LONDON (IT BOLTWISE) – Der jordanische Verbandschef Prinz Ali bin al-Hussein erhebt neue Erpressungs-Vorwürfe gegen Gianni Infantino und die FIFA. Er behauptet, der Verband habe in den vergangenen Monaten Gelder für Jordanien nicht erhalten. Gleichzeitig verweist er auf ein ausstehendes Preisgeld nach dem FIFA Arab Cup 2025. Unklar bleibt, wie der Weltverband die konkreten Forderungen und Zeitpunkte bewertet.

Die FIFA-Krise bekommt durch einen neuen Vorstoß zusätzliche Schärfe: Prinz Ali bin al-Hussein, Chef des jordanischen Fußballverbands, wirft dem Weltverband und indirekt auch Gianni Infantino vor, in den vergangenen Monaten Zahlungen zurückgehalten zu haben. In seiner Darstellung geht es dabei nicht um gewöhnliche Verzögerungen, sondern um einen Mechanismus, der unter Druck gesetzt habe. Genau diese Zuspitzung ist der Sprengstoff, denn Erpressungsbehauptungen verändern die politische wie auch die rechtliche Dimension eines Sportstreits deutlich.
Al-Hussein war 2016 gegen Infantino angetreten und hatte im Rennen um die FIFA-Präsidentschaft den Kürzeren gezogen. Von 2011 bis 2015 arbeitete er im Exekutivkomitee der FIFA, bevor er später erneut in die Debatte um die Verbandsspitze rückte. Nun greift er die aktuelle Auseinandersetzung nicht nur als Beobachter auf, sondern verbindet sie mit einer konkreten Forderung: Er erklärt, es sei ihm während der Weltmeisterschaft „mündlich“ vermittelt worden, dass seinem Verband ein sichtbares Unterstützen von Infantino helfen würde. Dazu schrieb er auf der Plattform X: „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, und ergänzt: „Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“. Am Ende seiner Nachricht steht die deutlichste Linie: „Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus und wir weigern uns, das zuzulassen.“
Technisch betrachtet berührt die Aussage eine ganz praktische Schnittstelle zwischen Verbandsverwaltung und Sport-Ökonomie: Preisgelder und projektbezogene Zahlungen werden üblicherweise über definierte Prozesse ausgezahlt, die an Ergebnisse, Kalenderdaten und jeweils bereitgestellte Nachweise gekoppelt sind. Wenn ein Verband öffentlich behauptet, diese Zuordnungen würden als Druckmittel genutzt, verschiebt das die Frage vom reinen Cashflow hin zu Governance-Fragen. Im Kern sagt al-Hussein: Es gab eine Erwartung an Auszahlung, die jedoch aus seiner Sicht bewusst nicht erfüllt wurde, obwohl parallel nach außen ein finanzielles Polster in Aussicht gestellt worden sei.
Für die konkrete Einordnung nennt Prinz Ali eine Summe, die das Ganze messbar macht: Als Zweitplatzierte beim FIFA Arab Cup im Dezember 2025 stehe Jordanien demnach noch ein Preisgeld zu, das Medienberichten zufolge bei 4,2 Millionen Dollar (gut 3,6 Millionen Euro) gelegen habe. Er schreibt, das Geld, das das Team für das Erreichen des Finales bekommen sollte, sei „noch nicht ausgezahlt“; zugleich kritisiert er, die FIFA gebe aber angeblich an, wie viele Milliarden sie noch in Reserve habe. Diese Kombination aus konkreter Zahl und Gegenargumentation ist wichtig, weil sie nicht nur eine allgemeine Unzufriedenheit ausdrückt, sondern eine potenzielle Lücke zwischen öffentlicher Finanzkommunikation und Zahlungsverhalten beschreibt. Für die FIFA bedeutet das: Selbst wenn es formale Gründe für Verzögerungen gäbe, müsste der Verband erklären, warum ein klar identifizierbares Ergebnis wie ein Endspiel-Resultat nicht in die Auszahlungsschiene einfloss.
Der neue Konflikt passt zudem in ein Muster, das sich zuletzt bereits bei anderen kontroversen Plänen gezeigt hatte. Infantino steht in der Kritik, weil der Weltverband zuletzt einen Teil der Rechte an Weltmeisterschaften an Investoren verkaufen und damit Milliarden verdienen wollte. Daraus entstand international spürbarer Widerstand, unter anderem mit dem angekündigten Boykott von FIFA-Wettbewerben durch die UEFA; der Weltverband verwirft solche Pläne laut Berichten jedoch schnell wieder. Gerade deshalb wirkt der Schritt, nun Erpressungsvorwürfe aus einem bestimmten Mitgliedsverband heraus zu platzieren, wie ein Versuch, die Debatte von der politischen Ebene zurück auf die Zahlungs- und Machtfrage zu ziehen.
Aus Branchenperspektive ist damit auch die nächste Phase der FIFA-Diskussion vorgezeichnet: Sobald öffentliche Anschuldigungen wie „Erpressung“ in Verbindung mit konkreten Beträgen gestellt werden, wächst der Druck auf die interne Compliance- und Finanzkontrolle – auch weil externe Partner und Verbände genauer hinschauen, wie Entscheidungen dokumentiert und Zahlungen begründet werden. Gleichzeitig bleibt offen, wie der Weltverband die Darstellung bewertet. Da dpa für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen angefragt hatte, rückt die Frage in den Vordergrund, ob es eine schriftliche Aufklärung über Status, Zeitpunkte und Bedingungen der ausstehenden Gelder geben wird. Für die beteiligten Verbände ist das nicht nur eine moralische Auseinandersetzung, sondern eine Frage nach Verlässlichkeit in den Vertrags- und Zahlungsmechanismen, die den Sportbetrieb mittelbar steuern.
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