LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Studie untersucht, ob häufige Cannabis-Nutzung die Cortisol-Aktivierung nach dem Aufwachen verändert. Im Labor zeigte sich zwar keine statistisch signifikante Abweichung im Cortisol-Auftaktverlauf, doch direkt beim Aufwachen lagen höhere Basiswerte vor. Besonders stark war der Zusammenhang zwischen erhöhtem Morgen-Cortisol und berichteten negativen Folgen des Konsums. Die Autoren betonen, dass daraus noch kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang folgt, und verweisen auf den Bedarf an Längsschnittstudien.

Wer Stress reduziert, indem er zu Cannabis greift, könnte nach dieser aktuellen Untersuchung biologisch genau an der Stelle ansetzen, die der Körper ohnehin für den Tagesstart nutzt: das Cortisol-System. Das Forschungsteam aus der School of Psychological Science an der Oregon State University um Anita Cservenka stellt in den Mittelpunkt, wie sich häufige Cannabis-Anwendung auf Cortisol-Werte unmittelbar nach dem Aufwachen auswirkt. Getestet wurde dabei ein potenzieller Marker für problematischen Konsum, ohne dass die Studie dabei automatisch eine Kausalität behauptet.
Technisch betrachtet hängt die Stresshormon-Regulation eng mit der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse) zusammen. Cortisol steigt bei vielen Menschen in einem typischen Tagesrhythmus besonders stark innerhalb der ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen an; diese charakteristische Dynamik wird als Cortisol Awakening Response beschrieben. Die Logik hinter solchen Messungen ist nicht nur physiologisch plausibel, sondern auch in der Psychoneuroendokrinologie etabliert: Wenn die HPA-Achse wiederholt durch chronischen Stress oder substanzbezogene Belastungen aktiviert wird, kann das natürliche Muster „verschleißen“ und sich im Rhythmus zeigen. Dass Störungen im Cortisol-Verlauf mit psychischen Belastungen wie Angst oder Depression einhergehen können, ist in der Forschung wiederholt beschrieben worden.
Genau deshalb knüpften die Autoren an frühere Befunde an, die für andere Substanzen, etwa Alkoholgebrauchsstörung, eine Abschwächung des morgendlichen Cortisol-Spikes nahelegen. Für Cannabis gab es bislang allerdings nur begrenzte Evidenz, und frühere Arbeiten hatten laut Cservenka auch Hinweise darauf gegeben, dass chronischer Konsum die Cortisol Awakening Response abflachen könnte. In dem jetzt untersuchten Setting rekrutierten die Forschenden 82 Erwachsene: 39 Personen mit häufigem Konsum (mindestens drei Tage pro Woche im vergangenen Jahr, zudem Nutzung im letzten Monat) und 43 gesunde Kontrollen (maximal ein Konsumtag pro Monat, keine Nutzung im letzten Monat). Um Störfaktoren zu reduzieren, wurden unter anderem Personen mit lebenslang diagnostizierten psychiatrischen Erkrankungen, schweren medizinischen Problemen sowie mit psychotropen oder steroidalen Medikamenten ausgeschlossen.
Die Datenerhebung zielte dann auf eine saubere Trennung zwischen akuter Intoxikation und dem „Baseline“-Rhythmus. Vor Ort wurden Urinproben abgegeben und ein Atemtest durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden nicht unmittelbar berauscht waren. Zusätzlich füllten die Probanden Fragebögen zu Schlafqualität, Depression, Angst und wahrgenommenem Stress aus. Die Gruppe der häufigen Cannabis-Nutzer beantwortete außerdem, wie viele negative Konsequenzen in Zusammenhang mit dem Konsum in letzter Zeit auftraten, etwa im sozialen oder beruflichen Kontext. Danach sammelten die Teilnehmenden zu Hause Speichelproben an zwei aufeinanderfolgenden Werktagen – jeweils zum exakten Zeitpunkt des Aufwachens, nach 30 Minuten sowie am Abend um 21:00 Uhr – und bewerteten parallel in Moment-Skalen den subjektiven Stress von null bis zehn. Solche wiederholten Speichelmessungen sind in der Praxis ein etabliertes Vorgehen, um den Cortisol-Tagesverlauf relativ nicht-invasiv zu erfassen.
