MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – SOCOTEC Building Solutions übernimmt weitere Projekte für Daiichi Sankyo und konkretisiert damit die Arbeitsweltstrategie des Pharmakonzerns. Im Fokus steht ein neues Büro-Konzept für Toronto mit 750 Quadratmetern im 13. Stock im Financial District. Das Layout bündelt 35 Mitarbeitende, die zuvor auf mehrere Flächen verteilt waren. Im Entwurf spielen Desk Sharing, ein papierloser Ansatz sowie mobile Raumteiler eine zentrale Rolle.

Wenn ein Pharmakonzern wie Daiichi Sankyo seine Europazentrale neu ausrichtet, geht es selten nur um „schönere“ Räume. SOCOTEC Building Solutions, ein Münchner Architekturbüro, wird laut Angaben für die Planung und Umsetzung weiterer Projekte beauftragt – und nutzt dabei ein durchgängiges Konzept: Arbeitsplätze als räumliche Übersetzung von Unternehmenskultur, statt als starres Set an festen Schreibtischen. Die Grundlage dafür bildet zunächst die erfolgreiche strategische Gestaltung moderner Arbeitswelten für die Europazentrale in München; daraus folgt nun die Ausweitung auf weitere Standorte, darunter Toronto, Dublin und Madrid.
Technisch spannend wird es an dem Beispiel Toronto: SOCOTEC entwickelt dort ein neues Büro-Konzept für die kanadische Dependance, die „kürzlich ihre neuen Räumlichkeiten bezog“. Die Planung umfasst eine Nettofläche von 750 Quadratmetern im 13. Stock eines repräsentativen Gebäudes im Financial District, mit Ausblick auf die Stadt. Ziel ist die Zusammenführung von 35 Mitarbeitenden, die zuvor auf verschiedene Büroflächen verteilt waren. Damit wird aus einer Fläche mit vielen Einzelstandorten eine konsolidierte Arbeitsumgebung – und die Architektur muss zugleich die alltägliche Nutzung (schnelles Ankommen, effiziente Wege, spontane Zusammenarbeit) sowie die langfristige Anpassungsfähigkeit abbilden.
Die Aufgabenstellung reicht dabei von der Grundlagenermittlung über Konzeptbearbeitung bis zur Strukturierung von Arbeitsbereichen und Zonen, inklusive Farb- und Materialkonzept sowie technischer Spezifikationen. Unterschiedliche Varianten werden geprüft und die Erkenntnisse in nachfolgende Planungsschritte integriert – nicht als Selbstzweck, sondern weil Zoning und Spezifikation in solchen Projekten direkt beeinflussen, wie gut Desk Sharing funktioniert. Im Entwurf kombiniert SOCOTEC eine digitale, strukturierte Arbeitsumgebung mit einem papierlosen Büroansatz. Mobile Raumteiler und ergonomische Ausstattung sollen agiles Arbeiten ermöglichen, also Teams schneller in neue Konstellationen bringen, ohne dass bei jeder Änderung ein Umbau nötig wird. Auch ein Bistro als Bereich für Pausen, Austausch und Rückzugsmöglichkeit adressiert die typischen „Zwischenbedarfe“ im Arbeitsalltag: kurze Abstimmungen, informelle Gespräche und fokussiertes Arbeiten außerhalb klassischer Meetingräume.
Damit das funktioniert, wird nicht nur die Funktion betrachtet, sondern auch die Material- und Nachhaltigkeitsstrategie. Laut Beschreibung setzt das Planungsteam auf natürliche Elemente wie Holz und Moos sowie wiederverwendbare Komponenten. Solche Entscheidungen sind im Kontext eines internationalen Konzerns wichtig, weil sie einerseits zur gewünschten Atmosphäre beitragen, andererseits aber auch in Standards, Beschaffungswege und technische Ausführungen übersetzt werden müssen. Genau hier liegt eine besondere Herausforderung in Toronto: europäische Konzepte müssen laut Text mit amerikanischen Standards, Normen und Bausystemen in Einklang gebracht werden. Praktisch heißt das, dass Architektur und TGA-Details nicht 1:1 exportiert werden können, sondern in lokale Anforderungen überführt werden.
Die Kooperation zwischen SOCOTEC Building Solutions und Daiichi Sankyo Europe startete bereits 2017. Den Einstieg bildete die Planung eines Teils der Büroflächen im Erdgeschoss der Europazentrale in München, um eine neue Kantine zu schaffen. Danach folgte unter anderem die Neugestaltung des Eingangsbereichs, für den die Architekten skulpturenartige Elemente entwickelten. Der bislang umfangreichste Auftrag erfolgte im rund 6.000 Quadratmeter großen Bürogebäude: SOCOTEC wandelte 800 Quadratmeter kleinerer Büroflächen in den offenen und technologisch fortschrittlichen Digital Innovation Hub um. Dieser Hub wird maßgeblich durch Hochtechnologie geprägt und soll offenbar die Interaktion zwischen Entwicklung, Innovation und Arbeitsorganisation räumlich unterstützen.
Auch die architektonischen Details liefern einen Hinweis darauf, wie SOCOTEC „digitale“ Nutzung räumlich übersetzt: In dem Digital Innovation Hub sorgt eine Zwischendecke aus vertikalen, gebogenen Holzlamellen für ein filigranes und zugleich fließendes Erscheinungsbild. Besprechungsräume werden über Glastrennwände abgegrenzt, wodurch Sichtachsen erhalten bleiben, ohne dass akustische oder organisatorische Trennung verloren geht. Ein verglaster Zylinder dient als zentrales Besprechungselement und wirkt wie ein konfigurierendes Zentrum, das den Raum strukturiert, ohne die optische Raumhöhe zu mindern. Im vergangenen Jahr wurde der Hub zudem erweitert – durch den Umbau einer zuvor ungenutzten Sporthalle in einen Konferenzbereich. Dass SOCOTEC hierfür interdisziplinär arbeitete, also mit kooperierenden Unternehmen sowie Bau- und Installationsfirmen, unterstreicht den organisatorischen Aufwand hinter solchen Raumkonzepten.
Für Unternehmen ist das Muster aus München und Toronto vor allem deshalb relevant, weil hier mehrere Trends in einem konkreten Projekt zusammenlaufen: Desk Sharing und papierlose Workflows, mobile Trennsysteme für wechselnde Teamkonstellationen sowie eine Materialstrategie mit Blick auf Wiederverwendbarkeit. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass internationale Standards nicht nur die Technik betreffen, sondern auch die Planungslogik: Variantenmanagement, Zonenlogik und Spezifikation müssen so zusammenspielen, dass der Betrieb im Zielstandort nicht „korrigierend nachgezogen“ werden muss. Wenn SOCOTEC Building Solutions die Arbeitsweltstrategie weiter ausrollt, wird es daher weniger um einzelne Designentscheidungen gehen, sondern um die Frage, wie gut sich digitale Arbeitsmodelle räumlich stabilisieren lassen – von der täglichen Nutzung bis zur Erweiterbarkeit des „Innovation Hub“.
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