LONDON (IT BOLTWISE) – Der EU AI Act schafft ab dem 2. August 2026 einen verbindlichen Rechtsrahmen für den KI-Einsatz. Eine Umfrage unter 86 Entscheidungsträgern der Immobilienwirtschaft zeigt massive Wissenslücken: Rund jede dritte Führungskraft kennt die Herausforderungen des Gesetzes nicht. Viele können zudem nicht einschätzen, wie gut ihr Unternehmen bereits vorbereitet ist. Besonders bei Datenschutz, Datensicherheit und Compliance stuft nur ein kleiner Teil die Themen als kritisch ein.

EU AI Act: Immobilienbranche startet zu spät in die Umsetzung
EU AI Act: Immobilienbranche startet zu spät in die Umsetzung (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit dem EU AI Act, der seit dem 2. August 2026 einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz branchenübergreifend schafft, gerät eine eher lange unterschätzte Abteilung in den Fokus: das Risikomanagement in der Immobilienwirtschaft. Laut einer Umfrage von pom+ Deutschland unter 86 Entscheidungsträgern im Juli 2026 betrifft die Vorbereitung auf die neue Regulatorik nicht nur technische Details, sondern vor allem das Verständnis dafür, was sich organisatorisch und prozessual ändern muss. Besonders auffällig: Nahezu jede dritte Führungskraft gibt an, keine Kenntnis über die Herausforderungen des EU AI Acts zu haben. Damit steht am Anfang nicht die Frage nach passenden Modellen oder Tools, sondern nach dem Rollenbild der Verantwortlichen innerhalb der Unternehmen.

Die Erhebung macht außerdem deutlich, wie schwer es vielen Akteuren fällt, den eigenen Umsetzungsstand objektiv zu bewerten. Ein ähnlich hoher Anteil der Befragten konnte nicht einschätzen, inwieweit das eigene Unternehmen auf die neuen Vorgaben vorbereitet ist. Das ist in der Praxis häufig ein Hinweis auf fehlende Transparenz über den tatsächlichen KI-Einsatz: Wo werden heute Systeme zur Dokumentenanalyse genutzt, wie laufen KI-gestützte Workflows in der Mieterkommunikation ab, und welche Modelle beeinflussen Entscheidungen bei der Immobilienbewertung? Genau diese Bereiche werden in der Umfrage als besonders betroffen genannt, wenn es um Transparenz von KI-Anwendungen, Governance-Strukturen und den Umgang mit KI-bedingten Risiken geht.

Brisant wird das Thema zusätzlich durch die Schwerpunkte, die Führungskräfte bei Datenschutz und Compliance setzen. Lediglich 11 Prozent messen Datenschutz und Datensicherheit eine hohe Relevanz bei, während nur 9 Prozent die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen als kritisch einstufen. Für IT- und Datenschutzverantwortliche ist das ein Warnsignal, weil der EU AI Act nicht als isoliertes „KI-Projekt“ verstanden werden kann, sondern als Querschnittsanforderung an Datenflüsse, Nachweisbarkeit und Verantwortlichkeiten. Gerade bei sensiblen Daten, etwa wenn KI Dokumente klassifiziert oder Informationen aus Mieteranfragen ableitet, hängt die regulatorische Bewertung eng an der Qualität der Datenverarbeitung und an der Fähigkeit, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.

Dass der organisatorische Aufwand für die Implementierung nur von 2 Prozent als wesentliche Herausforderung wahrgenommen wird, passt dazu zunächst widersprüchlich. Genau diese Diskrepanz greift die CEO von pom+ Deutschland, Rebekka Ruppel, auf. Sie kommentiert die Ergebnisse und stellt heraus, dass der Immobilienwirtschaft das notwendige Fachwissen fehle; die eigentliche Herausforderung liege nicht in der technischen Umsetzung, sondern in der Neuausrichtung von Verantwortlichkeiten und dem Aufbau interner Kompetenzen. In dem Zusammenhang mahnt sie an, dass Entscheidungen zu Datenschutz und Compliance oft in unterschiedlichen Abteilungen getroffen würden, die letztliche Verantwortung jedoch beim Vorstand liege: „Ein ‚nebenbei‘ angesiedeltes Management des Themas unterschätze den regulatorischen sowie den organisatorischen Wandel, den der AI Act mit sich bringe.“ Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn ein Anbieter die technische Integration liefert, bleibt die Pflicht zur Governance und zum Nachweis von Risiken und Kontrollen intern zu leisten.

Zeitlich drängt die Umsetzung ebenfalls. Die Frist zur vollständigen Umsetzung der Vorgaben ist bis Dezember 2027 gesetzt. Diese Spanne wirkt im ersten Moment lang, wird aber in Organisationen mit unklaren Verantwortlichkeiten schnell knapp, wenn erst im Verlauf die Bestandsaufnahme startet: Welche KI-Funktionen werden eingesetzt, mit welchen Trainings- und Betriebsdaten, und welche Prozesse hängen daran? In der Immobilienwirtschaft kommen dazu typische Modell-Lifecycle-Themen, etwa wenn Dokumentenklassifikation oder Bewertungstätigkeiten regelmäßig angepasst werden. Ohne klare Governance und Transparenz lassen sich Transparenzanforderungen und Risikobewertungen dann oft nur unvollständig aufbauen.

Für den Markt ist das ein Selektionsmoment: Wer früh Transparenz schafft, Verantwortlichkeiten in ein funktionierendes Governance-Modell überführt und Datenschutz, Datensicherheit sowie Compliance als integralen Bestandteil behandelt, verkürzt die Zeit bis zur belastbaren Umsetzung. Wer hingegen weiterhin darauf setzt, KI eher als Werkzeug „am Rand“ zu verwalten, riskiert zusätzlichen Projektaufwand in Richtung Ende 2027 – vor allem, weil die Anforderungen an Risikoanalyse und dokumentierbare Kontrollen in der Praxis nicht nur durch eine einmalige Implementierung erledigt sind, sondern als kontinuierlicher Prozess organisiert werden müssen. Insofern liefert die Umfrage weniger eine Momentaufnahme über das Wissen, sondern eher eine Projektion über den Aufwand, den Unternehmen noch vor sich haben.

Für CIOs, CDOs und Datenschutzbeauftragte zeigt sich damit ein konkreter Handlungsdruck: Vor Dezember 2027 muss nicht nur die technische Integration „laufen“, sondern auch die organisatorische Linie stehen. Dazu gehört, KI-Anwendungen in der jeweiligen Wertschöpfungskette zu identifizieren, klare Verantwortlichkeiten zwischen Fachbereich, IT und Vorstand zu definieren und die Datenverarbeitung so auszulegen, dass Nachweise möglich werden. Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass viele Unternehmen genau bei diesen Grundlagen noch Nachholbedarf haben – und dass die Regulatorik im Alltag erst dann wirksam verstanden wird, wenn sie auf real genutzte KI in Dokumentenanalyse, Mieterkommunikation und Immobilienbewertung heruntergebrochen wird.


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