GARCHING / LONDON (IT BOLTWISE) – SUSS MicroTec meldet Rekordwerte bei Auftragseingang und -bestand und berichtet zudem über steigende Umsätze sowie Ergebnis im zweiten Quartal. Der Konzern profitiert laut Management von der anhaltend starken Nachfrage rund um Künstliche Intelligenz, gleichzeitig verlängern Kunden jedoch teils die Vorlaufzeiten neuer Projekte. An der Börse zeigt sich das Papier zunächst schwankend: Nach Kursverlusten dreht die Aktie leicht ins Plus. Für 2026 hält das Unternehmen eine operative Marge zwischen acht und zehn Prozent für möglich, während die Buchungen angesichts hoher Kosten noch mit Verzögerung ins operative Geschäft wirken.

Der KI-Hype wirkt bei SUSS MicroTec derzeit weniger wie ein Schlagwort, sondern wie ein klarer Impuls in den Kenngrößen: Der Auftragseingang und der Auftragsbestand erreichten zuletzt Rekordniveaus. Gleichzeitig zog im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis gegenüber dem ersten Jahresviertel an, allerdings steht der Konzern im Vergleich zum Vorjahr noch deutlich unter dem ursprünglichen Wachstumskorridor. An der Börse wurde diese Gemengelage sichtbar: Die im MDAX notierte Aktie startete am Donnerstag zunächst im Minus, drehte am Nachmittag aber leicht ins Plus. Zuletzt lag das Papier 0,4 Prozent höher bei 79 Euro, nachdem es zuvor zeitweise um bis zu 4 Prozent nachgegeben hatte.
Für die Bewertung der aktuellen Entwicklung ist entscheidend, dass die Nachfrage nicht nur im Markt „da ist“, sondern sich auch in der Struktur der Bestellungen zeigt. Vorstandschef Burkhardt Frick betonte: „Im zweiten Quartal konnten wir den Auftragseingang dank der weiterhin starken Nachfrage nach unseren Lösungen erneut deutlich steigern“. Auffällig ist zudem, dass SUSS beobachtet, dass Kunden Aufträge mit längeren Vorlaufzeiten platzieren. Das kann für Planungs- und Lieferkettenprozesse zweischneidig sein: Einerseits stabilisiert eine frühe Beauftragung die Kapazitätsplanung, andererseits verschiebt sie den Zeitpunkt, an dem das Material- und Produktionsgeschäft operativ voll durchschlägt.
Rein zahlenbasiert zeigt sich der Effekt besonders im Vergleich zum Vorjahr. Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal auch dank einer großen Order im Jahresvergleich mit 260,7 Millionen Euro auf mehr als das Dreifache. Zum Halbjahr erreichte der Auftragsbestand mit knapp 474 Millionen Euro ebenfalls einen Rekordwert. Für die Investoren bedeutet das vor allem höhere Planbarkeit: Bereits mit rund 220 Millionen Euro an für 2027 vorgesehenen Auslieferungen verfügt SUSS nun „über eine deutlich höhere Visibilität als noch vor einem Jahr“, wie Finanzvorstand Cornelia Ballwießer ausführte. Gleichzeitig bestätigt das Unternehmen, dass sich die Profitabilität im zweiten Quartal verbessert hat und wieder im Zielkorridor für das Gesamtjahr liegt.
Der Weg von der Rekordbuchung zur Gewinnentwicklung verläuft in Halbleiterausrüstungs-Geschäftsmodellen oft nicht linear, weil zwischen Bestellung, Auslieferung, Inbetriebnahme und Servicekomponenten Zeit liegt. Genau diesen Punkt sieht man in der Ergebnislogik: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach im Jahresvergleich um gut die Hälfte auf 10,4 Millionen Euro ein, lag jedoch deutlich über dem Wert des ersten Quartals. Unter dem Strich schmolz der Gewinn inklusive nicht fortgeführter Aktivitäten auf 6,3 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 18 Prozent auf 116,2 Millionen Euro, blieb aber ebenfalls klar über dem Niveau des ersten Quartals. Dahinter steckt laut Unternehmenslage auch ein Kostenblock, unter anderem durch Ausgaben für neue Produkte und den Anlauf des neuen Standortes in Taiwan.
Technisch und marktseitig lässt sich die Nachfrage nach Advanced-Packaging-Anwendungen als besonders plausibler „KI-Enabler“ einordnen: KI-Systeme benötigen zunehmend leistungsfähige Chips, und dafür gewinnen Packaging-Ansätze an Bedeutung, die Leistung und Effizienz steigern. SUSS beschreibt diese Nachfrage explizit als einen Treiber der wieder starken Auftragslage. Zudem war im Konzern zuletzt spürbar, dass Kunden in China Bestellungen zunächst zurückhielten; seit dem Schlussquartal ziehen die Buchungen aber wieder an. Die kurzfristige Perspektive bleibt trotzdem anspruchsvoll: Warburg-Analyst Malte Schaumann sprach angesichts der Auftragsentwicklung von einem „bombastischen“ Quartal, führte den Effekt jedoch auf vorgezogene Kundenaufträge zurück und erwartet, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr unter diesem außergewöhnlich hohen Niveau bleibt.
Für die zweite Jahreshälfte und damit für die Frage, wie schnell die Rekordbuchungen operativ „ankommen“, setzt SUSS auf neue Produkte und eine weitere Auslieferungsdynamik aus Taiwan. Nach ersten Auslieferungen aus dem Werk in Taiwan zu Beginn des laufenden Quartals seien für die zweite Jahreshälfte weitere Produkteinführungen vorgesehen. Operativ hält das Unternehmen an einer langfristig verankerten Zielsetzung fest: Unverändert erwartet SUSS für 2026 eine operative Marge (Ebit-Marge) von acht bis zehn Prozent. Im zweiten Quartal lag sie bei 9 Prozent, nach 4,3 Prozent zum Jahresstart; gegenüber dem Vorjahresquartal sank sie allerdings um 6,2 Prozentpunkte. Für 2026 nennt der Konzern Erlöse von 425 bis 485 Millionen Euro; nach dem Rekordumsatz von gut 503 Millionen Euro im vergangenen Jahr muss dafür die Dynamik im zweiten Halbjahr nochmals zulegen.
Aus Sicht von Unternehmen, die Halbleitertechnik in eigener Wertschöpfung nutzen oder die Zulieferkette daraus planen, ist die Meldung damit zweigeteilt. Die Auftragseingangs- und Visibilitätsdaten signalisieren ein belastbares Interesse an fortschrittlichen Packaging-Schritten, die für KI-Workloads relevant sind. Gleichzeitig zeigt der Verlauf von Umsatz und Gewinn, wie stark der Ergebnishebel in diesem Segment noch von Kosten, Standortaufbau und dem Timing von Auslieferungen abhängt. Genau diese Mischung erklärt, warum selbst gute Buchungszahlen kurzfristig zu schwankenden Kursreaktionen führen können, während mittelfristig vor allem entscheidend ist, ob die verbesserten Margen und die Zielkorridore auch dann stabil bleiben, wenn die Nachfrage nicht mehr durch vorgezogene Effekte „aufgeladen“ ist.
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