LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX hat den Freitagshandel mit einem Plus von 0,69 Prozent beendet und dabei zeitweise ein neues Rekordhoch bei 26.445,18 Punkten erreicht. Getragen wurde die Stimmung vor allem von nachlassenden Zinserwartungen nach schwächer ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. Gleichzeitig bleibt der Ölpreis ein Belastungsfaktor, weil eine dauerhafte Lösung im Konflikt um den Iran weiter unklar ist. Am Ende dominiert die Frage, wie die US-Notenbank Fed ihren nächsten geldpolitischen Schritt einordnet.

Der DAX ist am Freitag mit Schwung ins Wochenende gegangen und hat seine Rekordserie fortgesetzt. Ausgehend von 26.235,80 Punkten legte der Index im XETRA-Haupthandel noch einmal zu und arbeitete sich zeitweise über das zuvor zur Wochenmitte markierte Hoch von etwas über 26.400 Zählern vor. Im Tagesverlauf zog damit auch der Blick der Marktteilnehmer auf das eigentliche Fundament: Nicht nur technische Käufe sorgten für den Schub, sondern eine spürbare Entspannung bei den Zinsängsten.
Den stärksten Impuls lieferten dabei US-Arbeitsmarktdaten, die die Erwartungen dämpften. Laut Angaben zum US-Arbeitsmarktbericht sank die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft im Juli um 23.000; im Konsens waren dagegen 80.000 zusätzliche Stellen erwartet worden. Noch wichtiger: Der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten wurde insgesamt um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Entsprechend fiel auch die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent, während am Markt 4,2 Prozent als unverändert gegolten hatten. Für Anleger ist genau dieses Paket entscheidend, weil die Fed ihren geldpolitischen Kurs unter anderem an der Entwicklung am Arbeitsmarkt ausrichtet.
Aus der Perspektive der Zinsnarrative ist die Logik schnell: Schwächere Daten können die These unterstützen, dass Zinserhöhungsfantasien weniger wahrscheinlich sind oder zumindest später kommen. Gleichzeitig macht die Marktkommunikation den Unterschied. Marktstratege Felipe Villarroel von TwentyFour Asset Management bringt es in der Quelle auf den Punkt: Es gehe weniger um das aktuelle Zinsniveau als um Vertrauen in die nächsten Schritte. Wenn die Notenbank ihre Sicht auf Konjunktur und Inflation nicht klar genug einordnet, entstehe ein Vakuum, das Märkte dann mit eigenen Annahmen füllen. Diese Glaubwürdigkeit wirke wie eine „Währung“, die über Jahre aufgebaut werde, aber durch wenige ungünstige Auftritte schnell beschädigt werden könne.
Doch während die Zinserwartungen nach hinten rücken konnten, blieb der Ölpreis der Störfaktor. Die Unsicherheit über eine dauerhafte Einigung zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus wirkte weiterhin auf das Sentiment. Zwar hieß es, US-Präsident Donald Trump gehe nach eigenen Angaben davon aus, der Konflikt könne „ziemlich bald“ enden und eine Einigung zur Öffnung der Meerenge stehe bevor. Dennoch bleibt der Energiemarkt in der Praxis volatil: Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies darauf, dass der Ölpreis „bei 80 und nicht mehr bei 100 Dollar“ liege, was die Inflationsrisiken etwas lindern dürfte. Entscheidend sei aber die Unsicherheit, ob Energiepreise wirklich einen stabilen Abwärtstrend fortsetzen können.
In Deutschland lieferte parallel die Konjunkturseite Rückenwind, was den DAX-Rekorden auch eine fundamentalere Basis gibt. In China stiegen die Exporte laut Quelle um fast 24 Prozent zum Vorjahr, ein Signal, das auf eine Belebung der internationalen Nachfrage im Juli hindeutet. Auch in Europa hätten bereits im Wochenverlauf mehrere Konjunkturdaten nach oben gezeigt. Selbst in Deutschland sei es „besser als die Stimmung“, hieß es in der Quelle aus dem Umfeld eines Vermögensverwalters. Konkret fügte sich die Entwicklung in die größeren Wachstumsdaten ein: Die Industrieproduktion legte im Juni um 0,2 Prozent zum Vormonat zu, die Exporte kletterten um 0,9 Prozent zum Mai. Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank ordnete dies als ein gutes zweites Quartal für die deutsche Industrie ein.
Für die nächste Etappe der Marktstory ist auch der Blick auf die Unternehmensagenda wichtig. In der Bilanzsaison ging es am Freitag etwas ruhiger zu als an den Tagen davor: Aus dem DAX standen unter anderem die Allianz und die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft sowie Daimler Truck im Kalender. Solche Tage wirken oft wie ein „Luftloch“ in der Nachrichtenlage. Dann rücken makroökonomische Trigger wieder stärker in den Vordergrund, vor allem, wenn Zinsindikatoren und Risikoassets gleichzeitig bewegt werden. Im Handel wurde zudem argumentiert, der DAX könne wieder als „unterbewertetes Konjunktur-Play“ entdeckt werden; genau diese Erwartung knüpft an Daten wie Industrieproduktion und Exporten an.
Am Ende des Handelstages bestätigte der DAX zwar die feste Grundstimmung, ließ aber die Risikoampel nicht verschwinden. Der Index schloss mit 26.319,45 Punkten und damit 0,69 Prozent höher. Das jüngste Intra-Day-Allzeithoch lag bei 26.445,18 Punkten und markiert zugleich die Latte für die kommenden Sessions. Wenn gleichzeitig die US-Arbeitsmarktdaten den Zinspfad verlangsamen könnten, bleibt doch das Makro-Risiko über den Ölpreis präsent: Solange Gespräche im Nahen Osten keine belastbaren Ergebnisse liefern, kann Energiepreiseinflation jederzeit wieder in die Kalkulation zurückdrängen. Für Unternehmen und Investoren heißt das: Die Jahresplanung profitiert zwar von stabileren Zinsannahmen, aber sie muss weiterhin Szenarien für kurzfristige Energie- und Risikospreads einkalkulieren.
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