüstet der Konzern den älteren Client noch 2026 mit Copilot-Funktionen wie „E-Mail-Entwurf schreiben“ auf – vorausgesetzt, Nutzer haben eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz. Für Unternehmen heißt das: Der Migrationsfahrplan zur „New Outlook“-App bleibt zwar Thema, wird aber spürbar flexibler. Flankiert wird die Strategie von Speicher-Upgrades, Änderungen in Exchange Online PowerShell sowie externem Druck aus einem Rechtsstreit in Australien.

Microsoft stoppt Outlook-Abschaltung und setzt KI-Funktionen bis 2029 fort
Microsoft stoppt Outlook-Abschaltung und setzt KI-Funktionen bis 2029 fort (Foto: IT BOLTWISE)
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Microsoft hat eine für den 21. Juli 2026 geplante Änderung im klassischen Outlook zurückgezogen: Die Abschaltung der erweiterten Personenansicht wurde gestoppt, nachdem es laut dem Text „massive Kundenbeschwerden“ gegeben hat. Das klingt nach einem Detail für Power-User, ist aber strategisch bemerkenswert, weil die Personenansicht im täglichen Arbeiten oft der Ort ist, an dem Kontakte, Verläufe und Kontext zusammenlaufen. Wenn Nutzerproteste einen fest terminierten Client-Umbruch bremsen, zeigt das, dass das Tempo der Migration in Richtung „New Outlook“-App nicht allein von Produkt-Roadmaps getrieben wird, sondern auch von der Akzeptanz in bestehenden Workflows.

Technisch betrachtet hängt daran eine Grundsatzfrage: Wie lässt sich ein Legacy-Client so lange stabil betreiben, dass Organisationen nicht in der Umstellungsphase hängen bleiben? Microsoft bleibt hier nach eigener Angabe konkret: Der klassische Outlook-Client soll mindestens bis 2029 unterstützt werden. Damit passt die Entscheidung in eine größere Lebenszykluslogik. Der Text verknüpft das Supportversprechen mit dem Support-Ende von Office 2024 im Oktober 2029. Wer noch auf Office 2021 setzt, muss sich hingegen bereits bis Oktober 2026 umstellen. Für IT-Teams bedeutet das eine doppelte Planungsspur: einerseits die länger nutzbare Betriebsfähigkeit des klassischen Clients, andererseits der Termindruck aus dem Office-Ende für ältere Installationsstände.

Besonders interessant wird die Lage durch den gleichzeitigen KI-Ausbau im klassischen Outlook. Obwohl Microsoft den Wechsel zu „New Outlook“ vorantreibt, rüstet der Konzern den Klassiker offenbar noch 2026 mit Copilot-Funktionen nach. Genannt wird als Rollout die Aktivierung von „E-Mail-Entwurf schreiben“ im klassischen Outlook, die noch 2026 starten soll. Der Assistent soll dabei E-Mails erstellen, umschreiben und verfeinern. Allerdings ist die Hürde klar: Als Voraussetzung nennt der Text eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz. Die Verfügbarkeit soll für Web-, Mobil- und „New Outlook“-Nutzer zwischen Mitte Juli und Anfang August 2026 starten; Mac-Nutzer müssen sich noch gedulden. Genau diese Mischung aus „Legacy bleibt“ und „KI kommt trotzdem“ ist für Unternehmen relevant, weil sie die klassische Client-Landschaft nicht nur konserviert, sondern funktional erweitert und damit Trainings- und Prozessumstellungen teilweise verschiebt.

Parallel dazu macht Microsoft die KI-Strategie auch an anderer Stelle kosten- und funktionsbezogen: Die bisher kostenlose Funktion „Meeting Insights“ soll zwischen Mitte August und Anfang September 2026 eingestellt werden. Als Ersatz wird zwar „Für dieses Meeting vorbereiten“ genannt, aber eben nur mit einem Copilot-Abo für 30 Euro pro Monat. Gleichzeitig wird auch in der Copilot-App eine Podcasts-Funktion am 18. August 2026 abgeschaltet; bestehende Inhalte sollen ohne Exportmöglichkeit gelöscht werden, ohne direkten Ersatz. Für Fachbereiche heißt das, dass „KI-Features“ nicht als lineare Erweiterung betrachtet werden dürfen, sondern als Portfolio, das sich mit Lizenzmodell, Produktgrenzen und Ökosystementscheidungen verändert. In der Praxis führt das schnell zu Fragen nach Governance: Welche KI-Funktion wird von welchen Teams produktiv genutzt, und wie sieht das Übergangsszenario aus, wenn ein Teil des Funktionsumfangs abgeschaltet wird?

