LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Sicherheitsforscher hat eine Prompt-Injection-Schwachstelle in Microsoft Copilot für Word beschrieben, die die automatische Verbreitung eines „KI-Wurms“ über Dokumente ermöglichen kann. Der Auslöser steckt dem Bericht zufolge im versteckten Text innerhalb von Word-Dateien. Weil Copilot tief in die Microsoft-Ökosysteme eingebunden ist, können sich die schädlichen Anweisungen nicht auf eine einzige Datei beschränken. Microsoft hat laut Angaben ab Ende Juli 2026 partielle Mitigationen umgesetzt, die das grundlegende Risiko aber noch nicht vollständig schließen.

Microsoft Copilot: KI-Wurm verbreitet sich automatisch in Word-Dokumenten
Microsoft Copilot: KI-Wurm verbreitet sich automatisch in Word-Dokumenten (Foto: IT BOLTWISE)
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Microsofts Copilot für Word rückt damit in den Fokus einer Sicherheitsdebatte, die inzwischen weit über einzelne „Zero-Days“ hinausgeht: Es geht um Prompt Injection als Angriffsmuster, das nicht nur Antworten verfälschen soll, sondern zunehmend als automatisierbarer Mechanismus gedacht wird. Der Sicherheitsforscher Håkon Måløy beschreibt eine Schwachstelle, bei der manipulierte Inhalte in Word die KI dazu bringen können, bösartige Anweisungen auszuführen. Besonders brisant ist dabei die Kombination aus zwei Faktoren: Copilot ist direkt in einen Arbeitsprozess integriert, und Word-Dokumente sind typischerweise in ganzen Organisations-Ökosystemen verlinkt, geteilt und weitergeleitet.

Die technische Idee hinter dem berichteten „KI-Wurm“ basiert nach Måløys Darstellung auf verstecktem Text innerhalb von Word-Dokumenten. Dieser Text soll für Menschen im Dokument nicht ohne Weiteres sichtbar sein, aber vom KI-System als Steuerinformation erkannt werden. Sobald Copilot im Kontext des Dokuments arbeitet oder auf ein solches Dokument referenziert wird, können die vom Dokument „mitgelieferten“ Anweisungen angestoßen werden. Damit verschiebt sich das Risiko von klassischen Datei- oder Makroinfektionen hin zu einem Modell, das über semantische Eingaben und interne KI-Kontextlogik wirkt.

In der beschriebenen Bedrohungslage ist die Ausbreitungsfähigkeit ein Kernpunkt. Weil Copilot tief in die Microsoft-Umgebung eingebunden ist, könne sich ein Angriff nicht nur auf das Ursprungsdokument konzentrieren. Stattdessen nennt der Bericht zentrale Dienste und Kommunikationskanäle wie SharePoint, Teams, OneDrive sowie den E-Mail-Verkehr als potenzielle Stationen für die weitere Verbreitung. Entscheidend ist außerdem die niedrige Hürde für den Einstieg: Laut Darstellung genügt es, wenn ein Nutzer ein präpariertes Dokument öffnet oder Copilot auf ein solches Dokument anwendet. Zusätzliche Systemzugriffe oder administrative Rechte werden in der Schilderung nicht als Voraussetzung genannt.

Für Sicherheitsverantwortliche verändert das die Prioritäten bei Schutzarchitekturen. Herkömmliche Kontrollen wie E-Mail-Filtering oder klassische DLP-Regeln greifen häufig dort am besten, wo Daten als „harmlos“ oder „gefährlich“ identifizierbar sind. Prompt Injection bewegt dagegen den Fokus auf den Inhalt als Kontextsignal: Selbst wenn Malware-Signaturen fehlen, kann ein Dokument mit sorgfältig konstruiertem Text eine KI-Antwort in die falsche Richtung lenken. Hinzu kommt, dass KI-Funktionen in produktiven Tools weniger als isolierte „Agenten“, sondern als Assistenzschicht in realen Workflows auftreten. Der Angriff versucht damit, die Interaktion zwischen Text, Retrieval und dem Antwort-/Aktionsprozess auszunutzen.

Der Zeitverlauf zeigt, wie komplex solche Fälle in der Praxis werden. Die Schwachstelle soll bereits im Frühjahr identifiziert worden sein; Måløy meldete sie im März 2026 an Microsoft. Die öffentliche Bekanntgabe der Details erfolgte danach nach einer Frist von 144 Tagen, in der laut Bericht Experten die Tragweite untersuchten. Microsoft bestätigte demnach die Existenz des KI-Wurms, der sich über Word-Dokumente und Copilot-Funktionen verbreiten kann, und gab an, ab Ende Juli 2026 partielle Mitigationen („Mitigationen“) zur Risikominimierung implementiert zu haben. Diese Maßnahmen sollen die Ausbreitung erschweren, lösen nach aktuellem Stand aber nicht das zugrunde liegende Problem der Prompt-Injection-Anfälligkeit im Zusammenspiel zwischen Word und dem KI-Assistenten.

Besonders angespannt bleibt die Lage durch die Persistenz auf Modell-Ebene: Laut Angaben soll die vollständige Angriffskette auf der Modellversion GPT-5.6 weiterhin ausnutzbar sein. Das ist deshalb relevant, weil es die Annahme widerlegt, reine „Abschirmungen“ im Produkt könnten solche Klassen von Angriffen vollständig neutralisieren. Wenn ein Angriffspfad auch auf einer konkret benannten Modellversion wirksam bleibt, müssen Unternehmen ihre Schutzstrategie stärker als mehrschichtiges Gesamtsystem denken: nicht nur innerhalb der Prompt-/Antwort-Logik, sondern auch in der Dokumentenverarbeitung, bei Kontextweitergabe, bei Berechtigungen und bei Monitoring für ungewöhnliche KI-Aktionen.

Aus Marktsicht ist die Nachricht ein weiterer Hinweis darauf, dass KI-Integration in Office- und Kollaborationsplattformen zunehmend ein Sicherheitsprogramm braucht, das mit der Dynamik von KI-Funktionen Schritt hält. Der Bericht stellt zudem den Bezug zum EU AI Act her und ordnet die technische Schwachstelle in den größeren Rahmen gesetzlicher Anforderungen ein, darunter Risikoklassen, Übergangsfristen und Dokumentationspflichten. Für die Praxis bedeutet das: Teams, die KI-Systeme einsetzen, sollten ihre Governance so auslegen, dass Prompt Injection als realistisches Bedrohungsmodell abgedeckt ist – inklusive dokumentierter Maßnahmen, nachvollziehbarer Risikobewertung und klarer Regeln, wie mit Dokumenten aus unsicheren Quellen umzugehen ist. Bis die Lücke im konkreten Zusammenspiel vollständig geschlossen ist, bleibt die zentrale Handlungsanweisung aus dem Bericht recht klar: Vorsicht bei ungeprüften Dokumenten und konsequentes Containment der KI-Fähigkeiten, bevor Copilot Aktionen oder Folgeprozesse über mehrere Dienste hinweg anstoßen kann.


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