LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland wächst die Zahl der privat genutzten E-Scooter deutlich: von 1,01 Millionen auf 1,34 Millionen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Leih-Scooter von 331.000 auf 300.000. Der GDV meldet 16.496 Unfälle mit Verletzten im Jahr 2025 und nennt eine höhere Schadenhäufigkeit bei Mietgeräten. Versicherer und Unfallforschung fordern deshalb klarere Regeln, besseres Training und konsequentere Kontrollen.

Mehr Privat-E-Scooter, mehr Unfälle: GDV warnt vor steigenden Risiken
Mehr Privat-E-Scooter, mehr Unfälle: GDV warnt vor steigenden Risiken (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Entwicklung wirkt auf den ersten Blick wie ein reines Wachstums-Signal für die Mikromobilität. Tatsächlich verschiebt sich der Schwerpunkt in Deutschland jedoch spürbar: Laut GDV stieg die Zahl der privat genutzten E-Scooter von 1,01 Millionen auf 1,34 Millionen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 320.000 gegenüber dem Vorjahr und ist damit nicht nur größer als der Anstieg in den letzten Jahren, sondern auch in der Zusammensetzung entscheidend. Leih-Scooter dagegen verlieren an Gewicht: Von 331.000 geht die Zahl auf 300.000 zurück. Für die Planung in Städten und für Betreiber bedeutet das eine veränderte Verkehrsrealität – mehr Fahrzeuge im individuellen Nutzungskontext, weniger im klassischen Sharing-Modell.

Diese Verschiebung spiegelt sich auch in den Risiken, die Versicherer aus den Schadendaten ableiten. Grundsätzlich müssen E-Scooter, die im Straßenverkehr eingesetzt werden, versichert sein – die GDV-Position ergänzt dabei aber eine für die Praxis relevante Nebenrealität: Die tatsächlich vorhandene Zahl könnte höher sein als die gemeldeten Bestände, weil teils in Kellern abgestellt wird oder trotz Pflicht nicht versichert ist. Bei allem Zahlenmaterial bleibt damit ein wichtiger Messpunkt offen: Wie sich Fahrleistung und Verteilung über Nutzergruppen zueinander verhalten, lässt sich nicht direkt aus den Versicherungsdaten ablesen. Trotzdem liefern die absoluten Werte und Kennziffern einen klaren Hinweis darauf, dass die steigende Nutzung nicht folgenlos bleibt.

Bei den Unfallzahlen nennt der GDV für 2025 insgesamt 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten, darunter 38 Tote. Im Vergleich dazu standen 2022 noch 8.341 Unfälle mit Personenschaden. Damit hat sich die Größenordnung der Verletzungsereignisse nahezu verdoppelt – ein Befund, der für kommunale Sicherheitskonzepte, aber auch für das Risikomodell in der Haftpflichtversicherung relevant ist. Denn Unfälle sind nicht nur eine statistische Kategorie; sie beeinflussen unmittelbar die Prämienlogik, die Schadenreserve und damit die Bereitschaft von Versicherern, Tarife stabil und zugleich fair zu kalkulieren. Der GDV berichtet zudem von 11.700 Haftpflichtschäden im vergangenen Jahr mit E-Scootern.

Besonders aufschlussreich ist die Differenz nach Nutzungstyp: Die Schadenhäufigkeit sei bei Mietgeräten mehr als doppelt so hoch wie bei privaten. Konkret nennt der GDV 13 Schäden pro 1.000 versicherten Mietgeräten gegenüber 6 Schäden pro 1.000 versicherten Privatgeräten. Unklar bleibt dabei laut Quelle, ob Mietgeräte insgesamt mehr oder weniger gefahren werden als Privatgeräte – und genau diese Lücke erklärt, warum reine Quoten ohne Fahrleistungsdaten immer vorsichtig interpretiert werden müssen. Dennoch lässt sich daraus eine praktische Schlussfolgerung ableiten: Nicht nur die Anzahl der Roller, sondern auch das Nutzerverhalten, die Vertrautheit mit dem Gefährt und die Nutzungssituation prägen das Unfallbild. Die Leiterin der Unfallforschung im GDV, Kirstin Zeidler, verweist dabei auf Unterschiede: „Nutzer eigener Scooter fahren in der Regel viel, tragen eher Helm und sind seltener auf Gehwegen unterwegs“, sagt sie.

Für die Prävention fordert der GDV Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Verleiher sollten demnach deutlicher gegen Verstöße vorgehen – etwa gegen Trunkenheitsfahrten, das Mitführen mehrerer Personen auf einem Roller oder das Fahren auf Gehwegen. Gleichzeitig sieht der GDV Handlungsbedarf in der Wissensbasis künftiger Fahrerinnen und Fahrer: Weiterführende Schulen sollten Regeln vermitteln, weil vielen offenbar nicht bewusst sei, dass unter 21 Jahren auf dem E-Scooter Alkoholverbot gilt. Der technische Hintergrund dahinter ist simpel, aber entscheidend: Sobald Sensibilität für Tempo, Verkehrsraum und Ampel-/Signalregeln fehlt, steigt die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Situationen. In diesem Sinne passt auch die Einordnung der GDV-Vertreterin: „Mit der wachsenden Zahl der Fahrzeuge steigt aber auch die Bedeutung klarer Regeln und eines rücksichtsvollen Miteinanders im Straßenverkehr“, betont Anja Käfer-Rohrbach.

Auf Branchenebene verschiebt sich dadurch auch die Priorität bei Produkt- und Service-Entscheidungen. Sharing-Anbieter stehen vor der Aufgabe, Nutzungsregeln stärker in den Betriebsalltag zu integrieren – beispielsweise durch konsequentere Durchsetzung im Onboarding, bessere Hinweise in der App und wirksamere Sanktionen bei wiederholten Regelverstößen. Privatanwender brauchen dagegen weniger „Regel-Discovery“ im Sinne eines einmaligen Lernmoments, sondern vor allem sichere Routinen und gut verständliche Informationen zu Risiken. Für Kommunen heißt das: Wenn der Bestand stärker von privaten Rollern geprägt wird, reicht es nicht, nur Sharing-Flotten im Blick zu haben. Verkehrssicherheit wird dann zu einer Querschnittsaufgabe, die sowohl Versicherungsdaten als auch lokale Infrastruktur-Entscheidungen zusammenbringen muss – damit die Zahl der Verletzten nicht weiter mit der Nutzungsentwicklung Schritt hält.


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