LONDON (IT BOLTWISE) – Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland bleibt trotz erster Erholungstendenzen schwach, während neue Konjunkturdaten aus Bau und Industrie ein gemischtes Bild zeichnen. In der Eurozone rückt die nächste EZB-Entscheidung im September stärker in den Fokus, weil der Ölpreis Pfade für Zinserhöhungen öffnet. Gleichzeitig liefern Japan und Südkorea Impulse über Inflation, PMI-Werte und Außenhandel – und aus den USA kommen frische Zölle hinzu, die den Preisdruck neu anfachen könnten. Für Unternehmen bedeutet das: Annahmen zu Nachfrage, Lohnkosten und Finanzierung müssen kurzfristig häufiger nachjustiert werden.

Konjunktur-Update: EZB-September, BoJ-Signale, Zölle und Kauflaune im Blick
Konjunktur-Update: EZB-September, BoJ-Signale, Zölle und Kauflaune im Blick (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Wochenstart in den Makrodaten wirkt wie eine Bestandsaufnahme aus mehreren Perspektiven: Konsumneigung, Baukonjunktur, Zentralbankkommunikation und internationale Handelsströme greifen ineinander. In Deutschland bleibt die Erholung der Kauflaune vorerst zäh. Der vom Nürnberger Institut für Marktentscheidungen (NIM) ermittelte Indikator zum Konsumklima soll im August um 0,3 Zähler auf minus 29,6 Punkte zurückgehen, nachdem der Vormonat bereits bei minus 29,3 Punkten lag. Entscheidend ist dabei weniger die eine Ziffer als das Muster: Die Anschaffungsneigung steigt moderat, gleichzeitig rutschen die Einkommensaussichten wieder leicht ab, und die Sparneigung zieht moderat an. Rolf Bürkl vom NIM beschreibt die Ursache als anhaltende Verunsicherung, die viele Haushalte beim Konsum zur Rückhaltung zwingt.

Im Bauhauptgewerbe dagegen liefert der Mai ein kurzfristig stabileres Signal, auch wenn die Details zeigen, wie heterogen die Lage bleibt. Laut Destatis ist der Auftragseingang saison- und kalenderbereinigt um 3,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Doch der Blick in die Teilbereiche ist wichtiger als die Gesamtsumme: Im Hochbau nahm der Auftragseingang um 3,1 Prozent ab, während der Tiefbau um 8,7 Prozent zulegte. Jahresvergleich betrachtet liegt der Auftragseingang kalenderbereinigt 3,5 Prozent höher. Für das Unternehmensumfeld ist das ein klassischer Hinweis auf die Verteilung von Investitionsmitteln: Nachfrage kann in Teilsegmenten anziehen, während andere Segmente weiter unter Druck stehen. Gerade wenn Konsumklima und Bauaufträge auseinanderlaufen, lohnt es sich für Einkaufs- und Finanzplanung, Szenarien nicht nur nach dem „gesamtwirtschaftlichen Trend“, sondern nach Nachfragekanälen zu staffeln.

Auch im Vereinigten Königreich zeigt sich eine Stimmungskurve mit Brüchen. Das Verbrauchervertrauensbarometer, das gemeinsam mit dem Nuremberg Institute for Market Decisions veröffentlicht wird, ist im Juli um 6 Punkte auf minus 17 gestiegen. Als Treiber gilt der „Burnham-Effekt“: Der Optimismus rund um den bevorstehenden Amtsantritt von Andy Burnham als Premierminister hebt die Erwartungshaltung kurzfristig an. Gleichzeitig bleibt der Risikoausblick sichtbar, denn eskalierende Spannungen im Nahen Osten könnten das Vertrauen künftig wieder belasten. Für Märkte ist das relevant, weil Vertrauen und tatsächliche Nachfrage sich nicht immer zeitgleich bewegen: In Phasen politisch getriebener Erwartungsumschwünge reagieren Unternehmen häufig schneller mit Preis- und Kapazitätsentscheidungen, während die Konsumrealität häufig später einsetzt. Solche Verzögerungen sind auch deshalb wichtig, weil sie den Interpretationsspielraum der Daten vergrößern.

In der Eurozone verschiebt sich der Fokus Richtung Geldpolitik. Sofern die Ölpreise in den kommenden Wochen nicht deutlich nachgeben, gilt eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im September als „höchst wahrscheinlich“. In einer Research Note wird zugleich betont, dass die Einpreisung weiterer Zinsschritte am Markt überzogen sein könnte. Der Gedanke dahinter: Die ausbleibenden Zweitrundeneffekte, die Lockerung am Arbeitsmarkt und die zugrunde liegende Schwäche der Wirtschaft – zuletzt verschärft durch den Energieschock – sprechen eher für Vorsicht statt für einen aggressiven Straffungskurs. Die Geldmärkte preisen dabei laut LSEG derzeit eine zusätzliche Straffung um fast 70 Basispunkte bis Juni 2027 ein. Übersetzt in die Praxis heißt das: Selbst wenn der nächste Schritt (September) wahrscheinlich wirkt, bleibt die langfristige Zinsannahme für Kreditnehmer und Investitionsbudget hochgradig sensibel gegenüber Energiepreisen. Für Unternehmen bedeutet das vor allem: WACC-Modelle, kurzfristige Roll-Over-Strategien bei Finanzierungen und Liquiditätsmargen sollten nicht nur an einer einzigen Leitzins-Variante hängen.

