LONDON (IT BOLTWISE) – Steigende Kosten für Lebensmittel und Alltagsausgaben drücken US-Haushalte offenbar bis an die Kreditkarten- und Rücklagen-Grenze. Eine Umfrage mit 1.075 Teilnehmenden im Juni zeigt, dass 30% für Essentials wie Lebensmittel, Benzin, Strom oder medizinische Posten in den vergangenen drei Monaten Kreditkarten genutzt haben. Weitere 20% greifen auf Geld von Familie oder Freunden zurück, 18% nutzen Buy-now-pay-later und 17% entnehmen Rücklagen für andere Zwecke. Parallel deuten zusätzliche Studien darauf hin, dass immer mehr Menschen ihre Kreditkartenschuld nur teilweise oder zeitweise nicht einmal mindestens bedienen.

Wenn das Haushaltsbudget kippt: Warum immer mehr Menschen Lebensmittel per Kredit zahlen
Wenn das Haushaltsbudget kippt: Warum immer mehr Menschen Lebensmittel per Kredit zahlen (Foto: IT BOLTWISE)
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In vielen Familien wird der Wocheneinkauf zunehmend zu einer Rechenaufgabe, bei der nicht mehr nur Preise, sondern auch Zahlungswege entscheiden. Laut einer Omnisend-Umfrage mit 1.075 Befragten aus dem Juni arbeiten viele Haushalte zwar weiterhin voll im Erwerbsleben, gleichzeitig steigen aber die Ausgaben für „tägliche Essentials“ so stark, dass Kreditkarten offenbar zur normalen Finanzierungsquelle werden. Die Ausgangslage ist dabei nicht abstrakt: In den Aussagen wird beschrieben, dass man nur das kauft, was im jeweiligen Budget tatsächlich abgedeckt ist, während alles andere gestrichen oder nach hinten geschoben wird.

Besonders relevant für die Technik- und Datenperspektive ist, wie stark sich das Einkaufsverhalten nach Zahlungsdruck verschiebt. In der Omnisend-Erhebung gaben 30% an, in den vergangenen drei Monaten Essentials wie Lebensmittel, Benzin, Versorgungsleistungen oder medizinische Kosten per Kreditkarte bezahlt zu haben, obwohl absehbar ist, dass die Rechnung nicht vollständig sofort beglichen wird. Zusätzlich nennt die Studie konkrete Alternativen: 20% liehen sich Geld bei Freunden oder Familie, 18% nutzten Buy-now-pay-later-Produkte, und 17% mussten Rücklagen antasten, die eigentlich für etwas anderes gedacht waren. Für Unternehmen mit E-Commerce-Anbindung bedeutet das: Zahlungsart und Abwicklungslogik werden zum Teil der Kaufentscheidung – nicht nur die Produktseite.

Dass der Mechanismus nicht nur „gefühlt“ existiert, sondern auch statistisch messbar wird, zeigt ein weiterer Datensatz. Der Urban Institute Well-Being and Basic Needs Survey für 2025 (veröffentlicht im Juli) berichtet, dass fast 1 von 5 Erwachsenen Lebensmittel mit Ersparnissen finanzierte und nahezu 1 von 20 Käufe über Bargeld aus einem Payday-Advance-Loan abwickelte. Bei Kreditkarten differenziert die Auswertung nach Rückzahlungsmustern: Rund 35% der 18- bis 64-Jährigen bezahlten die Kreditkartenrechnung und glichen den Saldo vollständig aus; 19,6% zahlten weniger als den vollen Betrag, leisteten aber immer die Mindestrate; und 8,7% begleichen die Mindestrate nicht durchgehend. Damit nutzt mehr als ein Viertel der arbeitenden Erwachsenen im erfassten Alter Kreditkarten, um Lebensmittel für die Familie zu bezahlen – und erlebt dabei Rückzahlungsprobleme, wie das Urban Institute in einer Kurzbeschreibung einordnet.

