NEW DELHI / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine sechsmonatige Studie liefert Hinweise darauf, dass tägliche Mandeln bei Erwachsenen mit Prädiabetes die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit verbessern können. Die Teilnehmenden schnitten nach 24 Wochen in tabletbasierten Tests besonders in Aufgaben zur Exekutivfunktion besser ab. Begleitend sanken Werte, die auf oxidativen Stress und Entzündungsprozesse hindeuten. Offen bleibt, ob sich der Effekt über längere Zeit in Richtung Demenz- oder Alzheimer-Prävention übertragen lässt.

Mandeln im Alltag: Studie zeigt bessere kognitive Verarbeitung bei Prädiabetes
Mandeln im Alltag: Studie zeigt bessere kognitive Verarbeitung bei Prädiabetes (Foto: IT BOLTWISE)
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Mandeln sind in vielen Ernährungsplänen längst eine Routinezutat – jetzt rückt eine neue klinische Untersuchung aus dem Umfeld der Diabetesforschung auch ihren möglichen Einfluss auf das Gehirn in den Fokus. Im Zentrum steht die Frage, ob ein einfaches Nahrungsmittel bei Menschen mit Prädiabetes nicht nur Stoffwechselparameter, sondern auch kognitive Leistungsaspekte beeinflusst. Konkret geht es um Verarbeitungsgeschwindigkeit und Exekutivfunktion, also jene Steuerungsprozesse, die im Alltag etwa bei Planen, Priorisieren, konzentriertem Arbeiten und beim Umgang mit mehreren Informationsströmen nötig sind.

Prädiabetes beschreibt dabei einen Zustand, in dem der Blutzucker chronisch höher als normal ausfällt, aber noch nicht die Schwelle zur formalen Diagnose eines Typ-2-Diabetes erreicht. Häufig liegt dem eine Insulinresistenz zugrunde: Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin, wodurch Glukose weniger effizient aus dem Blutkreislauf entfernt wird. Über die Zeit können solche metabolischen „Schieflagen“ systemischen Stress fördern, der sich unter anderem in niedriggradigen Entzündungsprozessen und oxidativem Stress niederschlägt. Oxidativer Stress entsteht, wenn instabile Moleküle (Freie Radikale) die körpereigenen Antioxidantien übertreffen und damit gesunde Strukturen angreifen.

Die Studie adressiert genau diesen biologischen Bogen – und testet die Hypothese, dass frühe Stoffwechselstörungen das Gehirn indirekt „unterversorgen“ könnten. Die Forschung argumentiert, dass Neuronen für stabile Signalverarbeitung eine verlässliche Energie- und Substratbereitstellung benötigen. Wenn Insulinsignale aus dem Takt geraten, wird es für das Gehirn schwieriger, seine Strukturen und Leistungsfähigkeit über längere Zeit konstant zu halten. Passend dazu knüpft das Design an Beobachtungsdaten an, die Insulinresistenz mit frühen Defiziten in kognitiven Bereichen wie der Exekutivfunktion in Verbindung bringen.

Um den Effekt einer konkreten Ernährungsintervention zu prüfen, wählte das Team um Seema Gulati (Diabetes Foundation, New Delhi) Mandeln als Untersuchungsnahrungsmittel. Dafür sprechen aus Sicht der Ernährungsbiologie mehrere Inhaltsstoffe: Mandeln liefern unter anderem Vitamin E, ungesättigte Fette, Ballaststoffe und polyphenole Pflanzenstoffe. Die Erwartung lautet, dass antioxidative Komponenten Entzündungsprozesse dämpfen und außerdem starke Blutzuckersprünge nach Mahlzeiten abflachen können – letzteres ist für die neuronale Umgebung relevant, weil unruhige Glukoseschwankungen Blutgefäße und Stoffwechselpfade belasten können. Der Versuch wurde als randomisierte kontrollierte Studie über sechs Monate in einem medizinischen Setting in New Delhi durchgeführt.