Japan liefert derweil gleich mehrere Bausteine, die zusammen das geldpolitische Narrativ formen. Die Bank of Japan könnte sich in der nächsten Sitzung pessimistischer zur japanischen Wirtschaftsentwicklung äußern, dürfte die Zinsen aber wahrscheinlich unverändert lassen. In einem Kommentar wird darauf verwiesen, dass die Abwärtsrisiken für die Konjunktur im Juni noch als nachlassend beschrieben wurden, der erneute Anstieg der Rohölpreise seitdem aber den Optimismus gedämpft haben könnte. Gleichzeitig werde die BoJ wohl an ihrer Einschätzung festhalten, dass die Risiken für die Inflation eher nach oben gerichtet seien. Ein zusätzlicher Parameter ist die aktuelle Inflationsrate: Die japanische Verbraucherpreisinflation hat sich im Juni leicht beschleunigt. Ohne frische Lebensmittel stiegen die Verbraucherpreise um 1,6 Prozent im Jahresvergleich, nach 1,4 Prozent im Mai. Damit bleibt der Kurs für weitere Zinserhöhungen intakt. Ergänzend deuten vorläufige PMI-Daten darauf hin, dass die Wirtschaft den Schock der Energiekosten weiter „wegsteckt“. Der Composite-PMI stieg von 52,8 auf 53,1 – ein Viermonatshoch – was in der Interpretation auf ein über dem Trend liegendes BIP-Wachstum von rund 1,5 Prozent hindeutet, auch wenn beide Teilindizes (Dienstleistungen und verarbeitendes Gewerbe) nachgegeben haben.

Außerhalb Japans bleiben ebenfalls Handels- und Aktivitätsdaten ein dominantes Thema. Südkorea steht im Fokus, weil der Handelsüberschuss im Juli erneut die Marke von 30 Milliarden US-Dollar übersteigen könnte. Ein Ökonom erwartet 31,90 Milliarden US-Dollar, nach revidierten 36,10 Milliarden US-Dollar im Juni. Der Kontext: Das Exportwachstum könne sich abschwächen, bleibe aber stark; die Ausfuhren sollen im Juli um 65,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen (nach einem revidierten Anstieg von 70,7 Prozent im Juni). Dabei wird der Beitrag der Halbleiterexporte hervorgehoben, die in den ersten 20 Tagen des Monats Juli laut einer zuvor kommunizierten Einschätzung fast dreifach im Jahresvergleich zugelegt hätten. Auch Australien sendet ein ermutigendes Aktivitätssignal: Der saisonbereinigte S&P Global Flash Australia PMI Composite Output Index lag im Juli bei 52,6 nach 50,4 im Juni. Das markiert den zweiten Wachstumsmonat in Folge und den höchsten Stand seit Jahresbeginn, nachdem die Wirtschaft zuletzt Schocks wie steigende Kraftstoffkosten und höhere Zinsen abfedern musste.

Am stärksten in Richtung Unternehmensrisiko zeigt zuletzt die Handelspolitik der USA. Kurz vor dem Auslaufen bisheriger Zölle von 10 Prozent werden neue Zölle vorgestellt: Auf „wichtigste Handelspartner“ sollen im Rahmen neuer Abgaben von 10 bis 12,5 Prozent erhoben werden, gerichtet auf rund 60 Länder, die laut Büro des US-Handelsbeauftragten etwa 99 Prozent des US-Handels ausmachen. Als Begründung wird auf die Bekämpfung von Zwangsarbeit verwiesen. Ökonomisch ist das vor allem wegen der möglichen Preisdynamik relevant: Ein Chefökonom argumentiert, die Begründung für den 12,5-Prozent-Zoll auf Australien mit unzureichender Durchsetzung entsprechender Verbote sei „lächerlich“, und sieht weitere Zölle als zusätzliche Quelle für Preisdruck. Im gleichen Atemzug wird das Risiko adressiert, dass höhere Zölle am Ende die Wahrscheinlichkeit erhöhen könnten, dass die US-Notenbank die Zinsen im Jahresverlauf weiter anhebt. Für Unternehmen heißt das in der Praxis: Margen- und Beschaffungsmodelle müssen Handelskanäle, Wechselkurse und Lieferketten stärker als bisher zusammen denken – und zwar nicht erst „nach der Entscheidung“, sondern bereits in der nächsten Angebots- und Budgetrunde.


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