DUBAI / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Mobility- und Robotaxi-Fuhrparkbetreiber Moove hat 250 Millionen US-Dollar eingesammelt und sein Unternehmen mit 2,1 Milliarden US-Dollar bewertet, um die eigene Autonomie-Betriebsschicht zu skalieren. Die Firma betreibt bereits mit 42.000 Fahrzeugen in 14 Ländern einen großen, menschlich gesteuerten Ride-Hailing-Betrieb und will dieses Know-how auf robotaxi-fähige Flotten übertragen. Für den geplanten Einstieg in den Robotaxi-Kauf kündigt Moove zudem eine Finanzierung über Schulden an. Parallel baut das Unternehmen automatisierte Depots, die unter dem Namen „Nests“ nach und nach „lights-out“ betrieben werden sollen.

Moove macht aus einem klassischen Mobility-Geschäft eine Art Betriebsplattform für Robotaxis: Das Unternehmen, gegründet 2020 in Nigeria und heute in Dubai mit Hauptsitz organisiert, hat eine neue Finanzierungsrunde über 250 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 2,1 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Mit diesem Schritt will der Anbieter die eigene Rolle als Flottenbetreiber im autonomen Segment stärker ausbauen – also nicht nur als Betreiber einzelner Testfahrzeuge auftreten, sondern als „Backbone“ für den laufenden Betrieb von Robotaxis. Entscheidend ist dabei, dass Moove seine Ursprungskompetenz aus dem Fahren mit Menschen und aus der Fahrzeugfinanzierung direkt als Trainingsgrundlage für autonome Abläufe beschreibt.
Technisch und organisatorisch heißt das: Moove besitzt und betreibt bereits heute eine Ride-Hailing-Flotte, die nach eigenen Angaben 42.000 Fahrzeuge umfasst und in 14 Ländern eingesetzt wird. Gleichzeitig ergänzt das Unternehmen dieses Mobilitätsmodell um Fahrzeugfinanzierungen für Gig-Driver und schafft damit eine zusätzliche Steuerungs- und Datenebene rund um Fahrzeugverfügbarkeit, Wartungszyklen und Auslastung. Die operative Herausforderung ähnelt dem späteren Robotaxi-Alltag zwar nicht 1:1, aber sie ist in einem zentralen Punkt ähnlich: Ein großer Fahrzeugbestand muss zuverlässig betrieben, instandgehalten und im Tagesgeschäft koordiniert werden – inklusive Serviceprozessen, die in der Praxis selten rein „automatisch“ ablaufen, selbst wenn die Fahrzeuge autonom fahren.
Die strategische Brücke in Richtung Robotaxis begann Moove laut Angaben Anfang 2023 nach einer Marktanalyse seiner wichtigsten Mitspieler: Dazu zählen AV-Entwickler, Fahrzeughersteller, Marktplätze wie Uber sowie letztlich die Verbraucherseite. In dieser frühen Phase wird aus Sicht des Managements vor allem eine Frage relevant: Wer übernimmt dauerhaft die Verantwortung rund um das Fahrzeug – also Besitz, Betrieb, Orchestrierung, Service, Wartung und sogar das Management verlorener Gegenstände oder Reinigungsprozesse? Der Kern der Argumentation lautet, dass der Fahrzeugbesitz und die Betriebsverantwortung als Produktteil verstanden werden müssen. Moove will daher eine Lösung schaffen, in der das Unternehmen die autonomen Fahrzeuge nicht nur „nutzt“, sondern als Betreiber strukturiert und steuert.
Ein konkreter Hebel dafür ist die Kooperation mit Waymo: Moove fungiert als Flottenbetreiber für Waymo in Phoenix, Miami und Las Vegas – und perspektivisch soll London folgen. Wichtig für die operative Einordnung: Moove besitzt laut den Angaben die Waymo-Robotaxis nicht selbst, übernimmt aber den Betrieb. Genau hier setzt die nächste Wachstumslogik an – denn Moove plant, die Robotaxis künftig selbst zu erwerben und dabei eine Finanzierung über Schulden (debt financing) einzusetzen. Einen genauen Zeitplan für den Start des Robotaxi-Kaufs nannte das Unternehmen nicht. Allerdings sagt Moove, dass es bereits Robotaxi-Fahrzeuge eines anderen AV-Entwicklers besitzt, ohne den Namen zu nennen, was die Bereitschaft signalisiert, das Betriebsmodell parallel zu verhandeln und nicht nur auf einen späteren Rollout zu warten.
