LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einer IAB-Studie steigt in Deutschland die Erwerbsquote junger Erwachsener weiter deutlich an. Besonders auffällig ist die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen: Ihr Erwerbstätigenanteil kletterte von 2015 bis 2025 um 7,1 Prozentpunkte auf 76,8 Prozent. Seit 2023 nimmt die Quote in dieser Gruppe nochmals um 0,9 Prozentpunkte zu. Als Treiber stechen vor allem studierende Erwerbstätige hervor, deren Anteil von 2015 bis 2023 stark zulegte.

Die aktuelle Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt liest sich auf den ersten Blick wie eine reine Kennzahlstory: Die Erwerbsquote junger Erwachsener steigt. Laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die am 11. August 2026 veröffentlicht wurde, nahm der Anteil der Erwerbstätigen bei den 20- bis 24-Jährigen zwischen 2015 und 2025 um 7,1 Prozentpunkte zu. Mit 76,8 Prozent markiert diese Altersgruppe damit den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Hinter der Zahl steckt mehr als ein konjunkturelles Auf und Ab, denn die Daten zeigen zugleich eine anhaltende Dynamik bis in die jüngere Vergangenheit.
Damit verschiebt sich auch die Interpretation dessen, was „Einstieg“ in den Beruf bedeutet. Das IAB ordnet den Zuwachs so ein, dass sich die höhere Erwerbsbeteiligung nicht erst in einer einzelnen Phase zeigt, sondern sich seit Jahren verfestigt. Seit 2023 verzeichnete die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen nochmals einen Anstieg um 0,9 Prozentpunkte, sodass die Beteiligung insgesamt knapp 77 Prozent erreicht. Technisch betrachtet ist das eine wichtige Unterscheidung: Wenn Quoten nur kurzfristig schwanken, würde man eher kurzfristige Muster in der Zeitreihe sehen. Hier geht es stattdessen um eine sukzessive Verschiebung der Lebens- und Erwerbsbiografien junger Menschen.
Besonders klar wird der Strukturwandel dort, wo Lernen und Arbeiten stärker miteinander verzahnt sind. Die Studie hebt die Gruppe der Studierenden in der Altersklasse der 20- bis 24-Jährigen hervor: Deren Erwerbsquote stieg von 2015 bis 2023 um mehr als 19 Prozentpunkte. In der Folge gehen inzwischen 56 Prozent der Studierenden in diesem Alter einer Erwerbstätigkeit nach. Diese Größenordnung ist politisch und betrieblich relevant, weil sie den Alltag in Unternehmen, Hochschulen und Behörden gleichermaßen betrifft: Wo mehr junge Menschen parallel studieren und arbeiten, verändert sich auch der erwartbare „Berufseinstieg“ – etwa durch früheres Sammeln von Praxis oder durch Nebentätigkeiten, die eher in Richtung anschlussfähiger Tätigkeiten weisen.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Wenn neue Mitarbeitende aus dieser Alterskohorte kommen, treffen sie häufiger auf Beschäftigungsbiografien, die nicht beim ersten Job beginnen. Das kann Onboarding und Personalentwicklung entlasten oder zumindest anders ausrichten: Tätige Studierende bringen oft bereits wiederkehrende Arbeitsroutinen, Teamkommunikation und erste fachliche Kontexte mit. Gleichzeitig verweist das IAB darauf, dass der Einstieg in den Beruf oder die Aufnahme von Nebentätigkeiten für junge Erwachsene eine immer wichtigere Rolle spielt. Fachleute leiten daraus ab, dass neben dem Arbeitskräftebedarf auch veränderte Rahmenbedingungen bei der Studienfinanzierung die Bereitschaft erhöhen, Arbeit früh mit Ausbildung oder Studium zu kombinieren.
Auch die gesellschaftliche Debatte, die in der Quelle explizit aufgegriffen wird, liefert eine zusätzliche Lesart. Die Studienautoren Hellwagner und Weber stellen die Ergebnisse in den Kontext verbreiteter Klischees über eine angeblich arbeitsunwillige Jugend. Laut Studienautor Weber zeigen die Zahlen vielmehr das Gegenteil: Die junge Generation sei so aktiv am Arbeitsmarkt beteiligt wie seit langer Zeit nicht mehr. Für die wirtschaftliche Planung ist das mehr als nur ein Stimmungsbarometer, denn eine stabil hohe Erwerbsquote bei den 20- bis 24-Jährigen wirkt direkt auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Die hohe Quote von 76,8 Prozent dient dabei als Signal, dass diese Altersgruppe für die Sicherung des Arbeitskräfteangebots weiterhin zentral bleibt.
Ein letzter Punkt betrifft die konkrete Folgefrage für Entscheider: Welche Konsequenzen ergeben sich aus einer stärkeren Erwerbsbeteiligung über das gesamte letzte Jahrzehnt? Das IAB unterstreicht, dass die Erwerbsbeteiligung stetig zunahm und damit der Wahrnehmung einer sinkenden Leistungsbereitschaft unter jungen Erwachsenen widerspricht. Für Arbeitgeber heißt das, dass die Nachwuchsgewinnung weniger als „Warten auf den passenden Zeitpunkt“ verstanden werden sollte, sondern als Prozess, der bereits während Studium oder Übergangsphasen ansetzt. Und für die KI-gestützte Effizienz im Personalbereich liegt hier eine praktische Chance: Wer Lebensläufe, Qualifikationsprofile und Einsatzmöglichkeiten besser zusammenführt, kann passende Tätigkeitszuschnitte früher erkennen und Übergänge glatter gestalten – ohne dass dabei die tatsächlichen Erwerbsdaten aus dem Blick geraten.
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