LONDON (IT BOLTWISE) – Marc Fielmann erwartet in den nächsten zwei bis drei Jahren keinen Ersatz fürs Smartphone durch Smartglasses. Der Chef des Hamburger Optikunternehmens stellt die aktuelle Marktakzeptanz in Frage und ordnet die Nachfrage eher mit spezialisierten Sehhilfen und Sportbrillen ein. Gleichzeitig verweist er auf die hohen Investitionen von Meta in die Technik und betont damit auch das Rendite-Risiko für Investoren. Unklar bleibt, ob Smartglasses vor allem im Massenmarkt oder zunächst in Nischen wachsen werden.

Smartglasses: Fielmann-Chef rechnet in 2 bis 3 Jahren nicht mit Smartphone-Ersatz
Smartglasses: Fielmann-Chef rechnet in 2 bis 3 Jahren nicht mit Smartphone-Ersatz (Foto: IT BOLTWISE)
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Marc Fielmann, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Optikgruppe, bremst die Erwartung vieler Tech-Fans aus: Smartglasses werden das Smartphone seiner Einschätzung nach nicht innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre ersetzen. Damit stellt er die klassische „Wearables lösen Handys ab“-Erzählung frühzeitig infrage, obwohl die Hardware bereits heute mit Blick in die Zukunft so wirkt, als könne sie den Einstieg in einen neuen Nutzungskanal markieren. Für die Branche ist das mehr als nur eine Meinungsäußerung, denn der Smartphone-Markt ist ein Milliardenkontext, in dem neue Eingabegeräte und Ausgabekanäle nicht automatisch durchsetzen, nur weil sie technisch möglich sind.

Technisch betrachtet sind Smartglasses bereits jetzt mehr als eine modische Brille. Die Geräte kommen üblicherweise mit Kameras, Mikrofonen, Lautsprechern und Displays, wodurch sich eine Reihe von Aufgaben in der „Augen-zum-Infos“-Logik zusammenführen lässt: Umgebung aufzeichnen, Telefonate führen oder Inhalte sogar in Echtzeit übersetzen. Genau diese Funktionskette macht das Versprechen plausibel, dass Nutzer dauerhaft zwischen Kontext und Kommunikation wechseln könnten, ohne das Smartphone aus der Tasche zu holen. Trotzdem hängt der praktische Erfolg stark davon ab, wie zuverlässig die Sensorik im Alltag arbeitet, wie gut sich Bedienung und Benachrichtigungen in den Tagesablauf integrieren und ob die Akkulaufzeit sowie thermische und ergonomische Aspekte langfristig überzeugen.

Im Markt zeigt Fielmanns Einordnung vor allem eines: Nachfrage entsteht selten sprunghaft, sondern erst dann, wenn Nutzen, Kosten und Gewohnheit zusammenpassen. Er vergleicht die Nutzerbasis aktuell eher mit spezialisierten Produkten wie Sportsonnenbrillen statt mit anderen populären Wearables wie AirPods oder Smartwatches. Das ist eine wichtige Perspektive, weil Smartwatches und kabellose Kopfhörer ihre Relevanz schon über messbare Alltagsroutinen hergestellt haben: Fitness-Tracking, Benachrichtigungen, Musikwiedergabe. Smartglasses müssen dagegen mehrere Hürden parallel nehmen – von der Akzeptanz im Straßenbild bis hin zu einem Workflow, der nicht als „Gadget“ wahrgenommen wird, sondern als verlässliche Erweiterung.

Auch die Vertriebsrealität spiegelt diese vorsichtige Haltung. Laut Fielmann vertreibt sein Unternehmen Smartglasses in rund 200 der etwa 1.300 globalen Filialen. Der Zusatz „Wenn die Nachfrage bombastisch wäre, würden wir sie natürlich überall anbieten“ ist dabei weniger Marketing als ein Indikator für die heutige Skalierungsbereitschaft. Besonders sichtbar werde die höhere Nachfrage in Großstädten sowie in internationalen Märkten wie Spanien und den USA, was wiederum nahelegt, dass Standortfaktoren, Kaufkraft und ein stärker technikaffines Publikum die Einführung beschleunigen können. Gleichzeitig bedeutet eine schrittweise Distribution, dass das Unternehmen Lernkurven bei Beratung, Umtauschquoten und Gerätehandling in den Vordergrund rückt – ein Prozess, der für neue Produktkategorien oft entscheidender ist als reine Werbeausgaben.

Die strategische Brücke zur Tech-Welt schlägt Fielmann über Meta. Er verweist darauf, dass Meta signifikant in Smartglasses investiert und diese Wette bewusst eingeht. In seiner Argumentation steckt zugleich ein spannender Doppelcharakter: So ein Investment kann den Markt schneller in Richtung Reife treiben, aber es kann Investoren auch vor Herausforderungen stellen, falls sich die erwartete Marktentwicklung verzögert. Gerade bei Hardware ist der Zeithorizont häufig länger als bei Software, weil sich Ökosysteme, Entwicklerinteressen und Nutzerfeedback in mehreren Iterationszyklen materialisieren müssen.

Für die Wettbewerbssituation heißt das: Wenn Smartglasses das Smartphone nicht kurzfristig ersetzen, verschiebt sich die Frage nach der Rendite und nach der Nutzerrolle in Richtung „Komplement“ statt „Substitution“. Smartglasses könnten dann zunächst dort stark werden, wo Kontextsensitivität wirklich zählt, etwa bei Orientierung, Übersetzung oder situationsbezogener Kommunikation. Unternehmen, die in diesem Umfeld investieren, müssen deshalb besonders genau prüfen, welche Use-Cases sich in wiederkehrenden Alltagsmomenten verankern lassen und wie sich Bedienkonzept, Datenschutzwahrnehmung und Serviceprozesse über die Produktlebensdauer hinweg handhabbar machen. Aus Händlersicht wie bei Fielmann bleibt unter diesen Annahmen vor allem die pragmatische Frage, ab wann sich eine breitere Einführung nicht mehr nur „abwarten“, sondern messbar begründen lässt.


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