MONHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – UCB stellt die Ergebnisse seines 2026 Startup Program Pitch Days vor und setzt dabei auf digitale Werkzeuge entlang der gesamten Behandlungskette. In axSpA zielt ein KI-gestütztes Screening aus Routineakten auf frühere Überweisungen zum Rheumatologen, während bei Osteoporose ein KI-CT-Ansatz die Lücke zwischen zufälligem Befund und leitlinienbasierter Behandlung schließen soll. Für Myasthenia gravis geht es um kontinuierliches Remote-Monitoring, ergänzt durch eine Patient-Companion-App und ein Patient Empowerment Index. Im Fokus stehen damit nicht einzelne Kliniktermine, sondern messbar bessere Entscheidungen und Begleitung zwischen den Besuchen.

UCB Startup Program 2026: KI für frühere Diagnosen und bessere Therapiepfade
UCB Startup Program 2026: KI für frühere Diagnosen und bessere Therapiepfade (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer Menschen mit chronischen Erkrankungen begleitet, merkt schnell: Der größte Hebel liegt selten beim einzelnen Termin. UCB beschreibt im Rahmen des 2026 Startup Program Pitch Days genau dieses Prinzip – bessere Ergebnisse hängen demnach davon ab, den gesamten Weg zu verbessern: von früher Diagnostik und verlässlichen Überweisungen über informiertere Therapieentscheidungen bis hin zu konsequentem Disease-Management im Alltag. Das Unternehmen verortet den Ansatz in seiner Digital Care Transformation (DCTx), die laut Text 2022 mit einem Programmstart begann. Das Startup Program bringt UCB-Teams dabei in einen strukturierten Prozess: Zuerst werden regionale Healthcare- und Business-Herausforderungen formuliert, dann werden digitale Gesundheitslösungen gesucht und in Zusammenarbeit mit klinischen sowie marktbezogenen Perspektiven auf Realwelt-Anwendung und Umsetzbarkeit geprüft.

Für 2026 setzt UCB Germany auf drei Schwerpunkte: axiale Spondyloarthritis (axSpA), Myasthenia gravis (MG) und Osteoporose. Über 14 Wochen arbeiteten laut Meldung vier Unternehmen gemeinsam mit UCB-Stakeholdern daran, wie digitale Tools die Identifikation verbessern, die Überweisung strukturieren, Behandlungsschritte besser begründen und die Patientenbindung stärken können. Interessant ist dabei die Doppelstrategie aus klinischer Validierung und Prozessdesign: Die Tools sollen nicht nur „Erkenntnisse“ liefern, sondern in bestehende Versorgungspfade eingebettet werden. Pasquale Impesi, SVP Head of Europe bei UCB, wird dabei im Text mit einer Kernaussage zitiert, dass die Startups dieselben Fragen adressierten wie UCB selbst – mit Bezug auf die alltäglichen Realitäten von Patientinnen und Patienten statt abstrakter Innovationsziele.

Bei axSpA adressiert UCB ein konkretes Problem der Versorgungskette: häufige diagnostische Verzögerungen. Der Text nennt als Beispiel für Deutschland eine Verzögerung von „fast 6 Jahren“ von Beginn von Rückenschmerzen bis zur axSpA-Diagnose. Ein Grund ist die Nicht-Spezifität der Symptome, wodurch Betroffene oft mehrere Versorgungsstationen durchlaufen, bevor sie beim Rheumatologen landen. Genau an dieser Engstelle setzt eine Zusammenarbeit mit MPIRIQ an: Das Startup soll anhand von Routinedaten aus Hausarztunterlagen Patienten mit Verdacht auf axSpA identifizieren, dann die Fälle über ein Rheumatologen-Validierungsverfahren absichern und schließlich einen KI-gestützten Überweisungsweg in die Facharztversorgung bewerten. In der Pilotphase lagen laut Beschreibung bei den markierten Personen bereits klinische Hinweise wie Zeichen einer entzündlichen Rückenschmerzsymptomatik, erhöhte Entzündungsmarker oder relevante Testhistorien vor, aber es fehlte eine formale Diagnose. Die erste Überprüfung durch Rheumatologen bestätigte eine starke Übereinstimmung mit dem Screening-Ansatz – ein Hinweis darauf, dass in Primärdaten oft „übersehene“ Patientinnen und Patienten stecken, die mit gezielteren Überweisungen schneller ins richtige Fach gelangen.

Auch bei Osteoporose versucht UCB, eine typischen Bruchstelle zu schließen: Vertebrale Kompressionsfrakturen gelten als besonders starke Prädiktoren für weitere osteoporotische Frakturen, bleiben aber laut Text oft unentdeckt, selbst wenn bereits Routineuntersuchungen vorliegen. Damit gehen gerade jene Patientinnen und Patienten verloren, die vom frühen Beginn leitliniengerechter Therapien am stärksten profitieren würden. UCB arbeitet hier mit ImageBiopsy Lab zusammen und nutzt die IB Lab FLAMINGO AI-Plattform, die als UCB-Initiative vertebrale Frakturen opportunistisch auf Routine-CTs erkennt und laut Meldung bereits über europäische Gesundheitssysteme validiert sein soll. Der technische Kern wird im Text durch ein End-to-End-Konzept ergänzt: Statt beim Detektionsmodell stehenzubleiben, entwirft UCB zusammen mit dem Partner eine nachgelagerte Versorgungsschleife. Der Ansatz umfasst eine zusätzliche Tele-osteology-Komponente (IB Lab Bridge), die Erkennung in einen leitlinienbasierten „treatment-ready“ Plan überführt und damit die fehlenden Post-Detection-Services in der Routineversorgung adressieren soll.

