LONDON (IT BOLTWISE) – Der Aufsichtsrat von PayPal hat eine Offerte von Stripe und Advent International abgelehnt, obwohl das Angebot den Zahlungsdienstleister mit 53,4 Milliarden US-Dollar bewertet. Geboten werden 60,50 Dollar je Aktie, doch das Gremium hält die Konditionen für zu niedrig. Im Hintergrund ringen Investoren und Analysten um die nächste Eskalationsstufe: Wird es einen verbesserten Deal geben oder leitet PayPal den Umbau stärker selbst ein? Entscheidend werden nun vor allem die Quartalszahlen am 28. Juli und mögliche Signale im laufenden Übernahmepoker.

PayPal blockt 60,50-Dollar-Übernahme: Stripe und Advent scheitern, neue Strategie nötig
PayPal blockt 60,50-Dollar-Übernahme: Stripe und Advent scheitern, neue Strategie nötig (Foto: IT BOLTWISE)
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PayPal schlägt den nächsten Übernahmeimpuls ab, bevor überhaupt ein neuer Preissprung verhandelt wird: Der Aufsichtsrat hat die Offerte von Stripe und dem Finanzinvestor Advent International zurückgewiesen. Laut den Angaben aus dem Markt boten beide Bieter 60,50 Dollar je Aktie und setzten damit eine Bewertung von 53,4 Milliarden Dollar an. Das Management und das Kontrollgremium sehen darin jedoch nicht den richtigen Preis – und priorisieren stattdessen, wie in der internen Abwägung genannt, Finanzierungssicherheit, regulatorische Hürden sowie die eigene Turnaround-Strategie, bevor es den nächsten Schritt geht.

Technisch betrachtet ist eine solche Entscheidung weniger eine Frage des Bauchgefühls als eine Kette konkreter Prüfungen. Finanzierungssicherheit bedeutet hier im Kern: Können die zugesagten Mittel unter den üblichen Bedingungen bis zum Vollzug tatsächlich abrufbar gemacht werden, inklusive der Refinanzierungs- und Covenants-Linien, die bei großen Transaktionen zwischen Angebot und Closing typischerweise neu bewertet werden. Gleichzeitig spielt die Regulatorik eine doppelte Rolle: Einerseits geht es um kartellrechtliche und wettbewerbsrechtliche Fragen, andererseits um die Frage, wie sich die verknüpfte Nutzer- und Zahlungsökonomie der beteiligten Unternehmen in der Beurteilung durch Aufsichtsbehörden darstellt. Genau deshalb wirkt die Ablehnung nach außen auch wie ein Signal, dass PayPal den Deal nicht als „Weiterleitung an den Markt“ behandelt, sondern als echten Bewertungs- und Risiko-Case.

Dass Stripe und Advent den Preis anheben müssen, um PayPal wirklich zu bewegen, wird durch die Historie zusätzlich untermauert. PayPal hatte bereits 2013 versucht, Stripe zu übernehmen; Stripe ist heute allerdings deutlich höher bewertet, was die Wahrnehmung prägt, dass „60,50 Dollar“ für PayPal zwar eine Prämie enthalten kann, aber nicht automatisch den strategischen Hebel liefert. Der Markt diskutiert zudem ein zweites Element der Offerte: Laut Berichten sollte der Deal mit rund 50 Milliarden Dollar an zugesagter Bankfinanzierung unterlegt sein; außerdem sollte die Beteiligung an der fusionierten Gesellschaft je zur Hälfte bei den Partnern liegen. Für PayPal ist das aus Sicht der Eigentümer wirtschaftlich nur dann attraktiv, wenn die Konditionen nicht nur den Preis, sondern auch die Governance, die Integrationskosten und die Zeitachse für den Turnaround abbilden.

Während der Übernahmedruck steigt, verlagert PayPal die Diskussion intern zunehmend auf mögliche Eigenlösungen. Als Reaktion auf den öffentlichen Druck erwägt das Management laut Berichten eine Aufspaltung in drei Geschäftseinheiten, darunter eine eigenständige Venmo-Sparte. Eine solche Strukturreform ist für große Plattformunternehmen oft mehr als ein Corporate-Finance-Spiel: Sie soll Kapitalmarkt- und Bewertungslogik neu ordnen, Synergien selektiv realisierbar machen und operative Fortschritte messbarer machen. Zudem kommt dazu, dass der neue CEO Enrique Lores seit März im Amt ist – und damit in eine Phase fällt, in der PayPal mit dem Risiko konkurriert, das in der eigenen Wahrnehmung schon mehrfach zu sehen war: kurze Amtsdauern, häufig wechselnde Führung und damit die Notwendigkeit, in kurzer Zeit eine konsistente Strategie zu zeigen.

