LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei 14-Jährige haben mit „KlausurBuddy“ eine KI-Lern-App gebaut, die Übungsklausuren anhand von eingescannten Unterrichtsnotizen generiert. Die Nutzer wählen Schule und Bundesland, woraufhin die KI eine individuelle Klausur erstellt und die bearbeitete Lösung auswertet. Wer digital übt, erhält Feedback; wer ausdruckt, bekommt eine Musterlösung. Bezahlt wird nach kurzen Paketen ab fünf Übungsklausuren für fünf Euro.

Wer sich in Deutschland schon einmal durch Nachhilfemarkt-Preislisten gearbeitet hat, kennt das Grundproblem: Übung bleibt oft teuer, und der Mehrwert entsteht weniger durch „irgendwelche“ Aufgaben, sondern durch Passgenauigkeit zum Stoff. Genau daran setzt die neue Lern-App KlausurBuddy an. In der App-Logik scannen Schülerinnen und Schüler ihre Notizen aus dem Unterricht, geben zusätzlich an, welche Schule und in welchem Bundesland sie lernen, und erhalten daraus Übungsklausuren, die sich an den jeweiligen Lehrplänen orientieren sollen. Das Team dahinter ist ungewöhnlich jung: Paul Aierle und Lukas Tomasek sind beide 14 Jahre alt und entwickeln das Produkt noch im Schulalltag weiter.
Technisch betrachtet arbeitet „KlausurBuddy“ mit einem datenzentrierten Ansatz, bei dem die Eingabe nicht nur ein Thema, sondern Kontext liefert: eingesammelte Unterrichtsnotizen plus regionale Einordnung. Aus Sicht der KI-Entwicklung ist das eine entscheidende Verschiebung gegenüber generischen Lern-Generatoren, weil die Aufgabe stärker an die erwartete Prüfungsrealität gekoppelt wird. Für die Nutzer bedeutet das eine klare Nutzerführung: Sie bekommen nicht erst nach mehreren Iterationen „ungefähr passende“ Aufgaben, sondern sollen sofort eine Klausur erhalten, die den Stoff der Schule aufnimmt. Besonders relevant ist der nächste Schritt: Wer die Klausur online bearbeitet, bekommt laut App-Konzept auch individuelles Feedback, während gedruckte Varianten eine Musterlösung liefern. Damit adressiert das Produkt zwei Lernmodi, ohne dass die Nutzer zwischen verschiedenen Tools wechseln müssen.
Die Preispolitik ist dabei bewusst niedrig angesetzt und nimmt Bezug auf einen konkreten Marktvergleich aus dem Umfeld der Gründer: Für fünf Übungsklausuren werden fünf Euro fällig; wer ein Jahr nutzen möchte, zahlt 140 Euro. Zusätzlich existiert ein Zwei-Wochen-Klausuren-Pass für elf Euro. In der App-Sprache ist das ein typisches Einstiegsszenario, um Nutzer nicht mit einem Abo-Schock zu blockieren. Gleichzeitig trägt das Zahlungsmodell zur Planbarkeit bei, denn es wird nicht nur „Content“ verkauft, sondern eine Kombination aus generierter Klausur, Auswertung und Feedback-Mechanik. Das ist auch deshalb wichtig, weil die App bislang nur als Website verfügbar ist und das Team während der Sommerferien den nächsten Schritt plant: eine eigenständige App.
Ein weiterer Punkt ist der Vertrieb über den Wettbewerb als Validierungsinstrument. Das Projekt wurde beim Startup-Teens-Wettbewerb in der Kategorie „Education“ ausgezeichnet und erhielt dabei laut Quelle 10.000 Euro Preisgeld sowie Mentoring. Für ein sehr frühes Produkt ist das doppelt relevant: Erstens schafft das Mentoring bei Themen wie Reichweite und Positionierung Orientierung, zweitens bringt das Geld die ersten juristischen und operativen Schritte in Gang. Bei der Rechtsform spricht das Team über die Gründung einer UG, um mit geringem Stammkapital zu starten; als Geschäftsführer sollen zunächst die Väter einspringen, bis beide Gründer volljährig sind. Für Eltern und Unterstützer ist das wiederum ein Signal, dass es nicht bei einer Hobby-Idee bleiben soll, sondern dass das Produkt ernsthaft in Richtung Unternehmensbetrieb geführt wird.
Im Hintergrund steht außerdem die Motivation, die über reine Monetarisierung hinausgeht. Paul Aierle und Lukas Tomasek formulieren als Kernziel eine Alternative zu teuren Nachhilfestunden, insbesondere für Schülerinnen und Schüler aus Familien, die sich Nachhilfe nicht leisten können. Diese soziale Zielrichtung wirkt sich bei KI-Lernprodukten praktisch auf das Design aus: Wenn Lernen individualisiert werden soll, muss das Angebot ohne hohe Einstiegshürden funktionieren. Genau deshalb wirkt das Zusammenspiel aus Lehrplanbezug (Schule/Bundesland), generierten Aufgaben und sofortiger Rückmeldung so zentral. Auch wenn der Markt KI-gestützter Lernhilfen inzwischen stark frequentiert ist, bleibt die Qualitätsfrage: Entscheidend ist nicht nur, ob eine KI „irgendetwas“ erstellt, sondern ob die Aufgaben fachlich zur Lernsituation passen und ob das Feedback wirklich beim nächsten Bearbeitungsschritt hilft.
Gleichzeitig ist die Geschichte ein Lehrstück für KI-Entwicklung im Kleinen: Startkapital, Infrastrukturkosten und die Grenzen der eigenen Lernkurve treffen aufeinander. Die Gründer erwähnen, dass KI-Nutzung und Server laufende Kosten verursachen und dass das Preisgeld sowie ein späterer Markterfolg nötig sind, um diese Hürde zu stemmen. Interessant ist auch der Entwicklungsweg: Lukas Tomasek berichtet, dass er sich unter anderem über Videos sowie durch einen Zeitungsartikel mit dem Programmieren beschäftigt hat und anschließend ein Pro-Abo nutzte, um die Webseite von KlausurBuddy aufzubauen. Das zeigt, wie schnell KI-Tools heute in die persönliche Entwicklung rutschen: Nicht als „fertiges Produkt kaufen“, sondern als Katalysator für die eigene Implementierung.
Für den weiteren Verlauf werden vor allem drei Faktoren entscheiden, ob aus der Website ein nachhaltiges Lernprodukt wird. Erstens muss die App-Qualität mitwachsen, sobald mehr Schülerinnen und Schüler die Klausuren nutzen und dadurch mehr Feedback aus dem echten Prüfungskontext zurückkommt. Zweitens wird die Auswertung der bearbeiteten Lösungen zu einer Kernkompetenz: Je präziser die Rückmeldungen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Nutzer bleiben und Pakete erneut kaufen. Drittens schließlich bestimmt das Timing den Markteintritt: Das Team plant nach dem Sommerferien-Start, die Reichweite gezielt zu erhöhen und die App zu erweitern. Wenn KlausurBuddy es schafft, Individualität und Erschwinglichkeit konsequent zu verbinden, dürfte das Modell auch für andere Lernbereiche als Vorlage taugen.
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