FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der Zinsanhebung im Juni geht die EZB in den geldpolitischen Wartemodus. Der Einlagenzins bleibt damit bei 2,25 Prozent – eine konkrete Größe, die sowohl Banken als auch Sparer im Euroraum spüren. Die Zentralbank sieht zwar erste Entspannung bei der Teuerung, hält die Inflationsrisiken aber wegen Energie- und geopolitischer Faktoren für nicht gebannt. Für den September bleibt offen, ob die EZB neue Prognosen zur Inflation und Konjunktur nutzt, um den nächsten Schritt einzuleiten.

EZB hält Leitzinsen im Euroraum vorerst konstant: 2,25 Prozent bleiben
EZB hält Leitzinsen im Euroraum vorerst konstant: 2,25 Prozent bleiben (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Zinsbotschaft der EZB fällt in diesen Tagen vergleichsweise klar aus: Nachdem sie im Juni erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen angehoben hatte, folgt nun eine geldpolitische Pause. In der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt blieb der für Banken und Sparer im Euroraum zentrale Einlagenzins bei 2,25 Prozent. Für den Alltag bedeutet das zunächst vor allem Stabilität bei den Konditionen – selbst wenn die Debatte um den nächsten Zinsschritt längst nicht abgeschlossen ist. Denn eine Pause ist in der Logik der Notenbank nicht gleichbedeutend mit Entwarnung, sondern eher ein Taktwechsel, bis neue Inflations- und Konjunkturdaten vorliegen.

Technisch betrachtet geht es bei so einer Unterbrechung weniger um das „Ob“ der Geldpolitik als um das „Wann“: Mit höheren Zinsen dämpft die EZB typischerweise die Nachfrage, weil Kredite teurer werden und Investitions- und Konsumentscheidungen anziehen weniger stark, oder zumindest zeitlich verzögert werden. Gleichzeitig erzeugt jedes zusätzliche Prozentpunkt-Level auch Gegenwind für die Realwirtschaft. Genau deshalb unterscheidet sich eine einzelne Anhebung von einer potenziellen Serie. Wenn die EZB zu stark und zu schnell nachzieht, kann das die ohnehin bereits belastete Wirtschaft abwürgen – eine Perspektive, die auch Volkswirte in ihren Erwartungen zur aktuellen Zinsentwicklung einordnen: weitere Erhöhung ja, aber nicht als durchgehender Automatismus.

Damit rückt die Inflationsseite in den Mittelpunkt. Die Risiken für die Teuerung seien weiterhin hoch, heißt es sinngemäß in der Begründung – unter anderem, weil der Iran-Krieg andauert und es keine dauerhafte Lösung für den Konflikt im Nahen Osten gibt. Diese geopolitische Komponente schlägt über Energiepreise direkt auf die Verbraucherpreise durch: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran treibt die Ölmärkte erneut, der Brent-Preis bewegt sich in Richtung von 100 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Auch die EZB verweist darauf, dass die Auswirkungen eines Energieschocks auf die Inflation noch nicht vollständig „zum Tragen“ gekommen seien. Das erklärt, warum die Zentralbank trotz einer leichten Entspannung nicht sofort wieder auf einen lockeren Kurs schwenkt.

Gleichzeitig zeigen die aktuellen Preiszahlen, warum ein „Weiter so“ nicht zwingend wäre. Im Euroraum schwächte sich der Preisauftrieb zuletzt ab: Die Verbraucherpreise lagen im Juni um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 3,2 Prozent im Mai. Für Deutschland spielte dabei der Tankrabatt eine Rolle, der den Preisauftrieb im Juni dämpfte; die Inflationsrate fiel auf 2,3 Prozent. Die EZB orientiert ihre mittelfristige Zielmarke bei zwei Prozent und bewertet die Teuerung derzeit so, dass der Ausblick trotz kurzfristiger Entlastung weiterhin aufmerksam beobachtet werden muss. In der Juni-Prognose geht die Notenbank davon aus, dass die Teuerungsrate im laufenden Jahr im Schnitt bei 3,0 Prozent liegen wird – insbesondere wegen des Iran-Konflikts. Eine neue „Preiswelle“ wie in der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 will die EZB gerade vermeiden, weil diese damals schnell eskalierte und in der Folge die Inflation in sehr kurzer Zeit stark anstieg.

Dass höhere Zinsen zudem nicht nur eine Inflationsbremse sind, sondern auch Sparanreize setzen, ist der zweite Teil der Gleichung. Für Sparer wäre eine günstige Entwicklung möglich – allerdings nur dann, wenn Banken und Sparkassen die besseren Refinanzierungsbedingungen an ihre Kundschaft weitergeben. Genau hier liegt die praktische Reibungsstelle: Nach der jüngsten Leitzinserhöhung im Juni passierten höhere Einlagenkonditionen laut Auswertung eines Vergleichsportals nicht bei allen Instituten. Bei 823 Geldhäusern in Deutschland kam es nur bei 17 Prozent dazu, dass die Tagesgeldzinsen angehoben wurden. Im Schnitt stiegen die Tagesgeldzinsen bei diesen Instituten um 0,18 Prozentpunkte; bundesweit betrachtet liegt Tagesgeld derzeit bei 1,38 Prozent Zinsen. Einige Banken locken Neukunden zeitweise sogar mit bis zu 4 Prozent aufs Tagesgeld – allerdings häufig befristet und damit weniger als verlässlicher Dauerzins zu verstehen.

Auch der Immobilien- und Kreditmarkt zeigt, wie stark die Erwartungen an die EZB in konkrete Preisniveaus übersetzt werden. In Deutschland bewegen sich die Bauzinsen laut einer Übersicht des Geldratgebers Finanztip vergleichsweise stabil nahe der Vier-Prozent-Marke. Ein weiterer Zinsschritt der EZB bis zum Jahresende sei bei den Bauzinsen bereits eingepreist, sagt dort ein Experte. Das macht deutlich, wie „forward looking“ Märkte typischerweise arbeiten: Selbst eine geldpolitische Pause kann wegen bereits eingepreisten Zinsfantasien nicht automatisch zu fallenden Finanzierungskosten führen. Daneben bleibt das Risiko für die EZB, die Wirtschaft nicht nur über Zinskanäle zu beeinflussen, sondern zugleich die wirtschaftliche Stabilität zu gefährden, falls der Inflationspfad doch wieder nach oben dreht.

Für den weiteren Verlauf spielt daher weniger die heutige Pause als der mögliche nächste Trigger eine Rolle. Wenn im September neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen, könnte die EZB daraus ableiten, ob die Risiken ausreichend eingedämmt sind oder ob zusätzliche Straffung nötig wird. Die Argumentationslinie der Notenbank ist dabei recht konsistent: Solange die Unsicherheit hoch bleibt und Energiepreisschocks potenziell nachwirken, bleibt das Ziel der Preisstabilität mittelfristig der Anker. Für Unternehmen heißt das: Planbarkeit entsteht nicht allein durch die Höhe des Leitzinses, sondern durch die erwartete Reaktionsfunktion der EZB. Für Sparer bleibt dagegen kurzfristig vor allem eines wahrscheinlich: Der Einlagenzins bei 2,25 Prozent wirkt als Stabilitätsanker, aber die tatsächliche Rendite hängt weiterhin daran, ob Banken die besseren Konditionen in den Alltag ihrer Kundschaft übertragen.


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