LONDON (IT BOLTWISE) – Der Cybersicherheitsdienstleister Cynet berichtet im „H1 2026 CyOps ECHO Report“ über eine klar verschobene Angriffspriorität: Identitätsmissbrauch steht im Mittelpunkt. Laut Analyse begannen 80 Prozent der erfolgreichen Host-Breaches mit gestohlenen Identitäten, das Verhältnis identitätsbasierter Angriffe zu anderen Methoden liegt bei 1,6 zu 1. Besonders kritisch bleiben SSL-VPN-Appliances, die bei 27 Prozent der untersuchten Einbrüche eine Rolle spielten. Für Unternehmen folgt daraus: Der Fokus muss weg von reinen CVE-Abhängigkeiten hin zu Konto- und Session-Schutz rücken.

Cynet: Identitätsmissbrauch treibt 80% der Einbrüche an
Cynet: Identitätsmissbrauch treibt 80% der Einbrüche an (Foto: IT BOLTWISE)
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In IT-Umgebungen wird die Angriffsfläche seit Jahren schrittweise größer: Mehr Remote-Zugriffe, mehr Cloud-Dienste, mehr Kollaborationstools. Genau deshalb wirkt die Meldung aus dem „H1 2026 CyOps ECHO Report“ von Cynet so konsequent, obwohl sie auf den ersten Blick eher wie eine Verschiebung im gleichen Takt klingt. Die zentrale Aussage lautet: Klassische Software-Schwachstellen rücken als primärer Angriffsvektor zunehmend in den Hintergrund, während der Missbrauch digitaler Identitäten zum zentralen Werkzeug für Kriminelle wird. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der Frage „Welches Update fehlt?“ zu „Welche Identität und welche laufende Session wird gerade ausgenutzt?“

Konkreter wird der Bericht beim ersten Einstieg. Cynet beschreibt, dass 80 Prozent der sogenannten Host-Breaches – also erfolgreiche Einbrüche in einzelne Endpunkte oder Server – mit einer gestohlenen Identität begonnen haben. Noch aussagekräftiger ist das Verhältnis, das der Bericht nennt: Der Anteil identitätsbasierter Angriffe im Vergleich zu anderen Methoden liegt bei 1,6 zu 1. Für Security-Teams ist das weniger eine Schlagzeile als eine messbare Anpassungsaufgabe, denn gestohlene Zugangsdaten führen häufig nicht zu einem sofortigen „laut hörbaren“ Alarm, sondern zu einem scheinbar legitimen Log-in in bestehende Vertrauenspfade.

Diese Logik passt auch zu der im Bericht beschriebenen Bedrohungsintensität rund um Konten. Für Deutschland nennt Cynet rund 4,7 Millionen gehackte Online-Konten pro Quartal. Wenn so viele Identitäten im Umlauf sind, steigt für Angreifer der Nutzen jeder einzelnen Kompromittierung: Ein gestohlenes Konto kann direkt zum Zielsystem führen, zusätzliche Exploit-Ketten verkürzen und damit die Zeit bis zum Zugriff auf Daten oder produktive Systeme reduzieren. Das erklärt, warum sich Angriffsstrategien von der rein technischen Ausnutzung bekannter Schwachstellen (CVEs) wegbewegen und stärker auf Mensch und digitale Berechtigungen fokussieren.

Auch wenn Identitäten im Bericht dominieren, bleiben einzelne Komponenten ein Engpass. Besonders hebt Cynet SSL-VPN-Appliances hervor: Sie werden im ersten Halbjahr 2026 als erhebliche Risikoquelle beschrieben und waren demnach für 27 Prozent der untersuchten Host-Einbrüche verantwortlich. In der Praxis funktionieren solche VPN-Zugänge oft als Brückenkopf, weil sie Netzwerksegmente bündeln und damit sowohl Zugriff als auch Analysemöglichkeiten beeinflussen. Wenn ein Angreifer hier einmal eine Session oder Zugangskette etabliert, kann er anschließend tiefer in das Netzwerk vordringen, ohne dass zwingend sofort ein „neuer Exploit“ sichtbar wird.

Die Taktiken, mit denen Kriminelle an diese Zugangsdaten und Tokens gelangen, wirken dabei wie eine Mischung aus Social Engineering und technischen Umgehungsstrategien. Genannt werden unter anderem E-Mail-Bombing, bei dem Postfächer mit einer Flut an Nachrichten überlastet werden, um Sicherheitswarnungen zu verdecken oder Nutzer zu Fehlreaktionen zu bewegen. Ebenso beobachtet Cynet Impersonation in Kollaborationstools wie Microsoft Teams: Angreifer geben sich als legitime Kollegen oder Vorgesetzte aus, um Vertrauen zu erschleichen und Informationen oder Dateizugriffe zu gewinnen. Daneben steigen die Chancen, dass Angreifer nach einem ersten Zugriff Kontrolle über Systeme behalten, etwa durch den Missbrauch von Remote-Support-Tools, die im Alltag zur Verwaltung gedacht sind und daher nicht automatisch denselben Alarmstatus auslösen.

Technisch rückt zudem der Umgang mit Tokens in den Vordergrund. Anstatt vor allem Passwörter zu stehlen – die häufig durch Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA) geschützt sind – versuchen Angreifer vermehrt, aktive Sitzungs-Token abzugreifen. Damit lassen sich Sicherheitsabfragen umgehen und direkt Cloud-Ressourcen oder Unternehmensanwendungen ansteuern. Genau an dieser Stelle wird deutlich, warum „Identitätsschutz“ nicht nur Authentifizierung bedeutet, sondern auch laufende Sitzungen, Token-Lebenszyklen und die Detektion von Verhaltensmustern. Für Unternehmen folgt daraus eine klarere Verteidigungslogik: Konten härten, Token-Missbrauch überwachen, Anomalien im Nutzer- und Netzwerkverhalten stärker priorisieren und nicht darauf setzen, dass ein fehlendes CVE allein schon ausreichend Schutz bietet.

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt sich auch in der Wechselwirkung zwischen Remote-Zugriff, Kollaboration und Session-Validierung. Wer SSL-VPN-Zugänge und Token-Workflows nur oberflächlich überwacht, bekommt Angriffe möglicherweise erst zu spät mit, weil sich der zweite Schritt häufig innerhalb bestehender Berechtigungen abspielt. Die Schlussfolgerung des Reports zielt deshalb auf eine integrierte Cybersicherheitsstrategie: Identitätsschutz muss als Bestandteil der gesamten Architektur verstanden werden – nicht als „zusätzliche“ Maßnahme. Damit liefert der „CyOps ECHO Report“ für das erste Halbjahr 2026 ein starkes Argument, warum Konto- und Session-Schutz derzeit zu den wichtigsten Hebeln in der IT-Security gehören.


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