Die erwartete Wirkung ist dabei sehr konkret formuliert. UCB beschreibt, dass der kombinierte Pfad bis zu „35-mal“ mehr Hochrisikopatienten in die Behandlung bringen könnte als übliche Versorgung – und dass dies nahezu der doppelten Größenordnung entspricht, die Detektion allein erreicht. Für Deutschland wird eine mögliche Reichweite in der Größenordnung von „rund 585.000 Patienten pro Jahr“ genannt, gegenüber etwa „16.500“ heute. Ergänzend argumentiert UCB ökonomisch: Da Prävention weniger kostet als die Frakturen, die dadurch abgewendet werden, sei der Prozess darauf ausgelegt, über bestehende Gesundheitsmittel erstattungsfähig zu sein. Technisch und organisatorisch bedeutet das: Aus einem Zufallsbefund in Bilddaten wird ein systematischer Entscheidungs- und Therapiepfad, der in der Praxis an vorhandene CT-Routinen anschließen kann.

Bei Myasthenia gravis (MG) verschiebt sich der Schwerpunkt vom Imaging zur Verlaufssicht. Der Text betont, dass Therapieentscheidungen in einem sehr variablen Krankheitsverlauf getroffen werden müssen, in dem Symptome und tägliche Belastung deutlich schwanken. Gleichzeitig finden Spezialistenbesuche typischerweise nur alle „wenige Monate“ statt; Veränderungen zwischen den Terminen bleiben damit unsichtbar. UCB arbeitet mit RareLink an der Frage, ob kontinuierliches Remote Patient Monitoring die Basis für ein künftiges Unterstützungssystem bilden kann. Laut Beschreibung kombiniert die RareLink-Plattform patientenberichtete Ergebnisse mit verbundenen Geräten, um Ärztinnen und Ärzten zwischen den Besuchen ein klareres Bild der Krankheitsaktivität zu geben. Gemeinsam mit Neuromuskulär-Spezialisten wurden dabei therapiespezifische Versorgungslücken für MG kartiert und jene Stellen identifiziert, an denen digitales Monitoring den größten Mehrwert liefern soll – etwa früheres Erkennen von Verschlechterungen sowie bessere informierte Therapie- und Dosisoptimierung. Als größte Nutzenkategorie nennt UCB insbesondere die instabilen und schwer erreichbaren Patientinnen und Patienten.

Neben dem Monitoring verfolgt UCB für MG auch den Perspektivwechsel „von Patient zu System“. Die Zusammenarbeit mit mama health soll Patient Support stärken und gleichzeitig messbar machen, wie stark Patientinnen und Patienten ihre Erkrankung aktivieren und in den Alltag integrieren. Die mama-health-App wird im Text als Begleiter über die gesamte Disease-Journey beschrieben – mit Bildungselementen, Community-Einblicken und kontinuierlicher Anleitung. Im Projekt wurden zudem die KI-Fähigkeiten und Kernelemente der App weiterentwickelt, wobei Patient-Bedürfnisse priorisiert wurden. Darüber hinaus entwickelten mama health und UCB einen Patient Empowerment Index, der Bewusstsein, Engagement und Aktivierung erfasst. Eine zentrale Erkenntnis laut Meldung lautet: Engagement und Aktivierung hinken dem bereits vorhandenen Bewusstsein hinterher. Genau daraus leitet UCB den Wert von Tools ab, die nicht nur an klinisch relevanten Momenten unterstützen, sondern dauerhaft durch den gesamten Verlauf.

Abgerundet wird die Darstellung durch den Pitch-Day selbst, der am 13. Juli 2026 in Monheim (Deutschland) und online stattfand. UCB beschreibt den Charakter des Programms als Evolution: Weg vom reinen Startup-Fokus hin zu einem Modell, das gezielt konkrete Healthcare- und Business-Herausforderungen adressiert. Indem UCB Prioritäten der lokalen Märkte aufgreift und eng mit externen Innovatoren arbeitet, entsteht im Unternehmen laut Text ein besseres Bild davon, wo relevante digitale Lösungen in axSpA, Osteoporose und MG tatsächlich ansetzen können. Genau diese Form von „gezielter Partnerschaft“ soll das Lernen beschleunigen, zukünftige Prioritäten informieren und damit UCBs übergeordnetes Ziel stützen, die Ergebnisse für Patientinnen und Patienten messbar zu verbessern. Für DCTx bedeutet das laut Abschluss: Man arbeitet weiter mit lokalen Märkten daran, Prioritätsprobleme zu identifizieren und Innovationen zu prüfen, die sich in unterschiedlichen Versorgungssettings in echte Versorgungspfade übersetzen lassen.


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