LONDON (IT BOLTWISE) – Forschende haben aus Mumien-Überresten in Nordchile zwei Pockeninfektionen rekonstruiert. Die genetische Signatur der Erreger passt zwischen europäische Stämme aus dem Mittelalter und späteren Varianten. Damit entsteht das bislang stärkste molekulare Bild dafür, wie der Erreger über Kolonisationswege in abgelegene Populationen gelangte. Die Studie wirft zugleich neue Fragen auf, über welchen konkreten Mechanismus und welche Region die Ausbreitung so weit südlich erfolgen konnte.

Die Geschichte der Pocken in den Amerikas bekommt eine neue, harte Grundlage: Aus alten menschlichen Überresten in Nordchile lassen sich nach Angaben der Forschenden genetische Spuren von zwei Pockeninfektionen direkt rekonstruieren. Das Besondere ist dabei weniger die Tatsache, dass das Virus im Zuge der europäischen Expansion auftrat, sondern der molekulare Nachweis, wie eng diese Erregerlinie mit dem aus Europa bekannten Erregermuster verwoben ist. Wer sich mit Infektionsgeschichte beschäftigt, weiß: Einfache historische Quellen zeigen den Effekt, aber nicht zuverlässig den Weg auf der Ebene des Erregers. Genau hier setzt die Analyse von Ancient DNA an, also DNA-Sequenzen, die trotz Alter und Umwelteinflüssen in Knochenfragmenten erhalten geblieben sind.
Für die Studie untersuchten die Autorinnen und Autoren 13 zuvor gesammelte Knochenproben aus einem archäologischen Fundort namens Camarones im Norden Chiles. In den Fragmenten des Beins eines erwachsenen Mannes und einer erwachsenen Frau fanden sie genetische Hinweise auf zwei einzelne Infektionsereignisse. Datierungsrahmen und Kontext lassen darauf schließen, dass die Betroffenen im Zeitraum zwischen 1492 und 1631 starben. Technisch entscheidend ist, wie die Forschenden die Sequenzen einordneten: Sie verglichen die genetischen Merkmale der rekonstruierten Pockenvarianten mit anderen bekannten Varianten und positionierten die chilenischen Funde in einer Linie, die zwischen europäischen Stämmen aus mittelalterlichen Phasen und späteren Varianten liegt. Das unterstützt die Kernaussage, dass die in den Amerikas auftretenden Stämme zunächst aus Europa heraus evolvierten und sich anschließend an die neuen Wirte und Regionen anpassten.
Damit wird eine zentrale Lücke zwischen Chronik und Molekularbiologie geschlossen. Vor der Pocken-Eindämmung durch Impfprogramme waren Pocken historisch zu den tödlichsten Krankheiten überhaupt gezählt: Es heißt, dass ungefähr ein Drittel der Infizierten starb und selbst Überlebende häufig tiefe, teils entstellende Narben behielten. Auch für Europa und große Teile Asiens werden wiederkehrende Ausbrüche als typische Dynamik beschrieben, während die Ausbreitung über den Atlantik in den Amerikas dann in Kolonialschriften, Verwaltungsakten und Berichten von Missionierenden dokumentiert wurde. Neu ist nun, dass diese Erzählung nicht nur auf Beobachtungen von Menschen beruht, sondern auf genetischer Evidenz. Genetiker Shigeki Nakagome von Trinity College Dublin ordnet die Ergebnisse entsprechend als stärksten genetischen Zusammenhang zwischen den überlieferten Erregern in der „Neuen Welt“ und dem Virus in Europa außerhalb der Amerikas ein.
Gleichzeitig bleibt der konkrete „Zustrom“ des Virus offen. Die Forschenden nennen keine exakte Population, die die Einführung aus dem Alten Kontinent in die Amerikas unmittelbar verantwortet haben könnte. Historisch betrachtet kamen Europäer in mehreren Wellen: Christopher Columbus‘ Fahrt in die Karibik gilt als Ausgangspunkt für eine frühe Phase ab 1492, während Amerigo Vespucci entlang der südamerikanischen Küste etwa ein Jahrzehnt später eine zweite Etappe widerspiegelt. Ebenso wird als mögliche Übertragungsroute diskutiert, ob eine Verbreitung über Afrika im Kontext des Sklavenhandels eine Rolle spielte. Gerade dieser Punkt ist relevant, weil die beiden Infektionsnachweise aus einer Region stammen, in der es nach den Angaben der Studie zuvor keinen dokumentierten Pockenverlauf gegeben habe. Daraus entstehen neue Hypothesen: Eine Ausbreitung könnte sich auch über indigene Handels- und Kontaktnetzwerke entwickelt haben, die bereits vor dem Eintreffen der Europäer existierten.
Für das Fachpublikum ist außerdem interessant, wie klar die Studie die biologische Dimension des Kolonisationsschadens betont. Die Koautorin Constanza de la Fuente Castro, biologische Anthropologin an der University of Chile, stellt die Entwicklung als mehr als nur kulturelle oder demografische Verschiebung dar: Sie sieht „literale“ Spuren in biologischen Befunden, die man bis heute rekonstruieren könne. Patricia Foster, Biologin an der Indiana University, ordnet die Ergebnisse entsprechend als endgültige Bestätigung dafür, dass Pocken aus der Kolonisation in diese Hemisphäre gelangt seien. Unabhängig davon, welche Route im Detail die Einführung begleitete, lässt sich aus der Genetik ableiten, dass das Virus bereits früh in neue Strukturen gelangte und sich dort weiterentwickelte.
Über den historischen Kern hinaus hat die Arbeit auch eine praktische Relevanz für die moderne Forschungspraxis. Wenn sich Erregersignaturen aus Knochenfragmenten so belastbar einordnen lassen, steigt der Wert vergleichbarer Archivmaterialien in Museen und Sammlungen: Für Pandemien und Seuchendynamiken der Vergangenheit kann das die Rekonstruktion von Ausbreitungsmustern verfeinern. Gleichzeitig wird klar, warum Methoden der Genetik, der Datenanalyse und des sorgfältigen Kontaminationsschutzes in solchen Projekten so wichtig sind. Selbst wenn Künstliche Intelligenz (KI) als Werkzeug in diesem konkreten Bericht nicht im Vordergrund steht, profitieren ähnliche Ansätze in der Paläogenomik häufig von KI-gestützter Mustererkennung in Sequenzdaten oder bei der Qualitätsbewertung von DNA-Fragmenten. In diesem Fall liegt der unmittelbare Mehrwert jedoch in der genetischen Kette: von der Mumienprobe bis zur Einordnung zwischen europäischen Linien – und damit zur Erklärung, wie tiefgreifend und wie früh Pocken die Gesellschaften in den Amerikas trafen.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Mumien-DNA in Chile liefert genetische Belege: Pocken kamen mit der Kolonisation in die Amerikas" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Mumien-DNA in Chile liefert genetische Belege: Pocken kamen mit der Kolonisation in die Amerikas" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Mumien-DNA in Chile liefert genetische Belege: Pocken kamen mit der Kolonisation in die Amerikas« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!