LONDON (IT BOLTWISE) – Große XRP-Bestände wurden laut On-Chain-Daten auch in der anhaltenden Schwäche weiter aufgebaut, ohne dass sich daraus bereits eine klare Markt-Fortsetzung ableiten lässt. Gleichzeitig zeigt Ethereum ein Muster, das eher zu langfristiger Kapitulation als zu kurzfristiger Erholung passt. Auf Wallet-Ebene steigen zwar die Bestände bei kleineren bis mittleren ETH-Paketen deutlich, während andere Gruppen ihre Positionen reduzieren. Für Anleger verschiebt sich damit der Fokus von kurzfristigen Breakouts hin zu einem langen Konsolidierungs- und Preisfindungsprozess.

Die jüngste On-Chain-Auswertung zeichnet ein widersprüchliches Bild für XRP und Ethereum: Während große XRP-„Whales“ weiter gezielt einsammeln, deutet die übrige Marktteilnahme nicht auf einen sofortigen Stimmungsumschwung hin. Laut den vorliegenden Daten bleiben die durchschnittlichen Spot-Orders auf Börsen im sogenannten „big whale“-Preisbereich von CryptoQuant im Jahr 2026 relativ stabil, obwohl der XRP-Preis vom Jahresanfang um etwa 2,40 US-Dollar in eine Spanne von ungefähr 1,00 bis 1,20 US-Dollar gefallen ist. Genau an dieser Stelle wird für viele Marktteilnehmer der Unterschied zwischen Akkumulation und Trendbestätigung greifbar: Wer nur „aufnimmt“, muss nicht zwangsläufig auch „nach oben“ ziehen, wenn das restliche Orderbuch und die Breite der Käuferseite schwächer werden.
Technisch betrachtet liefern die genannten Kennzahlen einen Anker dafür, wie aggressiv Käufer und Verkäufer gerade drücken. CryptoQuant verweist dabei auf den 90-Tage-„taker cumulative volume delta“, der in vereinfachter Logik zeigt, ob die Marktseite mit den taker-getriebenen Volumina eher Käufer oder Verkäufer dominiert. Im aktuellen Verlauf nähert sich dieser Wert laut Bericht dem neutralen Bereich an – nachdem es zuvor eine klare Käufer-Dominanz gegeben hatte. Praktisch heißt das: Die großen Geldflüsse absorbieren offenbar einen Teil des Angebots, aber die Nachfrage wirkt bislang nicht stark genug, um die nächste Bewertungsstufe nachhaltig durchzubrechen. In solchen Phasen sehen Analysten häufig nicht den Start eines neuen bullischen Trends, sondern eine langgezogene Konsolidierung, in der Angebot und Bedarf neu austariert werden.
Besonders aufschlussreich ist in dem Zusammenhang der Vergleich über die „realized price“-Perspektive. Für Ethereum wird beschrieben, dass der Kurs bei rund 1.900 US-Dollar notiert, damit aber sein realisiertes Niveau von etwa 2.450 US-Dollar verfehlt: Ein Großteil der ETH-Käufe liegt dadurch rechnerisch im unrealisierten Verlust. Diese Kombination aus „unterhalb des aggregierten Realisierungsniveaus“ und fehlendem klaren Kaufsog gilt in der Praxis als typisches Merkmal für länger anhaltende Kapitulationsphasen, in denen viele Halter am Hoch nicht im Gewinn standen und daher entweder unter Druck geraten sind oder zumindest weniger bereit wirken, aggressiv zu verkaufen. Ethereum wird in dem Bericht nicht als isolierter Sonderfall behandelt, sondern als Asset, das im historischen Kontext Kapitulationsmuster nahe an seinen Zustand heranführt – und gerade deshalb noch „Raum für weitere Abwärtsbewegungen“ sieht, bevor sich ein Boden statistisch besser bestätigen lässt.
Zum Kontrast wird der Blick auch auf Bitcoin und XRP selbst gelenkt. Bitcoin wird zum Zeitpunkt der Betrachtung mit einer Marktbewertung beschrieben, die etwa 17 % über seinem geschätzten realized price von 52.900 US-Dollar liegt. Damit ist die Situation weniger „kalt“ als bei Ethereum: Während Ethereum stark unter seinem aggregierten Kostenanker notiert, befindet sich Bitcoin im Verhältnis dazu eher im Bereich realisierter Gewinne. Beim XRP-Niveau wird im gleichen Kontext genannt, dass der Preis über dem geschätzten realized price von 0,75 US-Dollar liegt. Diese relativen Positionierungen helfen dabei, die Stimmung der Haltergruppen zu interpretieren: Selbst wenn große Adressen weiter akkumulieren, kann ein Asset trotzdem in einer Phase stecken, in der andere Halter noch zu wenig Vertrauen in eine unmittelbare Trendwende haben – oder in der das Marktgeschehen vor allem aus Preisstabilisierung durch „Whale-Liquidität“ besteht.
Auch auf Wallet-Ebene geht die Auswertung über die reine Preisbewegung hinaus. Bei Ethereum wird für Bestände zwischen 10.000 und 100.000 ETH ein stetiger Zuwachs beschrieben: von 14 Millionen ETH Mitte 2025 auf nahezu 19,6 Millionen ETH, was als neues Allzeithoch markiert wird. Parallel dazu heißt es, dass Adressen mit mehr als 100.000 ETH sich von ihren historischen Tiefständen aus 2025 erholen, während Adressen im Bereich von 1.000 bis 10.000 ETH ihren Bestand bereits früher im Jahr merklich reduziert haben. Genau diese Dreiteilung ist für Portfoliomanager oft wichtiger als ein einzelner Kurschart: Sie deutet auf eine Umverteilung hin, bei der sich die „stärkeren“ Haltersegmente anders verhalten als die mittleren Gruppen. Wenn dazu kommt, dass der gesamte Markt noch nicht klar Richtung „Breakout“ drängt, entsteht das Bild einer Phase, in der Positionen umgeschichtet werden, aber die entscheidende Nachfrage nach oben noch fehlt.
Diese Logik wird schließlich auch bei Bitcoin aufgegriffen. Der Bericht stellt fest, dass Bitcoin-Whales ihr akkumulatives Verhalten wieder aufgenommen hätten, wobei die Zuordnung gegenüber Börsen- und Mining-Pool-Adressen herausgerechnet wird. Die Whale-Balancen sollen demnach von 2,87 Millionen BTC Ende 2025 auf 3,06 Millionen BTC gestiegen sein; der größte Teil der Akkumulation habe in einer Phase stattgefunden, als Bitcoin unter 60.000 US-Dollar gehandelt wurde. Gleichzeitig wird aber betont, dass die aktuellen Whale-Bestände insgesamt noch unter dem Niveau liegen, das während der Hochphase des vorherigen Bullenmarkts zu beobachten war. Das ist eine wichtige Einordnung für die Erwartungshaltung: Akkumulation allein ist noch kein Siegbeweis. Erst wenn Nachfragebreite, Orderbuchdynamik und realized-price-basierte Haltedynamik zusammenpassen, kippt der Markt aus dem Konsolidierungsmodus in Richtung nachhaltiger Repricing-Phasen. Für Unternehmen und professionelle Trader bedeutet das, die Auswertung solcher On-Chain-Signale als Ergänzung zum klassischen Risikomanagement zu nutzen: nicht, um kurzfristig zu „folgen“, sondern um den wahrscheinlichsten Pfad zwischen Kapitulationsbereinigung und neuer Preisinformation besser abzuschätzen.
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