Unterschiedliche Erwartungen prägen derweil die Analystenlandschaft. Ein Analyst von Truist stufte die Aktie von Sell auf Hold hoch und hob das Kursziel von 44 auf 57 Dollar an. Begründet wurde das unter anderem mit der Übernahmespekulation, die dem Kurs einen „Boden“ geben könne; zugleich sah der Analyst eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für einen Abschluss bei rund 62 Dollar je Aktie. Die andere Seite bleibt skeptisch: Goldman Sachs hält laut den Angaben am Sell-Rating fest und setzt ein Kursziel von 48 Dollar dagegen. Der allgemeine Konsens bleibt bei Hold; Durchschnittswerte bewegen sich um die 51 Dollar-Marke – ein Hinweis darauf, dass das Upside-Argument zwar existiert, aber noch nicht breit genug unterlegt ist, um die Unsicherheit vollständig zu überdecken.

Auch die Kapitalmarktstimmung wirkt gespalten, weil die Bandbreite der Einschätzungen stark auseinanderläuft. Investor Michael Burry äußerte sich deutlich optimistischer und nannte einen fairen Wert von 75 bis 115 Dollar je Aktie. Solche Spannen sind für das Trading zwar ein Motor für Volatilität, für die strategische Bewertung aber zugleich eine Herausforderung: Sie machen sichtbar, wie stark Annahmen über zukünftige Ertragskraft, Margenentwicklung und eine mögliche Neupreisung im Falle einer erneuten Offerte auseinandergehen. Zusätzlich kursiert die Spekulation, dass auch Block als potenzieller Bieter auftauchen könnte; falls das geschieht, würde ein Mehrparteienprozess zwar die Chance auf ein besseres Angebot erhöhen, aber auch regulatorisch verkomplizieren – denn je mehr Marktteilnehmer im Spiel sind, desto komplexer wird das Wettbewerbsbild.

Während PayPal nun abwartet, muss das Unternehmen kurzfristig liefern: Am Dienstag, den 28. Juli, stehen die Quartalszahlen an. Der Konsens erwartet ein Ergebnis je Aktie von 1,28 Dollar, ein Rückgang von 8,57 Prozent zum Vorjahr; der Umsatz soll bei rund 8,48 Milliarden Dollar liegen. Beim Transaktionsvolumen rechnet der Markt mit 474,52 Milliarden Dollar (plus 7 Prozent) sowie etwa 440 Millionen aktiven Konten. Optionshändler preisen für den Folgetag nach der Veröffentlichung einen Kursausschlag von 8,8 Prozent ein; in der Vergangenheit fiel die Aktie nach vergleichbaren Berichten im Schnitt um 4,6 Prozent. Operativ liefert PayPal zugleich Substanz: Das Unternehmen nennt einen freien Cashflow von mehr als 5 Milliarden Dollar pro Jahr und hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 100 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Genau dieses Polster dürfte mit dazu beitragen, dass der Vorstand die Offerte als nicht ausreichend bewertet.

An der Börse ist die Dynamik inzwischen sichtbar „überhitzt“. In der deutschen Notierung schloss die PayPal-Aktie am Freitag bei 49,35 Euro; innerhalb von 30 Tagen legte sie damit knapp 32 Prozent zu – getrieben von Übernahmefantasie und Analystenkommentaren. Der 14-Tage-RSI liegt bei 76,3 und signalisiert damit eine überkaufte Lage, nachdem der Kurs die Bewegung sehr schnell vollzogen hat. Auf Jahressicht bleibt das Papier trotz Rally im Minus, was wiederum daran erinnert, wie stark der Kursverfall der vergangenen zwölf Monate zuvor ausgefallen ist. Für Anleger wird der kommende Dienstag damit gleich doppelt relevant: Quartalsdaten und neue Signale im Übernahmepoker könnten die kurzfristige Erwartungsspanne entweder bestätigen oder abrupt neu kalibrieren.


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