LONDON (IT BOLTWISE) – Die Berliner Gründerinnen von fembites erklären im Interview, wie aus einer klaren ersten Produktidee 2021 eine skalierbare Marke für Female Health geworden ist. Besonders spannend: Der Einstieg über Schokolade zeigte zwar früh Sichtbarkeit, brachte aber operative Komplexität mit sich. Heute arbeitet das Startup mit einem wachsenden Team und einem Netzwerk aus Expertinnen, um Beschwerden wie PMS, hormonelle Akne oder Haarausfall in alltagstaugliche Lösungen zu übersetzen. Außerdem wird deutlich, warum der größte Hebel nicht nur das Produkt, sondern Aufklärung, Community und Forschungslücken betrifft.

Wer Female Health vermarktet, merkt schnell, wie stark das Thema noch immer zwischen „Alltagserfahrung“ und „wissenschaftlicher Begründung“ hängt. fembites setzt genau dort an: Das Startup richtet sich mit einnehmbaren Produkten an Bedürfnisse von Frauen rund um Zyklus und hormonelles Wohlbefinden und betont dabei den Mix aus wissenschaftlicher Fundierung, Alltagstauglichkeit sowie natürlichen Inhaltsstoffen und dem Verzicht auf unnötige Zusatzstoffe. Im Interview steht nicht nur die Produktidee im Vordergrund, sondern auch die Mission: Beschwerden sollen nicht als „einfach normal“ abgetan werden. Damit zielt das Unternehmen explizit darauf, Frauengesundheit verständlicher und weniger tabu zu machen – und es geht gleichzeitig um einen Beitrag, um eine Forschungslücke in der Gesundheitsforschung zu adressieren.
Die Gründerin Angelica Conraths beschreibt den Ansatz dabei bewusst sehr lebensnah: Sie würde ihrer Großmutter fembites so erklären, dass viele Frauen wiederkehrende Probleme wie PMS, hormonelle Akne, Haarausfall, Stimmungsschwankungen oder Verdauungsbeschwerden kennen – und dafür oft nur die pauschale Antwort erhalten, das sei halt normal. Genau diese Normalisierung will das Startup entkoppeln von der Frage, ob Beschwerden tatsächlich akzeptiert werden sollten. Daraus leitet sich ein Kernprinzip ab, das auch die Produktentwicklung prägt: Lösungen sollen Frauen im Alltag unterstützen, aber nicht als „Wohlfühlversprechen“ funktionieren, sondern als Angebote, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten und die Nutzerinnen dabei unterstützen, ihren Körper besser einzuordnen. Das ist auch der Grund, warum fembites nicht nur als „Produktunternehmen“ verstanden werden möchte, sondern als Marke mit Aufklärungs- und Community-Anspruch.
Rückblickend erzählt Conraths, dass der Weg 2021 mit femchoc als erster Produktlinie begann – als Antwort auf die typische Heißhunger-Schokolade vor der Periode. Diese Entscheidung hatte eine klare Kommunikationswirkung: Schokolade gilt als nahbar, und damit ließ sich das Thema rund um Ernährung, Zyklus und hormonelles Wohlbefinden leichter aufgreifen als mit rein medizinisch klingenden Konzepten. Gleichzeitig war femchoc operativ und strategisch nicht der unkomplizierteste Start für ein Startup. Conraths nennt die typischen Komplexitäten, die mit Genuss- und Lebensmittelkomponenten zusammenhängen: Herstellung, Mindestmengen, Haltbarkeit, Temperaturführung, Versandrisiken gerade im Sommer, dazu Margen, Skalierbarkeit und die grundsätzliche Frage, wie viel Wirkstofflogik sich überhaupt sinnvoll in ein Produkt integrieren lässt, das sich eigentlich nach „Genuss“ anfühlt. Das zentrale Learning formuliert sie dabei ohne Umschweife: Ein Produkt kann kommunikativ stark sein, aber trotzdem nicht automatisch das beste Produkt für Skalierung und langfristige Ausrichtung.
