LONDON (IT BOLTWISE) – Der siebte IGP-Förderaufruf startet am 10.06.2026 und zielt auf gemeinschaftlich entwickelte Geschäftsmodelle und Pionierlösungen. Teilnahmeanträge müssen bis zum 20.08.2026 um 15:00 Uhr elektronisch eingereicht werden. Entscheidend ist, dass mehrere Unternehmen echte Arbeitspakete übernehmen und der Neuheitswert über bestehende Alternativen im relevanten Markt überzeugend dargestellt wird. Reine Software-Rollouts, CRM-Einführungen oder reine Kundenaufträge reichen in der Logik des Programms nicht.

Beim siebten IGP-Förderaufruf für Cross-Innovation verschiebt sich der Fokus spürbar weg von „irgendeiner digitalen Idee“ hin zu überprüfbaren Geschäftsmodell- und Service-Neuerungen. Der Call ist am 10.06.2026 gestartet, die Einreichfrist endet am 20.08.2026 um 15:00 Uhr für elektronische Teilnahmeanträge. Wer als Startup, Mittelständler, Handwerksbetrieb oder Kreativpartner nur eine Ergänzung zur bestehenden Leistung beisteuert, läuft laut Programmlogik schnell ins Leere: Das Vorhaben wird dann nicht automatisch förderlogisch, nur weil mehrere Partner an Bord sind oder ein Pilotzugang ermöglicht wird.
Technisch betrachtet ist „IGP“ vor allem ein Rahmen für Innovation außerhalb klassischer technikorientierter FuE-Förderung. Im Mittelpunkt stehen marktnahe, nichttechnische Innovationen, also Leistungen, die auf spätere Einführung, Nutzung und wirtschaftliche Verwertung abzielen. „Nichttechnisch“ heißt dabei nicht „ohne Technologie“, sondern: Technologie ist Teil der Lösung, aber nicht der primäre Fördergrund. Neu sein kann ein Service, ein Prozess, ein Organisationsmodell, ein Marketingansatz, eine neue Kundennutzung oder ein ganzes Geschäftsmodell – und die Neuartigkeit muss über das einzelne Unternehmen hinaus in den relevanten Markt hinein argumentiert werden. Dazu gehört, Alternativen benennen zu können und den eigenen Neuheitswert gegenüber diesen Alternativen schlüssig zu belegen.
Der aktuelle Aufruf setzt auf Cross-Innovation, also Zusammenarbeit über Branchen, Disziplinen oder Wertschöpfungsstufen hinweg. Formal sind nur Kooperationsprojekte möglich: Mindestens zwei Unternehmen müssen beteiligt sein, wirtschaftlich verbundene Unternehmen zählen dabei nicht als getrennte Partner. Ebenso wichtig ist die inhaltliche Substanz: „Gemeinschaftlich“ bedeutet, dass jeder Partner eine echte fachliche Rolle mit eigenen Arbeitspaketen, eigenen Ressourcen und eigenen Verwertungsperspektiven übernimmt. Aus der Praxis sticht hier eine harte Detailanforderung heraus: Der Partner mit dem geringsten Anteil muss mindestens 20 Prozent der Arbeitsleistung übernehmen. Das ist ein Signal gegen reine Dekorationsrollen und dafür, dass die Zusammenarbeit im Projektverlauf auch operativ spürbar bleibt.