Getestet wurden 60 Erwachsene im Alter von 40 bis 60 Jahren mit klinischen Kriterien für Prädiabetes. Die Kontrollgruppe erhielt Standardberatung zu Ernährung und Bewegung, zugeschnitten an lokale Leitlinien. Die Interventionsgruppe bekam die gleiche Beratung, ergänzte aber täglich rohe, ungeröstete Mandeln. Die Menge war so kalkuliert, dass sie ungefähr 20 % der täglichen Energie ausmachten, was etwa 30 bis 40 Gramm Mandeln pro Tag entspricht. Um die Gesamtenergiebilanz nicht zu verändern, sollten Teilnehmende in der Mandelgruppe sichtbare Kochfette und kohlenhydratreiche Cerealien teilweise durch die in Mandeln enthaltenen Fette ersetzen; die Einhaltung wurde laut Studiendesign durch regelmäßige Anrufe und Kontrollen der leeren Mandelverpackungen überprüft.

Nach 24 Wochen maßen die Forschenden die Gehirnleistung mit einer standardisierten, tabletbasierten neuropsychologischen Testbatterie. Die Teilnehmenden mussten dabei unter anderem komplexe Muster abgleichen, visuelle Hinweise folgen und räumliche Anordnungen lösen. Die Software erfasste Genauigkeit sowie Reaktionszeiten bis in den Millisekundenbereich. Parallel wurden Blutproben analysiert: Neben Veränderungen bei Blutzucker und Insulinproduktion interessierten besonders Entzündungs- und Marker des antioxidativen Status. Dazu gehörten die Bestimmung von Alpha-Tocopherol als Vitamin-E-Form sowie die Messung von Lipidperoxidationswerten, also Abbauprodukten, die als Indikator für oxidative Belastung dienen.

Am Studienende zeigte sich ein klares Muster: Die Mandelgruppe schnitt in Aufgaben, die Exekutivfunktion abbilden, sichtbar besser ab als die Kontrollgruppe. Auch bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit gab es Vorteile; in den Aufmerksamkeitsübungen reagierten die Teilnehmenden schneller auf visuelle Reize, während die Kontrollgruppe über denselben Zeitraum keine entsprechenden Verbesserungen zeigte. Gleichzeitig verbesserten sich biologische Parameter: Die Mandelgruppe verzeichnete einen Rückgang des Nüchternblutzuckers sowie Veränderungen im Körperumfang, darunter einen etwas stärkeren Gewichtsverlust und größere Reduktionen der Taille. Im Blut stiegen zudem die Vitamin-E-Werte deutlich an, während Lipidperoxidationsmarker zurückgingen – plausibel als Hinweis darauf, dass antioxidative Effekte im Körper auch funktional „ankommen“.

Die Autoren ordnen den möglichen Mechanismus so ein, dass Mandeln durch niedrigen glykämischen Effekt – ausgelöst durch ihren Fett- und Proteingehalt, der die Verdauung verlangsamt – die metabolische Umgebung für das Gehirn stabilisieren. Eine weniger sprunghafte Glukosekurve kann helfen, empfindliche Strukturen in Gefäßen und Gewebe vor Schäden zu bewahren, die durch wiederkehrende Extrema entstehen. Trotzdem bleibt die Studie in Grenzen: Mit 60 Teilnehmenden ist die Stichprobe moderat und benötigt Replikationen. Außerdem war die Laufzeit von 24 Wochen für Prozesse, die in Richtung altersbedingter kognitiver Abnahme wirken, eher kurz. Auch wurden keine spezifischen Marker für weitere neuronale Faktoren wie bestimmte brain-healthy Fettsäuren (z. B. Omega-3-bezogene Profile) oder brainbezogene Proteine erhoben. Das konkrete Studienresultat ist damit ein vielversprechendes Signal, aber noch kein endgültiger Beleg für einen langfristigen Schutz vor Demenz oder Alzheimer. Veröffentlicht wurde die Arbeit unter dem Titel „Effects of 24-Week Almond Supplementation on Executive Function and Processing Speed in Middle-Aged Asian Indians with Prediabetes: An Open-Label Randomized Controlled Trial“, verfasst von Seema Gulati, Anoop Misra, Rajneesh Tiwari, Ravindra M Pandey und Meenu Sharma.


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