Entscheidend war aus Sicht des Unternehmens deshalb die Weiterentwicklung hin zu gezielteren Nährstoffkomplexen. Heute ist fembites von der ersten Produktidee zu einer preisgekrönten Marke für Female Health gewachsen, und das Team umfasst 12 Mitarbeitende plus ein Netzwerk aus Expertinnen, unter anderem aus Gynäkologie, Endokrinologie, Ernährungswissenschaft und Female Health. Umsatzseitig wird die Entwicklung über einen Start mit Crowdfunding und einer ersten Produktion beschrieben, bevor es zu einem Unternehmen kam, das bereits mehr erreicht hat, als man am Anfang erwarten konnte. Besonders bemerkenswert ist in diesem Kontext, dass Conraths den Markt nicht nur als „Nische“ beschreibt, sondern als Bereich mit echtem Bedarf: Aus ihrer Sicht hat fembites gezeigt, dass Frauengesundheit ein großes Publikum adressiert – und nicht am Rand bleibt.
Als jüngstes Highlight nennt das Startup den Maria Clementine Martin-Award 2026 der Klosterfrau Group, bei dem fembites den ersten Preis gewonnen hat. Der Award wird im Gespräch als Anerkennung für Gründerinnen eingeordnet, die neue, wissenschaftlich fundierte Ansätze für Frauengesundheit entwickeln. Was für das Unternehmen daran über die Auszeichnung hinaus Bedeutung hatte, lag laut Conraths in der Signalwirkung: Gerade weil fembites angetreten sei, um eine Gender Data Gap in der Gesundheitsforschung zu adressieren und wissenschaftliches Wissen in alltagstaugliche Lösungen zu übersetzen, habe die Anerkennung gezeigt, dass das Thema stärker in die Mitte der Gesellschaft rückt. Für Startups ist das ein typischer Engpass: Man arbeitet lange an Erklärungsarbeit, die erst später breitere Sichtbarkeit erhält. In dieser Phase kann ein solcher Impuls helfen, nicht nur den Bekanntheitsgrad, sondern auch das Vertrauen in die inhaltliche Ausrichtung zu stärken.
Parallel dazu geht Conraths im Interview auf „Was lief richtig?“ ein – und sie strukturiert die Antwort über drei Punkte, die weniger mit Marketing-Trends als mit Aufbauarbeit zu tun haben. Erstens: Nähe zur Community. Viele Produktideen würden nicht aus dem Konferenzraum heraus entstehen, sondern aus Fragen, Beschwerden und Erfahrungen von Frauen. Zweitens: Weiterentwicklung der Marke ohne Verlust der Mission. Der Weg von femchoc bis femcaps wird als großer Schritt beschrieben, aber der Kern bleibt erhalten: Der weibliche Körper soll ernst genommen werden, und es sollen Lösungen entstehen, die es so zuvor nicht gegeben habe. Drittens: früh Expertise einbinden. Conraths nennt dabei die Rollenaufteilung zwischen Jana, die als Biologin und Ernährungsökonomin die wissenschaftliche Perspektive einbringt, und ihr selbst mit Marken- und Unternehmerperspektive. Ergänzend arbeitet das Startup mit Expertinnen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Diese Dreifach-Kombination aus Betroffenheit, wissenschaftlicher Tiefe und Community-Nähe ist im Ergebnis eher eine Operating Capability als ein einzelnes Produktmerkmal.
Für das kommende Jahr formuliert fembites eine klare Priorität: Noch stärker als führende Female-Health-Marke im DACH-Raum etabliert sein und Frauen bei Themen wie PMS, hormoneller Akne, Haarausfall, Darmgesundheit, Post-Pill-Syndrom oder Perimenopause darin unterstützen, nicht selbst stundenlang recherchieren zu müssen, was mit dem eigenen Körper passiert. Daraus leitet sich eine doppelte Strategie ab: Sortiment gezielt weiterentwickeln und gleichzeitig die Aufklärungsarbeit intensivieren. Außerdem plant das Unternehmen, die Distribution auszubauen – online, im stationären Handel und über Partnerschaften. Langfristig bleibt die Vision jedoch größer als einzelne Produkte: fembites will Frauengesundheit nicht länger als Nische behandeln, sondern als Plattform wirken, die Selbstverständnis und Selbstbestimmung stärkt. Für Käuferinnen bedeutet das im Alltag vor allem eines: weniger „Tabu-Rauschen“ und mehr eine Art Orientierung, die Beschwerden nicht nur benennt, sondern in überprüfbare und praktikable Entscheidungen übersetzt.
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