NOORDWIJK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die europäische PLATO-Mission der ESA hat ihre elektromagnetischen Verträglichkeitstests erfolgreich abgeschlossen. In einem abschirmenden Testaufbau bei ESTEC in Noordwijk wurde verifiziert, dass die zahlreichen Elektroniksysteme des Raumteleskops ohne gegenseitige Störungen zusammenarbeiten. Damit ist der letzte große Schritt der Qualifizierungsphase geschafft, bevor das Teleskop für den geplanten Start freigegeben werden kann. DLR übernimmt dabei zentrale Aufgaben rund um Readout-Elektronik, Datenverarbeitung und die wissenschaftliche Auswertung.

Für ein Raumteleskop ist elektromagnetische Verträglichkeit mehr als eine Formalie. PLATO (PLAnetary Transits and Oscillations of stars) musste in einem abgeschirmten Testaufbau nachweisen, dass sich seine vielen Elektronik- und Kommunikationsbausteine nicht gegenseitig aus dem Takt bringen. Die ESA berichtet, dass die Mission die EMV-Tests erfolgreich beendet hat und dass das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dabei eine zentrale Rolle in der Verifikation hatte. Bei dieser Art von Test geht es nicht nur darum, ob einzelne Komponenten funktionieren, sondern ob sie im Zusammenspiel in einem sehr engen Systemvolumen stabil und vorhersagbar arbeiten.
Das Kernstück der Prüfung fand bei der Maxwell-Anlage am ESA-Standort ESTEC im niederländischen Noordwijk statt: Eine neun Meter hohe, vollständig geschlossene Testkammer ist mit leitfähigen Metallwänden ausgekleidet. Diese Umhüllung wirkt wie eine Faraday-Käfig-Struktur und sorgt dafür, dass externe elektromagnetische Signale die Messungen nicht verfälschen. Zusätzlich dämpfen Schaumstoffelemente an Wänden und Decke elektrische Signale und reduzieren störende Reflexionen innerhalb der Kammer. Erst unter solchen kontrollierten Bedingungen lässt sich belastbar prüfen, ob das Raumteleskop bei realitätsnahen Prüfbedingungen elektromagnetische Störungen produziert oder umgekehrt von ihnen beeinflusst wird.
Nachdem die Kammer abgedichtet war, schaltete das Testteam die Elektroniksysteme von PLATO ein und führte funktionale Checks durch. Dabei untersuchten die Ingenieurinnen und Ingenieure unter anderem, ob einzelne Instrumente, elektronische Module oder Kommunikationssysteme unerwünschte Wechselwirkungen verursachen. In der EMV-Praxis wird so etwas als elektromagnetischer „Crosstalk“ bezeichnet. Auf einem Satelliten wie PLATO laufen mehrere empfindliche Systeme parallel: Würde Crosstalk zum Beispiel die Bahn- oder Lageregelung, die Datenübertragung zur Erde oder die Aufzeichnung der Helligkeitsvariationen beeinflussen, wären wissenschaftliche Messungen unmittelbar gefährdet oder Kontrollfunktionen gestört. Die Tests sollen genau dieses Risiko ausgeschlossen haben – also bestätigten sie, dass sämtliche Elektronikfunktionen wie vorgesehen auch im gemeinsamen Betrieb arbeiten.
Mit dem erfolgreichen EMV-Block ist PLATO laut Qualifizierungsplan über die letzte große Hürde der „Qualification Campaign“ hinweg. Diese Kampagne begann im Januar 2026 und umfasste zunächst Vibrations- und Akustiktests bei ESTEC, um die typischen Belastungen beim Raketenstart zu simulieren. Im Anschluss folgte der Einsatz in der Large Space Simulator genannten Anlage der ESA: Dort wird ein Raumfahrzeug in einen Vakuumzustand versetzt und extremen Temperaturbedingungen ausgesetzt, wie sie beim Aufenthalt im Weltraum auftreten. PLATO wurde dabei so geprüft, dass man nicht nur die Mechanik betrachtet, sondern ausdrücklich auch, ob Kameras, Elektronik und das Temperaturkontrollsystem unter weltraumähnlichen Bedingungen zuverlässig arbeiten.
Der geplante Start rückt damit klar in den Fokus: Für spring 2027 nennt die ESA einen Starttermin im Jahr 2027, aktuell konkret mit einer Planung für März 2027. Die Mission soll mit einer Ariane-6-Rakete vom europäischen Raumhafen in Kourou in Französisch-Guayana starten. Von dort aus transportiert die Trägerrakete PLATO zum L2-Lagrangepunkt, der etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt liegt – auf der sonnenabgewandten Seite. In dieser Konstellation gleichen sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne so mit der Zentrifugalkraft aus, dass das Raumfahrzeug mit geringem Energieaufwand eine stabile Position halten kann. Für die Instrumente bedeutet das vor allem: ununterbrochene Beobachtungen und eine verlässliche Kommunikationsführung mit der Erde, ohne dass die Bahn ständig gegenstabilisiert werden muss.
Wissenschaftlich setzt PLATO auf eine konzentrierte Kamerastrategie: Das Missionskonzept sieht 26 Kameras vor, die gleichzeitig über lange Zeiträume hunderte Tausende Sterne beobachten sollen. Ziel ist es, Planeten zu entdecken, die erdgroß sind und Sterne vom Typ unserer Sonne umkreisen. Technisch übersetzt sich dieses Ziel in präzise Photometrie: Die Kameras messen winzige, regelmäßige Schwankungen der scheinbaren Helligkeit eines Sterns. Solche Muster entstehen, wenn – aus Sicht der Erde – ein Planet vor seinem Wirtsstern entlangzieht. Durch die Kombination mit Beobachtungen terrestrischer Teleskope lassen sich dann unter anderem Größe, Masse und Alter neu entdeckter Planeten ableiten.
Dass EMV jetzt „durch“ ist, hängt eng mit den im Projekt verteilten Verantwortlichkeiten zusammen. Laut ESA wurden die anspruchsvollen Readout-Elektronik- und Datenverarbeitungssysteme für die schnellen Kameras inklusive Software für die präzise Ausrichtung des Satelliten im DLR-Institut für Raumfahrtforschung in Berlin entwickelt. Dieses Institut unterstützt außerdem die Kalibrierung und den Betrieb der Readout-Elektronik sowie Teile der Onboard-Datenverarbeitung, also genau jene Pipeline, die später die Photometrie aus den Rohdaten in nutzbare Messwerte überführt. Neben dieser Technikrolle führt das DLR auch das internationale PLATO-Missionskonsortium und prägt wesentlich die wissenschaftliche Auswertung. Weitere deutsche Beiträge fließen über die Deutsche Raumfahrtagentur bei DLR (aus Bundesmitteln); die Entwicklung und Koordination des PLATO-Wissenschaftsdatenzentrums inklusive Umsetzung von Datenverarbeitungs- und Analyse-Pipelines liegt am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen, während an der Freien Universität Berlin sowohl das Management des wissenschaftlichen Konsortiums als auch Teile der Datenverarbeitung, Payload-Operations und die wissenschaftliche Analyse der Missionsdaten unterstützt werden.
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