Die neu eingesetzte Liquidität soll vor allem in zwei Richtungen fließen: Erstens skaliert Moove das eigene autonome Flottenmanagement und plant dafür auch personelle Verstärkung – konkret werden rund 350 zusätzliche Stellen genannt. Zweitens investiert das Unternehmen in automatisierte Depotstrukturen, die „Nests“ heißen. Diese Standorte sollen laut Moove in der Lage sein, rund um die Uhr zu arbeiten und über Robotik das Laden, die Wartung und den Service der Fahrzeuge zu automatisieren. Solche „automated depots“ sind in der Robotaxi-Welt mehr als Komfortfunktion: Sie entscheiden über Betriebszeiten, Wiederherstellungsdauer nach Ereignissen im Alltag und damit auch über die Wirtschaftlichkeit pro Fahrzeug und Tag. Moove nennt etwa 15 Depots in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, verweist aber darauf, dass der genaue Zeitpunkt für den „lights-out“-Betrieb (also weitgehend ohne vor Ort präsentes Personal) als künftiges Produkt noch nicht terminiert sei.
Auch im Vergleich zum bisherigen Ride-Hailing-Geschäft ist der Umbau spannend, weil Moove dort bereits mit hoher operativer Komplexität arbeitet: 3.300 Mitarbeitende weltweit und weiterhin ein Angebot, das Fahrzeugfinanzierung für Gig-Driver einschließt, bedeutet, dass das Unternehmen sowohl an der Nutzerseite als auch an der Fahrzeugseite Prozesse „am Laufen halten“ muss. In den Angaben wird zudem betont, dass die traditionelle Mobility-Sparte in diesem Jahr vollständig profitabel werden soll. Für das autonome Segment wäre das ein wichtiger Vorteil, denn ein skalierbares Depot- und Betriebsmodell benötigt Liquidität und Stabilität, um in den Anlaufjahren nicht nur Technik zu liefern, sondern auch Prozessqualität zu sichern.
Mit Blick auf die Marktstruktur lässt sich die Moove-Strategie als Versuch lesen, eine bisher oft verteilte Wertschöpfung zu bündeln: AV-Entwickler und Fahrzeughersteller fokussieren typischerweise auf die Fahrtechnologie, während Plattformbetreiber die Nachfrage und das Routing in der Fläche abbilden. Genau diese Lücke – wer übernimmt in der Praxis dauerhaft die Fahrzeugwartung, die Servicekette und den betrieblichen Betrieb – will Moove über den Mix aus Flottenbetrieb und automatisierten Depots schließen. Die nächste Phase wird zeigen, ob sich die „Betriebsfähigkeit“ als wiederholbares Produkt ausrollen lässt, insbesondere wenn Mooves Zielhorizont in Richtung eines großen Fahrzeugparks reicht. Ladi Delano bringt diese Vision auf den Punkt, indem das Unternehmen perspektivisch den Besitz von „hunderttausenden“ Robotaxis anstrebt – ein Ziel, das nur dann tragfähig wird, wenn Depots, Personal-Engineering und Finanzierung in Summe mit der Fahrzeugzahl skalieren.
Zur Runde gehören neben dem Lead-Investor Mubadala Investment Company weitere Unterstützer wie Woven Capital und Ion Pacific als Co-Leads, außerdem BlueCrest Capital Management, Sona Asset Management und The Raptor Group. Hinzu kommen unter anderem auch BlackRock, MUFG, Franklin Templeton, Uber sowie mehrere weitere Investment- und strategische Partner. Für die Branche signalisiert das weniger einen einzelnen Technologie-„Sprung“, sondern eher eine Wette auf Skalierung in der Fläche: Robotaxis werden nicht nur durch die Fahrsoftware erfolgreich, sondern durch den Betrieb – und genau dort positioniert sich Moove jetzt mit deutlich mehr Kapital und einer klaren Infrastruktur-Agenda.
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