BOCA CHICA / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX hat den 13. Starship-Testflug im dritten Anlauf erfolgreich zur weichsten Wasserung der Programmgeschichte gebracht. Beim Start zündeten alle 33 Raptor-Triebwerke planmäßig, danach setzte die Oberstufe im Indischen Ozean ihren Betrieb fort und lieferte Telemetrie. Gleichzeitig wurden 20 Starlink-V3-Satelliten ausgesetzt, erstmals per optischer Laserstrecke in Richtung der bestehenden Konstellation. Für den operativen Starlink-Betrieb in Deutschland ändert sich vorerst wenig, weil die V3-Hardware zunächst nur als Testkonfiguration fliegt.

Nach zwei vorherigen Problemen ist Starship Flug 13 bei SpaceX diesmal bis in den entscheidenden Abschnitt durchgekommen: die Wasserung. Die Mission startete am 24. Juli um 17:51 Uhr Ortszeit von Startrampe B der Starbase bei Boca Chica und erforderte dabei einen dritten Anlauf, nachdem der erste Versuch am 16. Juli Sekunden vor dem Abheben an vier nicht zündenden Raptor-Triebwerken scheiterte. Hintergrund waren Schwierigkeiten mit Sauerstoff-Turbopumpen, beim zweiten Versuch am 23. Juli kam zudem das Wetter über Südtexas dazwischen. Dass beim dritten Versuch alle 33 Raptor-Triebwerke zündeten und auch die Heißstufentrennung planmäßig verlief, zählt aus technischer Sicht zu den wichtigsten Rahmenbedingungen, weil damit die anschließende Bahn- und Aussetzlogik überhaupt erst zuverlässig funktionieren kann.
Konkretes Timing und Hardware-Setup zeigen, worauf SpaceX bei dieser Mission abzielt: Zum Einsatz kamen die zweite Ausbaustufe mit dem Schiff „Ship 40“ sowie der Unterstufe „Booster 20“, gemeinsam rund 124 Meter hoch. Insgesamt sollten die 20 Test-Satelliten der Starlink-Version 3 in etwa 12 Minuten nach dem Start ausgesetzt werden; der Auswurf erfolgte über einen seitlich arbeitenden Auswerfer, verglichen mit einem „Pez-Spender“. Im Downlink sind pro Satellit bis zu 1 Terabit pro Sekunde und im Uplink bis zu 160 Gigabit pro Sekunde vorgesehen – laut Planung ein Zehn- beziehungsweise 22-Faches der damaligen V2-Generation. Rein physikalisch heißt das: mehr Bandbreite verlangt nicht nur mehr Rechen- und Antennenleistung, sondern auch eine präzisere Ausrichtung im Zeitfenster zwischen Aussetzen und stabiler Kontaktaufnahme über Funk und, für die geplanten Weiterentwicklungen, auch über Laserstrecken.
Gerade diese Kontaktphase wird in Flug 13 sichtbar: SpaceX bestätigt im Livestream den Kontakt zu allen 20 Satelliten, und zwar auch über optische Laserstrecken zur bestehenden Konstellation. Dazu passt, dass ein voll beladenes Starship später 60 Satelliten pro Start transportieren soll, was dem Netz etwa 60 TBit/s zusätzliche Kapazität pro Flug einbrächte; als Vergleich wird genannt, dass Falcon-9-Starts mit V2-Hardware derzeit grob bei etwa 2,6 TBit/s liegen. Die 20 Testexemplare verblieben aufgrund der suborbitalen Flugbahn allerdings nur etwa 20 Minuten im Orbit und verglühten anschließend planmäßig. Für die Ingenieursarbeit ist das ein Vorteil: kurze Orbitfenster reduzieren Risiken, erlauben aber trotzdem die Erprobung der kritischen Kette aus Auswurf, Initialisierung, Funk-/Laserlink und dem thermischen Verhalten der Nutzlast.
Für Starship selbst blieb der Erfolg jedoch nicht ohne Bruchstellen: Während die Oberstufe nach dem Aufsetzen im Indischen Ozean als erste ihrer Art intakt blieb und weiter Telemetrie funkte, verfehlte der Booster beim Landeanflug erneut das Ziel. Beim Zünden während des Landeanflugs der Unterstufe Super Heavy sollen nur 5 der 13 vorgesehenen Triebwerke gearbeitet haben; dadurch kam der Booster zu schnell im Golf von Mexiko auf. Schon Flug 12 war an derselben Stelle gescheitert, und damit setzt sich die auffällige Serie fort, die auf eine noch nicht vollständig stabile Rückkehr der Unterstufe hindeutet. Genau diese Rückkehr ist für das wirtschaftliche Kernversprechen von Starship entscheidend: Ohne verlässliche Bergung bleibt die vollständige Wiederverwendung eher Theorie, obwohl drei Booster älterer Versionen bereits erfolgreich von den Fangarmen des Startturms wieder eingefangen wurden.
Was bedeutet das konkret für Starlink-Kundinnen und -Kunden in Deutschland? Vorerst kaum etwas, weil die V3-Hardware bislang ausschließlich als Testgerät fliegt und operative Starlink-Missionen mit Starship frühestens ab Ende 2026 geplant sind. Hier bleibt es damit beim bestehenden Tarifgefüge und bei den Latenzen der V2-Konstellation, die laut Einordnung für Streaming taugen, im wettbewerbsintensiven Umfeld gegen Glasfaser jedoch weiterhin zurückliegen. Relevanz gewinnt die Version 3 vor allem dort, wo Direktverbindungen zwischen Satelliten und Mobiltelefonen ohne zusätzliche Netzkapazität schwer anders abzudecken sind; genau solche Szenarien können erst dann wirklich skalieren, wenn die Links über Zeit stabil genug sind, um mobile Endgeräte auch bei wechselnder Sichtlinie zuverlässig zu bedienen.
Die weitere Relevanz von Flug 13 liegt also in der Kombination aus zwei Messsträngen: Erstens liefert die „weichste Wasserung“ bislang offenbar valide Bilder der Hitzeschutzkacheln. SpaceX-Sprecher Dan Huot brachte es auf den Punkt, das Team habe die weichste Wasserung erreicht, die es bislang gab; zudem sollen Kameras an sechs der 20 Satelliten den Hitzeschild aus der Distanz fotografiert haben. Diese Aufnahmen sind der eigentliche Zweck der Übung, weil sich erst daraus verlässlich ableiten lässt, in welchem Zustand die Kacheln nach der Landung sind und ob eine Rückholung über die Fangarme überhaupt sinnvoll ist. Zweitens bleibt das Börsen- und Projekt-Narrativ eng mit Starlink verknüpft: Die Unternehmensbewertung hängt laut Marktlogik zu diesem Zeitpunkt mehr an künftigen Starlink-Zahlen als an jedem einzelnen Raketen-Meilenstein, während Flug 13 als erster Starship-Test seit dem Börsengang den Kurs nur begrenzt bewegt haben soll. Für die nächsten Schritte gilt damit: Flug 14 könnte die erste orbitale Mission werden, sofern die Auswertung von Flug 13 zügig abgeschlossen ist, und Flug 15 wäre dann der erste Start von Florida aus. Parallel überwacht die NASA das Programm, insbesondere mit Blick auf eine Mondvariante des Schiffs, die Astronauten auf der Oberfläche absetzen soll, derzeit peilbar für 2028 – und darüber hinaus hängt langfristig viel von Musks Plan orbitaler Rechenzentren ab, wofür bei der zuständigen US-Behörde bereits eine Konstellation von bis zu einer Million Satelliten beantragt worden sein soll.
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