Die Laboranalyse lieferte jedoch ein differenziertes Bild: In der Cortisol Awakening Response selbst fanden die Forschenden keine statistisch signifikanten Gruppenunterschiede. Sowohl bei häufigen Cannabis-Nutzern als auch bei Kontrollen zeigte sich demnach ein ähnlich relativer Anstieg des Cortisols in den ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen. Auch abends zeigten sich keine erkennbaren Differenzen in den Cortisolwerten. Gleichzeitig berichten die Daten von einem anderen Effekt, der im Alltag möglicherweise relevanter ist als nur die Dynamik: Häufige Konsumenten hatten erhöhte absolute Cortisol-Basiswerte direkt zum Zeitpunkt des Aufwachens. Innerhalb der Konsumgruppe korrelierten diese höheren Morgenwerte positiv mit der Schwere der cannabisbezogenen negativen Konsequenzen; die reine Zahl der Konsumtage im Vormonat sagte dagegen offenbar weniger zuverlässig voraus, wie hoch das Cortisol beim Aufwachen ausfiel. Für die Forschung bedeutet das: Nicht jeder Konsum in höherer Frequenz muss automatisch die gleiche neuroendokrinologische Signatur erzeugen, wohl aber die subjektiv erlebten Folgen.
Auf der Ebene der Wahrnehmung zeigt die Studie außerdem, dass der Zusammenhang zwischen Stressgefühl und Cortisol über alle Teilnehmenden hinweg am Morgen sichtbar war: Höhere selbstberichtete Belastung ging mit höheren Cortisolwerten einher. In den Modellen wirkte diese Kopplung im gesunden Kontrollkollektiv tendenziell stärker als in der Cannabisgruppe. Exploratorische Analysen nach Geschlecht deuten darauf hin, dass der positive Zusammenhang bei Männern vorhanden sein kann, während die Modelle für Frauen in dieser Stichprobe keinen klaren Effekt zeigten; die Autorenschaft ordnet das erkennbar als Ergebnis der geringeren statistischen Power ein, weil beim Aufteilen in Subgruppen weniger Datenpunkte zur Verfügung stehen. Damit bleibt die Frage offen, wie robust solche geschlechtsspezifischen Muster bei größeren Kohorten reproduzierbar wären.
Wichtig ist zudem der methodische Rahmen: Wie bei allen Beobachtungsstudien dieser Art lässt sich kein Ursache-Wirkungs-Verhältnis ableiten. Die Ergebnisse passen sowohl zu der Möglichkeit, dass häufiges Cannabis den Basalpegel am Morgen erhöht, als auch zu der Alternative, dass Personen mit von Natur aus höherem Morgen-Cortisol eher zu häufigem Konsum greifen, um Stress zu bewältigen. Cservenka verweist in ihrer Einordnung darauf, dass zukünftige Längsschnittstudien nötig sind, die Menschen vor Beginn eines intensiveren Konsums und nach einer Veränderung im Konsummuster über die Zeit begleiten. Damit wird klar, worauf es im nächsten Schritt ankommt: mehr Teilnehmende, längere Beobachtungszeiträume und auch der Vergleich unterschiedlicher Konsumformen, um besser zu verstehen, welche Teile des Stresssystems tatsächlich „umprogrammiert“ werden und welche eher ein Begleitphänomen sind.
Für die Praxis in Therapie und Prävention ergibt sich damit eine vorsichtige, aber konkrete Richtung. Wenn sich erhöhte Cortisol-Basiswerte beim Aufwachen tatsächlich stärker an den negativen Konsequenzen als an der bloßen Konsumhäufigkeit spiegeln, könnte das die Auswahl von Outcomes in Interventionsstudien verbessern. Die Studie sagt nicht, dass Cortisol allein Therapieentscheidungen ersetzt; sie liefert vielmehr ein biologisches Puzzlestück, das zusammen mit psychologischen und alltagsbezogenen Messgrößen helfen könnte, den Unterschied zwischen „häufig, aber folgenarm“ und „problematisch, mit belastender Wirkung“ biologisch messbarer zu machen. Genau diese Verknüpfung von subjektiver Belastung, Konsumfolgen und HPA-Achsen-Dynamik wird in zukünftigen Untersuchungen der entscheidende Prüfstein sein.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Häufiger Cannabis-Konsum erhöht Cortisol zum Aufwachen – neue Studie prüft Marker" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Häufiger Cannabis-Konsum erhöht Cortisol zum Aufwachen – neue Studie prüft Marker" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Häufiger Cannabis-Konsum erhöht Cortisol zum Aufwachen – neue Studie prüft Marker« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!