Jenseits von Outlook und Copilot liefert der Text weitere Signale für Administratoren, die beim Betrieb von Postfächern und Exchange Online-Setups ohnehin wöchentlich mit Umstellungen rechnen müssen. Positiv: Seit dem 10. Juli 2026 stockt Microsoft die Postfach-Kapazitäten für Business Basic, Standard und Premium von 50 auf 100 Gigabyte auf. Geteilte Postfächer bleiben allerdings bei 50 GB gedeckelt. Dazu kommt der Hinweis, Archivierungsstatus zu prüfen, bevor Pläne geändert werden. Auf der technischen Verwaltungsebene verschiebt Microsoft außerdem die Entfernung des „-Credential“-Parameters in Exchange Online PowerShell auf Dezember 2026. Diese Gnadenfrist adressiert eine typische Migration in der Praxis: gespeicherte Passwörter durch moderne Authentifizierungsmodelle zu ersetzen, bevor bestimmte Skriptparameter wegfallen. Für Betriebe mit gewachsenen Automationen ist so eine Terminverschiebung oft mehr wert als einzelne Funktionsfeatures, weil sie die Stabilität in Change-Fenstern absichert.

Daneben steht echter externer Druck aus regulatorischer und wettbewerbsrechtlicher Richtung. Der Text nennt einen Rechtsstreit in Australien: Die Wettbewerbsbehörde ACCC verklagt Microsoft mit dem Vorwurf, günstigere „Classic“-Pläne für rund 2,7 Millionen Kunden versteckt zu haben, die automatisch verlängerten. Konkret wird von einer Preiserhöhung um 45 Prozent für bestimmte Microsoft-365-Abos gesprochen, der Prozess soll 2027 beginnen. Für die Bewertung der Gesamtlage ist das wichtig, weil es die Firmenstrategie nicht nur aus Produkt- und KI-Logik erklärt, sondern auch aus Markt- und Preisgestaltungsperspektive: Wenn Nutzer an Legacy-Funktionen festhalten, wird das Produktangebot zwar technisch nachgerüstet, gleichzeitig aber preislich über Lizenzierungen und Funktionsabschaltungen neu strukturiert. Genau hier entscheidet sich, wie Unternehmen die Umstellung intern verkaufen können – technisch durch Support- und Funktionsklarheit, wirtschaftlich durch nachvollziehbare Migrations- und Lizenzpfade.

Unterm Strich ergibt sich ein Bild, das für IT-Leiter und Fachabteilungen gleichermaßen Relevanz hat: Microsoft bremst die Abschaltung einer klassischen Kernfunktion, verlängert den Support bis 2029 und bringt im selben Atemzug Copilot-Fähigkeiten wie „E-Mail-Entwurf schreiben“ in den Legacy-Client. Gleichzeitig wird aber das KI-Portfolio selektiv umgebaut, etwa durch das Ende von „Meeting Insights“ und die Abschaltung von Podcasts in der Copilot-App. Dazu kommen Speicher-Upgrades, klare Regeln bei geteilten Postfächern und eine verschobene PowerShell-Änderung, die den Umstieg auf moderne Authentifizierung erleichtern soll. Selbst Drittanbieter mischen sich ein: Am 21. Juli 2026 wurde Grok als Outlook-Add-on vorgestellt, mit Funktionen zum E-Mail-Schreiben, Posteingang-Sortierung und Terminplanung – laut Text allerdings vor allem für Web und „New Outlook“. Unternehmen sollten deshalb nicht nur einen technischen Migrationsplan erstellen, sondern die Outlook-Landschaft als mehrstufiges Übergangssystem betrachten, in dem Legacy, KI-Lizenzierung und externe Add-ons parallel funktionieren müssen.


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