LONDON (IT BOLTWISE) – Aixtron meldet für das zweite Quartal einen Auftragseingang von 214,5 Millionen Euro und damit 81 % mehr als im Vorjahr. Der Schub kommt vor allem aus der Optoelektronik: Rund 161 Millionen Euro entfallen auf Laserkomponenten, die zunehmend in Rechenzentren für KI verbaut werden. Gleichzeitig bleibt das klassische Leistungselektronikgeschäft laut Bericht herausfordernd, was den Umsatz kurzfristig belastet. Das Management bestätigt die Jahresguidance, verweist aber für den operativen Verlauf auf Einschränkungen beim Produktionshochlauf.

Der jüngste Quartalsbericht von Aixtron zeigt, wie stark sich die Nachfrage innerhalb der Chipindustrie aktuell verschiebt: Während die Optoelektronik-Sparte einen klaren Rückenwind liefert, bleibt das klassische Leistungselektronikgeschäft weiter unter Druck. Im zweiten Quartal erreichte das Unternehmen einen Auftragseingang von 214,5 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 81 % gegenüber dem Vorjahr. Der Markt honorierte das deutlich: Die Aktie stieg am Freitag um 2,97 % auf 40,19 Euro und hatte zuvor in den letzten 30 Tagen rund 8,3 % nachgegeben. Damit liegt das Papier weiterhin gut 36 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 62,68 Euro, das Mitte Juni erreicht wurde.
Technisch und vor allem anwendungsnah wird der Unterschied sichtbar, wenn man die Auftragsstruktur betrachtet. Etwa drei Viertel des neuen Auftragseingangs – umgerechnet rund 161 Millionen Euro – entfallen auf Laserkomponenten. In der Darstellung des Unternehmens ist das ein direkter Effekt der KI-Nachfrage, weil diese Bauteile zunehmend in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz verbaut werden. Genau diese Kopplung zwischen Hochleistungsrechenzentren und optischen/laserbasierten Fertigungs- oder Prozessschritten erklärt auch, warum der Optik-Trend in Analystenkommentaren bereits als möglicher nächster Wachstumstreiber nach dem Speicherchip-Geschäft diskutiert wird.
Operativ folgt daraus eine gemischte Bildlage: Zwar steigt der Auftragsbestand spürbar, doch der Umsatz fiel im gleichen Zeitraum um 16 % auf 115,1 Millionen Euro. Der Auftragsbestand wuchs binnen eines Quartals um 61 % auf knapp 457 Millionen Euro – ein Signal, dass die Nachfrage zwar vorhanden ist, sich die Umsetzung aber in den nächsten Perioden verstärkt materialisieren muss. Beim Thema Guidance bleibt das Unternehmen dennoch auf Kurs: Für 2026 erwartet Aixtron einen Umsatz von 560 Millionen Euro plus/minus 30 Millionen Euro und eine EBIT-Marge zwischen 17 und 20 %. Für das dritte Quartal nennt das Management 180 Millionen Euro plus/minus 20 Millionen Euro, im vierten Quartal soll die Marke von 200 Millionen Euro überschritten werden.
Bemerkenswert ist dabei die Priorisierung der Risiken: Als Hauptherausforderung für die kommenden Monate nennt der CEO weniger die Nachfrage selbst, sondern Beschränkungen beim Produktionshochlauf. Das ist für Anleger und Industriebeobachter ein zentraler Punkt, denn viele Engpässe in der Equipment- und Anlagenindustrie entstehen nicht nur durch Materialverfügbarkeit, sondern durch abgestimmte Kapazitäten in Fertigung, Test, Qualifizierung und Logistik. Gleichzeitig liegt die finanzielle Ausgangsbasis laut Bericht solide: Der freie Cashflow im ersten Halbjahr betrug 162 Millionen Euro, ein Anstieg um 91 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Nettofinanzmittel stiegen zum 30. Juni auf 467 Millionen Euro, gestützt durch den starken Cashflow; eine Wandelanleihe hatte einen Nettoeffekt, teilweise gegenläufig zur Dividendenzahlung von 17 Millionen Euro. Die Gesamtliquidität inklusive Zahlungsmitteln, Einlagen und Investitionen summierte sich auf 816 Millionen Euro.
Während die Optoelektronik-Sparte die Stimmung dominiert, bleibt die zweite Säule des Geschäfts vorerst die Bremse. Für Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Leistungshalbleiter war der Markt im ersten Halbjahr herausfordernd; die Kundenauslastung steigt zwar allmählich, ein klarer Wendepunkt zur vollständigen Markterholung fehlt laut Darstellung aber. Auch die Nachfrage nach LED- und Micro-LED-Anlagen blieb schwach. Aixtron setzt dennoch auf Kontinuität: Das Unternehmen fährt Entwicklungsarbeiten für einen möglichen Hochlauf ab 2027 fort. Damit ein späterer Aufschwung nicht an Kapazitäten scheitert, baut Aixtron zudem eine Fertigungsanlage in Penang, Malaysia – dafür sind rund 40 Millionen Euro als Investition für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen, erste Systemauslieferungen sollen bis Ende 2027 folgen.
Die Börsenreaktion zeigt, dass der Markt zwar den Auftragsschub honoriert, aber kurzfristig weiter Differenzierungen einpreist. Analystische Einschätzungen fielen unterschiedlich aus: Eine Bank senkte das Kursziel von 70 auf 60 Euro und beließ das Rating auf „Kaufen“, während andere Institute ihre Einstufungen mit „Hold“ bestätigten. Genau diese Spannweite wirkt wie ein Abbild dessen, was in den Kennzahlen steckt: Der starke Auftragseingang und der wachsende Auftragsbestand stehen einem Umsatzrückgang und der Schwäche in der Leistungselektronik gegenüber. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie trotz des jüngsten Rückschlags noch mit 132,25 % im Plus – der nächste Belastungstest kommt jedoch mit den Quartalszahlen zum dritten Quartal, die für den 29. Oktober angesetzt sind.
Für Unternehmen und Entwickler in der KI-Lieferkette lässt sich daraus eine praktische Schlussfolgerung ableiten: Die Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz wirkt sich bei Bauteilen und Anlagen zunehmend über konkrete Optik- und Laser-Komponenten aus, nicht nur über reine Rechenleistung. Entscheidend wird jetzt, ob Aixtron den Produktionshochlauf wie geplant stabilisieren kann, damit aus dem Auftragsbestand auch belastbare Umsatzbeiträge werden. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie schnell sich das Leistungselektronikgeschäft erholt und ob die temporäre Schwäche durch den Optoelektronik-Zyklus weiterhin kompensiert wird. Bis zu den Zahlen zum dritten Quartal dürfte daher weniger die absolute Wachstumsstory im Fokus stehen als der Rollout-Takt zwischen Auftrag, Fertigungskapazität und Auslieferungen.
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