Für die Marktmechanik ist dabei entscheidend, dass sich Preissteigerungen offenbar als „Kaskade“ auf den kompletten Einkaufswagen auswirken. In dem Omnisend-Kontext wird außerdem betont, dass zu höheren Kraftstoffkosten und unerwarteten Ausgaben – etwa medizinische Kosten oder Autoreparaturen – kein „Puffer“ mehr vorhanden sei. Verhaltensökonomisch passt dazu eine Beobachtung aus dem Marketing-/Pricing-Umfeld: Wenn einzelne Artikel nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern die Summe des Warenkorbs spürbar über der eigenen Schwelle liegt, verändern sich Markenwahrnehmung und Kaufprioritäten. Genau deshalb greifen Haushalte eher zu kurzfristigen Zahlungswegen, während gleichzeitig das Vertrauen in Preisversprechen leidet.

Diese Vertrauenskomponente taucht in den genannten Umfrageergebnissen sehr deutlich auf: In der Omnisend-Auswertung gaben 85% an, sie glaubten, Marken nutzten Inflation als Rechtfertigung für größere Preiserhöhungen als notwendig. Zudem sagten 67%, dass höhere Preise das Gefühl zu Marken verändert hätten, die sie früher mochten; mehr als die Hälfte – 56% – gaben an, sie hätten solche Marken inzwischen gestoppt. Besonders irritierend wirkt zudem Shrinkflation: 89% der Befragten merkten regelmäßig, wenn Unternehmen die Packungsgröße reduzierten, während der Preis gleich blieb. 29% betrachteten diese Form von Preiserhöhung als die unfairste, weitere 59% sagten, sie würden dies regelmäßig bemerken. Dass diese Muster gerade in Preisphasen dominieren, hat eine klare technische Entsprechung: Wer Produktdaten, Verpackungsvarianten und Preislogik sauber modelliert, kann (und muss) im Marketing- und Abwicklungsprozess ehrlich und konsistent bleiben – sonst verschiebt sich die „Wahrnehmung“ des gesamten Warenkorbs.

Auch die Debatte um Verantwortlichkeiten zeigt, wie politisch aufgeladen der Druck wirkt. In der Omnisend-Studie gaben 45% an, die Regierung sei stärker für steigende Lebensmittelpreise verantwortlich als Unternehmen; in den ergänzenden Schilderungen stimmt eine Befragte dieser Sicht offenbar zu und nennt als Faktor unter anderem Zölle. Unabhängig davon, wie man die Ursachen im Detail gewichtet: Für Unternehmen im Handel und in der Zahlungsabwicklung steigt der Druck, Transparenz in Preisgestaltung, Paketgrößen und Zahlungsbedingungen zu liefern, weil sonst die Zahlbereitschaft schneller kippt als die Produktverfügbarkeit.

Für die Praxis folgt daraus eine klare Handlungslinie – weniger als „Werbeslogan“, mehr als Systemdesign. Wenn Haushalte stärker zwischen Kredit, Buy-now-pay-later, geliehenem Geld und geteilten Rücklagen wählen, müssen Shop- und Checkout-Prozesse ihre Mess- und Risikomodelle neu ausrichten: Dauer, Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung und Kundenbindung hängen dann stärker an der Zahlungsstrecke als an der Produktbeschreibung. Gerade weil die Datenlage beim Ausbleiben der Mindestrate (8,7%) im Vergleich zum Vorjahr von 7,1% angedeutet „nach oben“ weist, wird aus kurzfristigem Conversion-Optimieren schnell ein Thema für nachhaltige Nutzerführung. Am Ende heißt das nicht, dass jedes Unternehmen die gesamtwirtschaftlichen Ursachen lösen kann – aber es kann stärker darauf achten, wie Preislogik, Verpackungsdaten und Checkout-Entscheidungen zusammenspielen, wenn das Haushaltsbudget bereits im Alltag an Grenzen stößt.


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