NEU-ISENBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die City 1 Group reagiert auf zunehmende Hitzeperioden mit Baukonzepten, die ohne dauerhaften Klimaanlagenbetrieb auskommen sollen. Für das Bürogebäude „Epsilon Office“ in Neu-Isenburg nennt das Unternehmen einen Endenergiebedarf von 86 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr bei Beheizung mit Holzpellets. Grundlage sind mehrere aufeinander abgestimmte Elemente wie Außenjalousien, kontrollierter Luftaustausch und ein Unterflur-Hohlraum für Technik. Für die kommenden Jahre plant die Gruppe weitere Projekte mit insgesamt 56.000 Quadratmetern Wohnfläche, bei denen die Kühlung von Beginn an passiv mitgedacht wird.

Der Klimawandel trifft die Immobilienbranche inzwischen weniger als abstraktes Zukunftsthema, sondern als tägliche Betriebsfrage. In der Praxis heißt das: Extreme Hitzeperioden verschieben die Grenzen dessen, was sich mit Standardtechnik wirtschaftlich steuern lässt. Genau an diesem Punkt setzt die City 1 Group an und beschreibt ihren Ansatz als konsequente Kälteführung über die Gebäudehülle und die Lüftungslogik, statt über einen dauerhaften Klimaanlagenbetrieb. Besonders sichtbar wird das in Deutschland durch den genannten Hitzerekord von 41,8 Grad Celsius am 27. Juni, der den Druck auf Betreiber und Planer spürbar erhöht.
Technisch betrachtet beginnt die Wirkung bei der Energie- und Wärmelastbilanz bereits vor der Frage, welche aktive Kälte künftig zugeschaltet werden muss. Für das Bürogebäude „Epsilon Office“ in Neu-Isenburg vermietet die City 1 Group rund 4.000 Quadratmeter auf neun Einheiten; im Kern wird die Kühlung dabei über mehrere, aufeinander abgestimmte bauliche Bausteine orchestriert. Außenjalousien dienen als primärer Sonnenschutz und sollen verhindern, dass direkte Sonnenenergie in den Gebäudekörper gelangt. Eine Vollklimatisierung mit Frischluftzufuhr regelt anschließend den Luftaustausch, während 3 Meter hohe Decken dazu beitragen, warme Luft oberhalb der Kopfhöhe der Nutzer zirkulieren zu lassen. Ergänzend nimmt ein Unterflur-Hohlraum Leitungen für Kühlung und Technik auf, womit sich Installationen dichter in die Gebäudeebene integrieren lassen, ohne die Raumgeometrie zu dominieren. Beim Energieprofil nennt das Unternehmen einen Endenergiebedarf von 86 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr; beheizt wird mit Holzpellets, was laut Bericht einer Effizienzklasse B entspricht.
Ein wesentlicher Unterschied zu vielen „End-of-Pipe“-Nachrüstungen liegt in der Planungstiefe. Die Entscheidung für die beschriebenen Lösungen sei bewusst bereits 2019 gefallen, um eine langfristige Amortisation über zwanzig Jahre zu ermöglichen – auch dann, wenn die anfänglichen Investitionskosten höher gewesen seien. Diese Argumentation ist aus Marktsicht plausibel, weil passive und semi-passive Maßnahmen typischerweise über lange Zeiträume wirken, während aktive Technik (wie Kompressoren, Kältemittelkreisläufe oder Lüftungsaggregate) stärker von Betriebsstunden, Wartungszyklen und Strompreisen abhängt. Aus Nutzersicht liefert der Bericht zudem eine direkte Rückkopplung: Nikola Markovic von der Celius Intensivpflege GmbH nutzt seit April 2025 rund 370 Quadratmeter und beschreibt einen positiven Einfluss auf Arbeitsatmosphäre und Konzentrationsfähigkeit in den Sommermonaten. Damit verschiebt sich die Diskussion weg von reinen Kennzahlen hin zu wahrgenommenem thermischem Komfort.
