LONDON (IT BOLTWISE) – Der Iran stellt der US-Regierung sechs Bedingungen, damit die faktisch blockierte Straße von Hormus wieder für den freien Schiffsverkehr geöffnet werden kann. Außenminister Abbas Araghtschi signalisiert zwar Verhandlungsfortschritte mit dem Oman, knüpft die Einigung aber an amerikanische Zugeständnisse. In den USA betont Vizepräsident JD Vance dagegen, die USA zielten vor allem auf das frühere Niveau beim Öl- und Gastransport ab. Ob daraus ein tragfähiger Mechanismus entsteht, gilt derzeit als offen.

Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus bleibt offenbar politisch festgefahren. Während Teheran und der Oman über konkrete Regeln für Schiffspassagen in der blockierten Meerenge sprechen, macht der Iran die US-Seite mit einem ganzen Maßnahmenpaket zur Voraussetzung. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, eine Einigung zwischen Iran und Oman sei zwar nahe, die USA müssten jedoch Zugeständnisse machen. Damit rückt ein Abkommen, das zunächst wie ein pragmatischer operativer Schritt zur Entlastung der Seeverkehrslage wirkte, wieder in den größeren Rahmen der Konfrontation zwischen den USA und dem Iran.
Im Zentrum stehen sechs Forderungen des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, die in einer Erklärung der iranischen Staatsmedien niedergelegt sind. Dazu zählt, dass die USA die Islamische Republik künftig nie wieder bedrohen sollen. Außerdem verlangt der Rat, dass Krieg gegen den Iran und dessen regionale Verbündete endgültig beendet wird, bevor die Straße von Hormus wieder als sichere und verlässliche Passage funktioniert. Weitere Punkte zielen auf die maritime Dimension: Die USA sollen die Seeblockade iranischer Häfen aufheben und ihre Streitkräfte aus dem Gebiet abziehen. Ergänzend nennt der Rat die vollständige Entschädigung des Iran für Kriegsschäden, die Aufhebung von Sanktionen sowie die bedingungslose Freigabe eingefrorener Vermögenswerte. Der Rat machte zudem deutlich, dass er von diesen Bedingungen nicht abweichen will und die USA ihr Verhalten tatsächlich ändern müssten.
Das Timing erhöht dabei den Druck auf die US-Strategie. US-Vizepräsident JD Vance stellte gegenüber Fox News in den Mittelpunkt, dass der Iran noch nicht alle Forderungen der amerikanischen Regierung erfüllt habe, auch wenn es zuletzt Fortschritte in den Gesprächen gegeben habe. Unmittelbar in Erinnerung bleibt zudem, dass US-Präsident Donald Trump vorige Woche nach eigenen Angaben eine bislang heftigste Welle von Angriffen auf den Iran abgesagt hat – kurz vor dem geplanten Start der Attacken, die die Blockade der Meerenge brechen sollten. In dieser Konstellation wird aus Teherans Forderungskatalog nicht nur eine Verhandlungsgrundlage, sondern auch ein politischer Prüfstein dafür, ob die USA bereit sind, ein separates Abkommen zur Schifffahrtsfreiheit ohne größere Gegenleistungen zu akzeptieren.
Technisch und operativ wäre eine funktionierende Lösung tatsächlich möglich, weil die Verhandlungen laut Darstellung des Iran nicht ausschließlich auf der US-Achse laufen. Teheran führt demnach Gespräche direkt mit dem Oman, einem Anrainerstaat auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs, um zu regeln, wie Schiffspassagen in der blockierten Meerenge organisiert werden sollen. Beide Seiten hatten signalisiert, eine Einigung sei nahe. Gleichzeitig steht das strukturelle Problem im Raum, dass die USA seit Monaten nicht in der Lage sind, die nach Kriegsbeginn im Februar erstmals geschlossene Meeresstraße wieder zu öffnen – weder durch militärische Gewalt noch durch diplomatischen Austausch. Die Straße von Hormus ist damit nicht nur ein geopolitisches Symbol, sondern ein operatives Nadelöhr für Lieferketten, in denen schon kleine Unsicherheiten die Kosten schnell nach oben treiben.
Für Washington beschreibt Vance das Ziel als Wiederherstellung des Vorkriegsniveaus beim Öl- und Gastransport. Laut seiner Darstellung hätten die Iraner dafür Zusagen gemacht und auch die Golfstaaten würden ein solches Vorgehen unterstützen. Allerdings kündigt Vance zugleich an, dass die USA nicht darauf vertrauen, womit im Hintergrund eine zentrale Frage bleibt: Wie wird Kontrolle über die Schifffahrt organisiert, ohne dass der Iran über einen Mechanismus faktisch maßgeblich bestimmen kann, welche Frachtschiffe passieren dürfen? Sollte ein solcher Hebel entstehen, wäre das aus US-Sicht nach monatelangen Angriffen ein strategischer Gewinn für Teheran – während die Gegenseite diese Position naturgemäß anders bewertet. In den USA verstärken zudem politische Nebenbedingungen den Handlungsdruck: Gestiegene Benzinpreise erhöhen den Druck auf Trump und sein Team, gerade weil der Unmut vieler Wähler angesichts der Zwischenwahlen zum US-Kongress in weniger als drei Monaten besonders sichtbar wird.
Historisch zeigt sich, warum dieser Streit so zäh ist. Vor dem Ende Februar begannen Kriegsschritte der USA und Israels gegen den Iran verlief die Schifffahrt zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman weitgehend ungestört, und rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wurde über die Straße von Hormus transportiert. Die Passage spielt außerdem eine Rolle für Flüssiggas sowie für Düngemittel, wodurch die Auswirkungen einer Blockade nicht nur den Energiemarkt betreffen, sondern auch nachgelagerte Industrien. Nach Kriegsbeginn brachte der Iran den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe nahezu zum Erliegen; die Folge waren sprunghaft steigende Weltmarktpreise für Öl und Gas. Genau deshalb wird eine rein technische Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs politisch schnell zu einer Frage der Glaubwürdigkeit und der Sicherheitsgarantien – denn jede Lösung muss das Risiko eines erneuten Eskalationszyklus berücksichtigen, nicht nur die nächsten Tage im Kalender.
Für Unternehmen und Betreiber von Transport- und Energieinfrastruktur ist die aktuelle Lage damit vor allem ein Planungsproblem mit geopolitischem Ursprung. Selbst wenn einzelne Gespräche auf operativer Ebene Fortschritte machen, entscheidet am Ende, ob sich die Staaten auf einen Mechanismus einigen, der in der Praxis funktioniert, ohne dass eine Seite wieder einseitig Druck aufbauen kann. Solange die USA die iranischen Bedingungen nicht als Ganzes akzeptieren und Teheran gleichzeitig die amerikanischen Zugeständnisse als nicht verhandelbar darstellt, bleibt die Straße von Hormus ein „Ja, aber“-Thema: Einigungschancen sind vorhanden, die Verhandlungshürden jedoch reichen weit über die reine Zoll- oder Routenfrage hinaus. Die nächsten Schritte in den Gesprächen mit dem Oman dürften deshalb weniger über formale Absichtserklärungen entscheiden als darüber, wie Kontrolle, Haftung und Sicherheit konkret ausgestaltet werden.
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