Als Projektformen nennt der Aufruf Machbarkeitsprojekte mit typischer Laufzeit bis zu 12 Monaten sowie Marktreifeprojekte bis zu 24 Monaten, die idealerweise schon erste positive Machbarkeitsbelege vorweisen. Die Bewertung richtet sich dabei laut Call unter anderem auf Innovationshöhe, Vermarktungschancen, positive Effekte auf Dritte, Projektqualität, Team und Kapazitäten sowie den konkreten Förderbedarf. Inhaltlich lässt sich das gut an drei realistischen Konstellationen lesen: Ein B2B-SaaS-Startup kombiniert Datenlogik, Produktkonzept und Skalierung mit einem Maschinenbaupartner, der Testumgebung, Domänenerfahrung und Vertriebskanal einbringt – förderrelevant ist dann das nutzungsbasierte Service- und Erlösmodell, nicht nur die Software. Im Handwerk plus Digitalstartup wird die Leistungserbringung selbst zum Gegenstand der Innovation: Planung, Ausführung, Terminierung und Kundenkommunikation werden als integriertes Angebot neu organisiert. Und in der Kreativwirtschaft plus Industrie kann ein zirkuläres Angebot oder ein neues Kundenerlebnis entstehen, wenn der Kreativpartner als Mitentwickler sichtbar bleibt und nicht als austauschbarer Zulieferer fungiert.
Die Abgrenzung zu „klingt zwar nach Innovation, ist aber nicht automatisch IGP“ fällt ebenso konkret aus. Nicht passend sind etwa ein Website-Relaunch oder ein Standard-Shop, eine CRM-Einführung oder Individualsoftware, die ein Startup gegen Honorar für einen Auftraggeber baut. Solche Vorhaben können wirtschaftlich sinnvoll sein, treffen aber häufig nicht die zentrale Förderlogik einer gemeinschaftlichen Entwicklung mit eigenständigem Neuheitswert und klarer Verwertung. Wer hier ansetzen will, sollte sich nicht erst in der Skizze verlieren, sondern vorab in eine harte Selbstprüfung gehen: lässt sich das konkrete Problem in einem Satz erklären, gibt es real existierende Alternativen und einen nachvollziehbaren Unterschied, und kann man für jeden Partner klar zeigen, welches Wissen, welche Entscheidungen und welches Ergebnis der jeweilige Beitrag liefert?
Für den Weg zur belastbaren Projektidee empfiehlt sich ein Vorgehen, das Rollen, Marktlogik und Arbeitspakete vor die Frage nach der FÖrderquote stellt. In den ersten Tagen geht es um ein gemeinsames Problemstatement, die Abstimmung der Ressourcen sowie um wirtschaftliche Interessen und Verantwortlichkeiten. Danach wird der Innovationskern geschärft: Alternativen und Neuheitswert müssen stehen, und schon früh helfen Kunden- oder Pilotrückmeldungen, die späteren Vermarktungsargumente zu erden. Anschließend folgen Arbeitspakete mit Meilensteinen und Nachweisen, dann die Konkretisierung von Markt und Verwertung inklusive Zahlungsmodell und Go-to-Market. In der letzten Phase wird das Budget mit den geplanten Projektleistungen begründet und die Konsistenz zwischen Skizze, Business-Sheet und Rollenmatrix geprüft. Wichtig ist dabei auch der Rechts- und Timinghinweis aus dem Programmkontext: Kooperationsverträge sollten nicht vor dem bestätigten Antragseingang ohne aufschiebende Bedingung unterschrieben werden, während inhaltliche Punkte ohnehin früh abgestimmt werden sollten, damit es später nicht an Daten-, Rechte- oder Vermarktungsdetails scheitert.
In der Gesamtlogik gilt: Erst die Kooperation, dann die Förderung. Der aktuelle Call ist damit besonders für Teams interessant, die ihr Geschäftsmodell nicht nur digitalisieren wollen, sondern die Art der Leistungserbringung und den Kundennutzen tatsächlich neu zusammensetzen. Wenn alle sieben Prüffragen tragfähig beantwortet werden können – Neuheitswert, gemeinsamer Innovationsbeitrag, Rollen mit echten Arbeitspaketen, Marktlogik, Verwertung, Kapazitäten und saubere Partnerabsprachen – steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt als förderfit eingeordnet wird. Und falls Rollen, Marktlogik oder Arbeitspakete noch nicht konkret formulierbar sind, bleibt als pragmatischer erster Schritt: das Projekt nachschärfen, bevor die Zeit in eine Antragsskizze investiert wird.
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