TEHERAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Iran dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Wiedereröffnung der Straße von Hormus und knüpft sie an sechs Bedingungen an, darunter das Ende von US-Drohungen und eine vollständige Aufhebung sämtlicher Sanktionen. Verhandlungen mit Oman über neue Schiffsrouten gelten laut iranischer Darstellung als weit fortgeschritten, doch eine automatische Entspannung folgt daraus nicht. Die USA versuchen derweil offenbar, das Vorkriegsniveau beim Öl- und Gastransport wiederherzustellen, bleiben aber bei ihren eigenen Voraussetzungen skeptisch. Im Hintergrund verschärft der Druck steigender Energiepreise die politische Lage in Washington.

Die Straße von Hormus ist derzeit weniger ein geplanter Durchgang als ein politischer Hebel. Während Teheran die Gespräche mit Oman über alternative Schiffsrouten in einer „Endphase“ sieht, dämpft die iranische Führung gleichzeitig die Erwartung, dass allein eine Einigung in diesem Nebenschauplatz auch die faktische Blockade unmittelbar aufhebt. Der Nationale Sicherheitsrat in Teheran verknüpft die Wiedereröffnung vielmehr mit Bedingungen, die weit über die maritime Logistik hinausreichen und in ihrer Gesamtheit auf ein umfassendes Krisenarrangement mit den USA zielen.
Der Nationale Sicherheitsrat wird im Iran als koordinierendes Gremium für Außen-, Verteidigungs-, Geheimdienst- und innere Sicherheitspolitik beschrieben und gilt als höchstes Entscheidungsgremium des Landes. Beschlüsse sollen erst dann wirksam werden, wenn der oberste Führer Modschtaba Chamenei sie bestätigt. In diesem Rahmen, in dem laut Quelle auch viele Hardliner sitzen, wird die Debatte um Hormus nicht als isoliertes Seeproblem behandelt, sondern als Teil einer größeren Sicherheits- und Verhandlungsarchitektur. Genau deshalb wirkt die aktuelle Forderungslage wie eine Rückkehr zu Grundlinien, die schon früher als Bedingungen für ein „dauerhaftes Abkommen“ mit den USA genannt worden seien.
Im Zentrum steht eine Liste von sechs iranischen Bedingungen, die die Wiedereröffnung der Meerenge faktisch an mehrere „Pakete“ koppeln: Erstens soll es ein Ende sämtlicher US-Drohungen gegen die Islamische Republik geben. Zweitens verlangt Teheran eine dauerhafte Einstellung des Krieges gegen den Iran und dessen Verbündete in der Region. Drittens fordert der Iran, die Seeblockade iranischer Häfen aufzuheben und außerdem US-Streitkräfte aus der Region abzuziehen. Viertens soll es eine vollständige finanzielle Entschädigung für Kriegsschäden geben, fünftens verlangt Teheran die vollständige Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran und sechstens eine bedingungslose Freigabe aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte.
Technisch und politisch ist dabei entscheidend, wie sich diese Punkte in einen Mechanismus übersetzen lassen, der tatsächlich die Schifffahrt reguliert. Laut iranischem Außenminister Abbas Araghtschi laufen die Gespräche mit Oman über neue Schiffsrouten in der Endphase, allerdings hängt eine Wiedereröffnung weiterhin von Bedingungen ab, die über Vermittler an die USA übermittelt worden seien. Direkte Verhandlungen mit der US-Regierung finden nach Araghtschis Darstellung derzeit nicht statt. Diese Trennung – Route und Vermittlung einerseits, US-Zustimmung andererseits – macht die Situation für Reedereien und Marktteilnehmer besonders schwer planbar, weil „Verhandlung“ nicht gleich „Durchfahrt“ bedeutet.
Auf US-Seite wird der Ton der Kommunikation widersprüchlich wahrgenommen. US-Vizepräsident JD Vance vermittelte in einem Interview mit Fox News den Eindruck, die USA seien als Akteur in den Gesprächen zwischen dem Iran und Oman eingebunden; er sagte wörtlich: „We are in the middle of it.“ Die eigentliche Kernfrage benannte er anschließend ebenfalls direkt: „The question is whether they – whether their system – is capable of giving us what we need in order to be happy.“ Gleichzeitig heißt es aus der Darstellung der Quelle, dass die USA diese Forderungen nicht akzeptieren würden und Teheran damit eine Eskalationsspirale anstoßen könnte, die in Washington zuvor bereits geprüft und kurzzeitig zurückgestellt worden sei. Trump habe vergangene Woche eine nach seinen Angaben „heftigste“ Welle von Angriffen abgesagt – kurz vor dem Start geplanter Attacken, mit denen die Blockade gebrochen werden sollte.
Dass Hormus nicht nur symbolisch, sondern strategisch wirkt, liegt an den wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Vor Beginn des Krieges im Februar sei die Schifffahrt zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman weitgehend ungestört gewesen; der Anteil am globalen Ölbedarf, der über die Meerenge transportiert wurde, wird in der Quelle mit rund einem Fünftel beziffert. Auch Flüssiggas und Düngemittel gelten als zentrale Güter, die über Hormus laufen. Nach Kriegsbeginn habe der Iran den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe weitgehend zum Erliegen gebracht, was die Weltmarktpreise für Öl und Gas sprunghaft steigen ließ. In den USA sorgt insbesondere der Anstieg der Benzinpreise für politischen Druck auf Präsident Trump und sein Team; der Unmut vieler Wähler komme aus Sicht der Quelle für die Republikaner in weniger als drei Monaten vor den Zwischenwahlen „äußerst ungelegen“.
Die eigentliche Gretchenfrage bleibt damit: Akzeptieren die USA einen Status quo, der Teheran einen maßgeblichen Einfluss auf die Kontrolle der Schifffahrt in der Meerenge einräumt? Laut Vance ist das Ziel, bei Öl- und Gastransport „wieder das Vorkriegsniveau“ herzustellen. Dafür müsse das iranische Versprechen und die Bereitschaft der Golfstaaten „passen“, dennoch wird in der Darstellung gleichzeitig betont, dass die USA darauf nicht vertrauen. Iran-Experten bewerten die sechs Forderungen entsprechend als strategische Verhandlungsposition: Der US-Nahostexperte Aaron David Miller erklärt auf X, der Iran habe „alle Trümpfe“ und es sei nicht eilig, diese auszuspielen; der Prozess werde mit Oman als Partner entschieden, „wie und wann“ eine neue Schifffahrtsordnung entsteht. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz sieht in der Forderungsliste eine Zuspitzung der Entscheidungslage für Washington: „Entweder akzeptiert sie einen wesentlichen Teil der Bedingungen Teherans, um die Krise zu beenden, oder sie eskaliert die Lage militärisch … ohne die Garantie, dass zusätzlicher Druck den Iran zur Kapitulation zwingen …“ Der Iran-Experte Raz Zimmt betont parallel, Teheran werde einer Umsetzung der mit Oman getroffenen Maßnahmen nicht zustimmen, solange die USA nicht wieder ihren Verpflichtungen aus einem Rahmenabkommen nachkommen, darunter die Aufhebung der Seeblockade und die Wiederaufnahme eines Prozesses zur Aufhebung von Sanktionen.
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