Der gleiche Grundgedanke wird auch außerhalb Deutschlands verfolgt. Im Projekt „Icon Living“ an der Athener Riviera in Glyfada bestehen die zwei fünfgeschossigen Gebäude aus 15 Apartments zwischen 140 und 400 Quadratmetern, verteilt auf ein Grundstück von etwa 3.000 Quadratmetern. Obwohl die Wohnungen nach Westen ausgerichtet sind und dadurch stärker Nachmittagssonne abbekommen, nennt die City 1 Group architektonische Maßnahmen, um Überhitzung zu vermeiden und zugleich den Blick auf Golfplatz, Meer und Sonnenuntergang zu erhalten. Dazu gehören Dachbegrünung, Wasserflächen zwischen den Gebäuden sowie ein 22 Meter langer Gemeinschaftspool, die als zusätzliche thermische Puffer und Mikroklima-Komponenten wirken können. In der Sache geht es um ein Zusammenspiel aus Verdunstungseffekten, Verschattung und dem Abfangen von Lastspitzen, ohne den Komfort im Kernraum zwangsläufig zu „kühlend“ zu überfahren.
Auch bei Bestands- und Stadtgrün-Strategien zeigt sich, dass passive Kühlung nicht nur Technik, sondern Freiraumplanung ist. Im Frankfurter Holzhausenviertel realisierte die City 1 Group beim Ensemble „Edenholz“ eine Strategie, bei der bestehende, ausgewachsene Bäume nicht gefällt, sondern in die Planung der vier Wohnhäuser integriert wurden. Der Schatteneffekt ist dabei sofort wirksam, während neu gepflanzte Bäume typischerweise erst über Jahrzehnte eine vergleichbare Kronengröße erreichen. Zwar erfordert die Erhaltung von Bäumen laut Bericht zusätzliche Abstimmungsprozesse mit Behörden in der Bauphase, der Nutzen entsteht aber direkt auf den Außenflächen zwischen den Gebäuden. Dass das Ensemble bereits 2018 mit dem iF Design Award ausgezeichnet wurde, unterstreicht zudem, dass thermische Resilienz hier nicht als reine Zweckarchitektur verstanden wird, sondern als gestalterischer und funktionaler Ansatz.
Für die nächsten Jahre plant die City 1 Group außerdem eine spürbare Ausweitung: Zehn weitere Immobilienprojekte mit zusammen 56.000 Quadratmetern Wohnfläche, entsprechend etwa 650 Wohnungen. Rund 200 Einheiten sollen den Angaben zufolge in den nächsten zwölf Monaten in Dreieich, Neu-Isenburg, Hochheim, Wiesbaden und Frankfurt in Bau gehen. Entscheidend ist dabei die frühe Weichenstellung: Bei jedem Vorhaben wird von Beginn an geprüft, wie die Gebäude ohne dauerhaften Klimaanlagenbetrieb gekühlt werden können. Farmakis betont, dass die dafür notwendige zusätzliche Planungszeit – etwa für Außenjalousien, die Integration alter Bäume oder eine Ausrichtung nach dem Sonnenstand – zunächst mehr kostet, sich aber langfristig für Bewohner und Nutzer auszahlen soll.
Aus Branchenperspektive deutet das Vorgehen auf einen Trend hin, der über einzelne Projekte hinausgeht: Kältebedarf wird zunehmend als Entwurfsparameter behandelt, nicht als nachgelagerte Option. Für Betreiber bedeutet das, dass sich Betriebsrisiken stärker in die Bauphase verlagern – mit dem Vorteil, dass sich die spätere Abhängigkeit von aktiver Technik und deren Energieverbrauch reduziert. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von interdisziplinärer Planung, weil Architektur, Gebäudetechnik und Standortfaktoren (Sonneneintrag, Mikroklima, Freiflächen) gemeinsam optimiert werden müssen. Wenn solche Ansätze skaliert werden, könnten sie in vielen Städten zu einem neuen Standard werden: weniger „mehr Kühlung“ auf Knopfdruck, sondern mehr Wärmeschutz und Komfort durch durchdachte Gebäudehülle.
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