BERGISCH GLADBACH BEI KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland sinkt die Zahl der medizinisch-psychologischen Untersuchungen (MPU) weiter. Für 2025 nennt die BASt 70.135 Begutachtungen, das sind fast 7 % weniger als im Jahr zuvor. Auffälliger Alkoholkonsum blieb dabei mit 44 % der häufigste Anlass. Die Ergebnisse ändern sich hingegen nur wenig: 58 % werden als geeignet eingestuft.

Die Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) ist in Deutschland seit Jahren ein fester Bestandteil von Verfahren, die die Fahreignung nach Auffälligkeiten im Straßenverkehr bewerten. Dass weniger Menschen durch solche Tests müssen, wirkt auf den ersten Blick wie eine Beruhigung der Lage. Der Blick in die aktuellen Zahlen zeigt jedoch etwas Komplexeres: Die Gesamtsumme geht zurück, aber der dominierende Risikotreiber bleibt derselbe. Genau an dieser Schnittstelle aus rückläufigen Fallzahlen und gleichbleibenden Ursachen lohnt sich die Einordnung für Behörden, Prüfstellen und Verkehrsteilnehmer.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) in Bergisch Gladbach bei Köln sank die Zahl der MPUs im Jahr 2025 auf 70.135. Das entspricht fast 7 Prozent weniger als 2024, während die Entwicklung zuvor bereits in mehreren Jahren abwärts gerichtet war. Praktisch bedeutet das: Es werden weniger Begutachtungen durchgeführt, obwohl der Zweck der MPU gleich bleibt – es soll eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit für eine erneute Auffälligkeit im Straßenverkehr eingeschätzt werden. Diese Logik prägt auch die Gestaltung der Verfahren, denn eine MPU ist kein allgemeiner Gesundheitstest, sondern an ein konkret erhöhtes Risiko gekoppelt.
Der häufigste Anlass für den Eignungstest war 2025 weiterhin auffälliger Alkoholkonsum. Mit 44 Prozent liegt dieser Wert klar vor allen anderen Kategorien. Danach folgen Konstellationen, in denen ein Zusammenhang mit Drogen und Medikamenten stand – rund 21 Prozent. Auffällig ist auch, dass die MPU im Alltag salopp als „Idiotentest“ bezeichnet wird; der nüchterne Blick auf die Statistik macht aber deutlich, dass es sich um ein strukturiertes Begutachtungssystem handelt, das auf Risikoprofile zielt und nicht auf moralische Wertungen. In der Praxis entscheidet die Einstufung der Ausgangslage darüber, welche Fragestellungen in der psychologischen und medizinischen Beurteilung im Vordergrund stehen.
Bei den Ergebnissen hat sich laut BASt kaum etwas geändert: 58 Prozent der begutachteten Personen wurden als „geeignet“ eingestuft, im Jahr 2024 waren es 56 Prozent. 38 Prozent erhielten die Bewertung „ungeeignet“; auch hier bleibt die Größenordnung stabil (2024: 39 Prozent). Etwa 4 Prozent bekamen die Empfehlung für einen Aufbaukurs. Diese Relation ist für die Einordnung wichtig, weil sie zeigt, dass der Rückgang bei den Fallzahlen nicht automatisch zu einer erkennbar besseren Gesamtquote führt. Stattdessen scheint sich eher die Zusammensetzung der Fälle zu verschieben oder die absolute Zahl der Anordnungen zu sinken – während das Bewertungsmuster in den einzelnen Kategorien relativ konstant bleibt.
Technisch betrachtet lässt sich die MPU als mehrstufige Risikoanalyse verstehen: Die Verfahren setzen dort an, wo aufgrund der Vorgeschichte eine erneute Auffälligkeit als besonders hoch gilt. Genau dieser Punkt wirkt wie ein Filter und erklärt, warum der Rückgang der Begutachtungen über Jahre hinweg nicht zwingend mit einer schnellen Änderung der „geeignet/ungeeignet“-Bilanz einhergeht. Für Verkehrssicherheitsprogramme ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Wenn Alkohol der Hauptauslöser bleibt, muss Prävention besonders an dieser Stelle ansetzen – etwa durch konsequente Risikominderung im Alltag und durch Maßnahmen, die Rückfälle tatsächlich reduzieren. Die Statistik stützt damit indirekt die These, dass sich verkehrspolitische Wirkung vor allem über die Haupttreiber erzielen lässt.
Für die Praxis in Prüf- und Beratungsstellen spielt außerdem die Planbarkeit eine Rolle. Weniger MPUs bedeuten oft auch veränderte Auslastungs- und Personalzyklen, gleichzeitig aber bleibt die inhaltliche Qualität der Begutachtung anspruchsvoll. Unternehmen und Organisationen, die Beratungs- und Vorbereitungskonzepte anbieten, müssen daher nicht nur auf sinkende Nachfrage reagieren, sondern auch ihre Programme an der nach wie vor dominanten Ursache „Alkohol“ ausrichten. Insgesamt bleibt die Lage damit ambivalent: Es gibt weniger Verfahren, aber der Schwerpunkt des Risikos ist nicht verschwunden – und genau das entscheidet darüber, wie stark sich die Verkehrssicherheit mittel- bis langfristig entwickeln wird.
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