BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland sind 2025 deutlich weniger versicherte Blitzschäden angefallen. Der GDV beziffert 180.000 gemeldete Fälle und nennt dabei einen Rückgang von 40.000 gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die Schadenssumme insgesamt gesunken, pro einzelner Meldung zahlen die Versicherer jedoch mehr. Als Hauptgrund gilt das extrem blitzarme Wetter, während der Blick Richtung Gewittersaison 2026 wieder vorsichtiger wird.

Wer in der Versicherungsbranche vergangenes Jahr mit Naturereignissen kalkulierte, bekam eine ungewöhnlich klare Botschaft: Das Gewittergeschehen fiel in Deutschland deutlich schwächer aus. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) meldet für 2025 insgesamt 180.000 versicherte Schäden durch Blitze. Das sind 40.000 weniger als im Vorjahr. Für die Schadenstatistik heißt das weniger Ereignisse, aber nicht automatisch weniger wirtschaftliche Relevanz, denn die Komplexität einzelner Schäden und die Kostenstruktur im Gebäudebestand schlagen weiterhin durch.
Die Zahlen zur Geldsumme folgen diesem Muster. Laut GDV zahlten die Versicherer 2025 insgesamt 310 Millionen Euro, damit 30 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Entscheidend ist jedoch die Verschiebung innerhalb der Verteilung: Während die Zahl der Fälle sank, stieg die Durchschnittsbelastung. Jeder einzelne Schaden kostete rund 1.760 Euro und lag damit etwa elf Prozent über dem Vorjahreswert. Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, ordnet das als erneuten Höchstwert ein; zugleich verweist er darauf, dass diese Entwicklung „seit einigen Jahren“ anhält. Hinter der Logik steht weniger nur die Anzahl der Blitze, sondern vor allem die Art, wie moderne Gebäude und Technik im Schadensfall betroffen sind.
Technisch betrachtet wirkt hier eine Mischung aus physikalischen Effekten und dem geänderten Setup in Haushalten, Unternehmen und Wohnanlagen. Blitzschäden entstehen laut GDV nicht allein durch den direkten Einschlag, der klassische Schäden wie zerstörte Dachflächen, Risse im Mauerwerk oder Schäden am Schornstein verursacht. Ebenso relevant sind Überspannungen im Stromnetz: Ein Blitzereignis kann kurzzeitig hohe Spannungen erzeugen, die über Leitungen hinweg Geräte erreichen, selbst wenn der Einschlag nicht „am Gebäude“ erfolgt. In der Praxis verschmoren so zum Beispiel Steckdosen, beschädigen Elektrogeräte wie Computer oder Telefonanlagen und treffen auch moderne Haustechnik. Genau diese Fehlerbilder lassen sich heute häufiger in Systemen beobachten, in denen immer mehr Elektronik, Steuerungen und vernetzte Komponenten im Alltag ohnehin „online“ sind.
Dass 2025 insgesamt weniger Fälle entstanden, führt der GDV auf Wetterbedingungen zurück. Das Jahr sei extrem blitzarm gewesen. Als Grundlage nennt der Verband die Zählungen eines Informationsdienstes mit Sitz in Österreich: Aldis/Blids erfasste in ganz Deutschland nur 99.930 Erdblitze. Das waren nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr. In der Erklärung tauchen Wetterfaktoren auf, die Meteorologen seit Langem für die Gewitterentstehung verknüpfen: Gewitter bilden sich besonders oft, wenn es warm und feucht ist. Laut den Einordnungen rund um die Messdaten gab es 2025 zudem häufig Trockenphasen und teils auch eher kühlere Phasen, was den „Nährboden“ für Gewitter verringert.
Gerade die Kombination aus weniger Erdblitzen und dennoch teurerer Schadenshöhe pro Fall ist für Risiko- und Underwriting-Teams relevant. Denn die Durchschnittskosten steigen nicht zwangsläufig, wenn die meteorologische Aktivität sinkt; sie steigen dann, wenn die Schäden, die überhaupt auftreten, häufiger bestimmte Teilsysteme treffen. Ein Gebäudebestand mit hochwertiger und technisch modernisierter Ausstattung verschiebt die Schadenlandschaft: Wo früher etwa klassische Elektroinstallationen dominierten, werden heute häufiger empfindliche Komponenten involviert. Das kann die Reparatur- und Ersatzkosten erhöhen, die Zeit bis zur Wiederinbetriebnahme verlängern und auch Folgeschäden begünstigen, wenn Elektronik oder Steuerungen erst beim späteren Diagnoseprozess als betroffen erkannt wird.
Für das laufende Jahr bleibt die Lage deshalb ambivalent. Der GDV verweist auf die Möglichkeit, dass 2026 wieder mehr Blitzschäden bringen könnte. Aldis/Blids-Zahlen zufolge habe es bereits gut 101.000-mal eingeschlagen – und zwar häufiger als im gesamten Jahr 2025. Zusätzlich zeigt der Kalender der Gewittersaison eine weitere Dimension der Planbarkeit: Die Saison zieht sich typischerweise bis in den September hinein, sodass der Trend in den Sommermonaten noch kippen kann. Für Versicherer bedeutet das weniger „Entwarnung“ auf Basis eines einzelnen Jahreswerts, sondern eher eine kontinuierliche Aktualisierung der Annahmen für Häufigkeit und Kostenprofil.
Unternehmen und Privatkunden können aus dieser Gemengelage praktische Schlüsse ziehen, auch wenn sich Versicherungszahlen nicht 1:1 in eigene Schutzmaßnahmen übersetzen lassen. Entscheidend ist, die Differenz zwischen direktem Einschlag und Überspannungseffekten ernst zu nehmen: Überspannungen können durch das Stromnetz durchgreifen, sodass nicht nur äußere Schutzmaßnahmen, sondern auch interne Schutzkonzepte zählen. In der Gebäude- und Anlagenpraxis geht es dabei häufig um Maßnahmen, die empfindliche Elektronik von kurzfristigen Spannungsspitzen entkoppeln, um die korrekte Dimensionierung und um eine konsequente Dokumentation der Schutztechnik. Genau diese Punkte sind in modernen Installationen besonders wichtig, weil die „Schadensfläche“ größer wird, wenn mehr Geräte und Steuerungsbausteine am Netz hängen.
Für die Branche bleibt 2025 damit ein gutes Beispiel dafür, wie Meteorologie, Technik und Kostenstrukturen zusammenwirken. Weniger Blitze senken zwar die Fallzahl, doch die Schadenkosten pro Ereignis können steigen, wenn moderne Gebäude mehr Elektronik enthalten und Blitzfolgen häufiger als Überspannungsereignisse sichtbar werden. Wer in Underwriting, Controlling oder Asset-Management arbeitet, sollte daher nicht nur die Ereignishäufigkeit beobachten, sondern auch die Veränderungen im Gebäudepool und die typische Schadensmechanik. Wenn die Gewittersaison 2026 ähnlich dynamisch ausfällt wie die bisherigen Messwerte zeigen, wird die nächste Schadenrunde wieder stärker davon abhängen, wie gut die Technik im Alltag Spitzenimpulse abfängt – und wie schnell betroffene Systeme wieder geprüft und wiederhergestellt werden.
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