ROTHENBURG OB DER TAUBER / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin (AGTCM) startet eine neue Förderrunde für ihren Forschungspreis. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis belohnt Arbeiten, die Ergebnisse direkt in die therapeutische Praxis der Chinesischen Medizin überführen. Bewerbungen sind bis 30. Dezember 2026 möglich, die Verleihung findet im Mai 2027 auf dem TCM-Kongress in Rothenburg ob der Tauber statt. Als Beispiel für die vorherige Preisvergabe nennt die AGTCM die Charité-Neurologin Dr. med. Joanna Dietzel und deren Forschung zur Akupunktur bei peripherer diabetischer Neuropathie.

Die Ausschreibung der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin (AGTCM) rückt Forschung in den Mittelpunkt, die nicht nur theoretisch plausibel ist, sondern im Alltag behandelnde Fachkräfte tatsächlich unterstützen soll. Genau das definiert die Jury als Praxisrelevanz: Der mit 1.000 Euro dotierte Forschungspreis zielt auf Arbeiten, die einen direkten Beitrag zur therapeutischen Praxis der Chinesischen Medizin leisten. Damit verschiebt die AGTCM den Fokus von reiner Grundlagenforschung hin zu Studien und Fallberichten, die eine konkrete Übersetzung in die tägliche Versorgung leisten können.
Technisch betrachtet ist damit vor allem die Qualität des Studiendesigns und die Nachvollziehbarkeit der klinischen Evidenz entscheidend. Die eingereichten Arbeiten müssen bereits zur Publikation angenommen oder innerhalb der letzten zwei Jahre veröffentlicht worden sein. Für klinische Studien ist damit ein Mindestmaß an wissenschaftlicher Einbettung gefordert; bei Fallstudien fordert die Jury die Einhaltung der CARE-Richtlinien, also einen strukturierten, nachvollziehbaren Bericht über klinischen Verlauf, Behandlungsverlauf und Ergebnisinterpretation. Gerade bei Interventionen wie Akupunktur oder verwandten Verfahren ist diese Transparenz wichtig, weil sie ermöglicht, dass andere Behandler die Behandlungsschritte und Randbedingungen besser vergleichen und daraus abgeleiten können, was sich tatsächlich übertragen lässt.
Auch organisatorisch ist die Ausschreibung ungewöhnlich klar: Neben dem eigentlichen Forschungsergebnis fließen begleitende Aktivitäten in die Bewertung ein, etwa Fachvorträge, Seminare oder verständliche Wissensvermittlung in Medien. Für Forschende und Kliniken bedeutet das, dass die Verbreitung der Ergebnisse nicht als nachgelagerte PR verstanden wird, sondern als Teil der Forschungsleistung. In der Praxis kann das helfen, die Lücke zwischen Studiendesign und Versorgungsrealität zu schließen, weil Inhalte so eher dort ankommen, wo später Behandlungsentscheidungen getroffen werden. Für Antragsteller heißt das zugleich, dass sie frühzeitig planen müssen, wie sie ihre Ergebnisse so aufbereiten, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen nutzbar sind.
Der zeitliche Rahmen ist ebenfalls eindeutig und gibt Planungssicherheit: Bewerbungen sind bis Ende des Jahres möglich, die Frist endet am 30. Dezember 2026. Die Preisverleihung findet im Mai 2027 auf dem TCM-Kongress in Rothenburg ob der Tauber statt. Die Ausschreibung baut dabei auf eine bereits erfolgte Premiere auf: Im Mai dieses Jahres wurde Dr. med. Joanna Dietzel von der Charité Universitätsmedizin Berlin ausgezeichnet. Ihre Arbeit zur Akupunktur bei peripherer diabetischer Neuropathie überzeugte die Jury, weil sie Patientinnen und Patienten mit Diabetes neue Hoffnung gibt, indem sie Missempfindungen und Schmerzen adressiert, für die es außerhalb konventioneller Schmerztherapie häufig nur begrenzte Behandlungsoptionen gibt.
Markt- und Versorgungsrelevanz zeigt sich in solchen Konstellationen besonders dort, wo chronische Beschwerden das Behandlungssystem langfristig belasten. Die AGTCM verweist darauf, dass viele Menschen bereits bewährte Druckpunkte zur Selbsthilfe nutzen, während die Wissenschaft die Wirksamkeit der Traditionellen Chinesischen Medizin weiter erforscht. Für Einrichtungen und medizinisches Personal entsteht dadurch eine zweigleisige Dynamik: Einerseits wächst der Bedarf, Interventionen evidenzbasiert einzuordnen und sicher zu machen; andererseits steigt der Druck, Ergebnisse so zu kommunizieren, dass sie nicht im Forschungsalltag „geparkt“ bleiben. Der Preis setzt genau hier eine Leitplanke, indem er die Integration in die tägliche Versorgung ausdrücklich als Kernfrage stellt.
Organisatorisch und finanziell macht die Ausschreibung ebenfalls deutlich, wie der Verband seine Forschung fördern will. Der Preis wurde von der langjährigen ehemaligen AGTCM-Vorsitzenden Dr. Martina Bögel-Witt und ihrem Ehemann Dr. Peter Breckling ins Leben gerufen. Für die kommende Verleihung übernimmt der Frankfurter TCM-Therapeut Werner Freystätter das Preisgeld. In der Begründung wird außerdem betont, dass medizinische Forschung auf verlässliche Finanzierungsquellen angewiesen ist, weil sie aufwendig ist. Für Antragsteller kann das ein Signal sein, dass die AGTCM nicht nur wissenschaftliche Qualität bewertet, sondern auch den realistischen Beitrag zur Überwindung von Finanzierungshürden im Bereich KI-gestützter Versorgungsforschung nicht, aber eben generell wissenschaftsnaher Projektarbeit.
Für die nächste Runde wird es entscheidend sein, wie gut Bewerbungen die Praxisintegration greifbar machen. Wer den Preis gewinnen will, sollte daher das „Wie kommt das Ergebnis in die Versorgung?“ nicht als allgemeines Versprechen formulieren, sondern die Übertragbarkeit konkret beschreiben: Welche Patientengruppe profitiert? Wie lassen sich Behandlungsschritte dokumentieren und standardisieren? Und welche Grenzen zeigen sich bei der Übernahme in andere Settings? Genau diese Fragen lassen sich oft schon im Forschungsantrag und in den geplanten Transfermaßnahmen beantworten. Die AGTCM schafft so einen Rahmen, in dem klassische Methoden wie Akupunktur und moderne Forschungskriterien zusammenfinden können, ohne den Transfergedanken aus den Augen zu verlieren.
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