LONDON (IT BOLTWISE) – Curaçao ringt im Zuge seiner Glücksspielreform mit erheblichen Unstimmigkeiten bei Beraterhonoraren. Finanzminister Charles Cooper nannte Zahlungen in einer Größenordnung, die laut den Unterlagen von Random Consulting deutlich niedriger ausfallen. Zwischen 2022 und 2025 seien insgesamt nur etwa 3,4 Millionen Euro geflossen, darunter im Jahr 2023 offenbar keine Zahlungen. Die Differenzen werden mit Zahlungsaufschüben oder Verwechslungen von Budgetposten erklärt – ein Ergebnis, das die Vertrauensfrage im Reformprozess verschärft.

Streit um Beraterkosten: Curaçao und Random Consulting liefern sich eine Zahlen-Schlacht
Streit um Beraterkosten: Curaçao und Random Consulting liefern sich eine Zahlen-Schlacht (Foto: IT BOLTWISE)
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Die geplante Neuordnung des Glücksspielmarktes auf Curaçao wirkt nach außen oft wie eine technische Modernisierung, doch im Kern wird sie gerade an einer ganz profanen Frage festgenagelt: Wer hat wann und wie viel bezahlt? Im Zentrum steht der Finanzminister von Curaçao, Charles Cooper, der die Kosten für die Glücksspielreform mit einer deutlich höheren Summe an externe Beratung begründet. Random Consulting widerspricht dem nun mit eigenen Finanzaufzeichnungen und stellt damit die Grundlage der politischen Darstellung direkt infrage.

Wichtig ist dabei, dass der Streit nicht nur eine Verschiebung von Kommastellen ist, sondern ein Kontrast zwischen Regierungsangaben und Unternehmensbilanzen. Cooper sprach ursprünglich von jährlichen Zahlungen in Höhe von 8,3 Millionen Antillen-Gulden (XCG) an Random Consulting. Das entspreche laut seiner Darstellung mehr als 4 Millionen Euro pro Jahr und damit über 35 Prozent der Mittel, die in die Staatskasse geflossen seien. Laut den Angaben von Random Consulting beliefen sich die erhaltenen Zahlungen zwischen 2022 und 2025 dagegen insgesamt nur auf etwa 3,4 Millionen Euro; besonders auffällig: 2023 seien den Aufzeichnungen zufolge keine Zahlungen erfolgt, während 2025 schließlich 2,5 Millionen Euro erreicht wurden.

Aus juristischer und organisatorischer Perspektive ist genau diese zeitliche Struktur der Knackpunkt. Wenn ein Projekt Beraterleistungen im laufenden Reformbetrieb bündelt, können sich Zahlungspläne entlang von Abnahme- und Rechnungslogiken verschieben. In der Debatte taucht deshalb als möglicher Erklärungsansatz ein vom Ministerium selbst angeforderter Zahlungsaufschub auf: Random Consulting betont, es habe bei einem Treffen eine Vereinbarung gegeben, Honorare später zu begleichen. Daneben steht eine zweite Deutung im Raum, die der Minister offenbar zumindest nicht plausibel belegen konnte: lokale Medien auf Curaçao vermuten, Cooper habe die Zahlungen an das externe Unternehmen möglicherweise mit dem Gesamtbudget einer Aufsichts- oder Regulierungsstelle verwechselt – etwa also nicht „nur“ die Budgetzeile, sondern den falschen Adressaten oder Topf.

Was diese Unstimmigkeiten so brisant macht, ist die Rolle von Random Consulting innerhalb der Reform. Das Unternehmen arbeitet seit 2022 an der Überholung der Regulierung auf Curaçao und liefert laut Darstellung das technische Gerüst für das neue Lizenzierungssystem. Die Personalseite trägt zusätzlich Gewicht: Random Consulting wird unter der Leitung von Mario Galea geführt, der zuvor die Malta Gaming Authority (MGA) geprägt haben soll. Wenn damit ein Technikanbieter mit internationalem Hintergrund in einen politischen Konflikt gerät, verschiebt sich die Diskussion schnell von der Buchhaltung hin zur Integrität von Beschaffungs- und Vergabeprozessen. Random Consulting fordert daher eine öffentliche Richtigstellung oder den Nachweis dafür, dass die vom Minister genannten jährlichen Größenordnungen tatsächlich belegt seien.

Für die Bewertung bleibt entscheidend, wie stark die Ausgangslage belegt ist. Die aktuellen Darstellungen sind gegenläufig: Die Regierung verweist auf vermeintlich jährliche Zahlungshöhen, das Beratungsunternehmen führt dagegen einzelne Jahre und Gesamtsummen an. Hinzu kommt eine weitere externe Schicht: Berichten zufolge liegen Malta-Belege vor, wonach Random Consulting im Jahr 2023 Gesamteinnahmen von 666.500 Euro verzeichnet habe und 2024 auf 1,1 Millionen Euro gestiegen sei. Diese Summen wirken im Verhältnis zur vom Minister genannten jährlichen Summe zwar widersprüchlich, zugleich zeigen sie aber auch, wie schnell sich Diskussionen verkomplizieren, sobald Einnahmen, Zahlungen, Rechnungsstellungen und Budgetposten nicht sauber voneinander getrennt werden.

Auch in Deutschland dürfte der Fall mehr als nur Randnotiz sein. Wer in der Glücksspielregulierung hierzulande unterwegs ist, kennt die zentralen Stellschrauben des Spielerschutzes aus dem Glücksspielstaatsvertrag 2021: Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Die Überwachung läuft über das zentrale LUGAS-System. Der Curaçao-Konflikt zeigt dabei gerade nicht, dass Offshore-Lizenzen automatisch unseriös sein müssen, sondern dass sich Transparenz und Durchsetzung im Streitfall deutlich schwieriger gestalten können. Sobald Rechnungs- und Auszahlungsströme im politischen Umfeld unklar bleiben, sinkt für Spieler das Vertrauen in die Stabilität der Rahmenbedingungen – erst recht, wenn Rechtsschutzwege bei Streitigkeiten nicht ausgebaut sind.

Umgekehrt können GGL-lizenzierte Anbieter den Vorfall als Argument für den eigenen Prüf- und Dokumentationsansatz nutzen, denn im deutschen Markt müssen Finanzen und Spielabläufe nachvollziehbar dokumentiert werden. Für den Wettbewerb kann das kurzfristig spürbar sein: Sobald das Vertrauen in Offshore-Lizenzen weiter erodiert, steigt der Druck auf Plattformen, sich stärker über Transparenz zu profilieren. Für Unternehmen und Entscheider ist die wichtigste Lehre jedoch weniger politisch als prozessual: Unstimmigkeiten in Beraterhonoraren sind selten nur „Buchhaltungsfragen“, sondern Prüfsteine dafür, ob Reformen tatsächlich kontrollierbar gestaltet wurden. Genau dort entscheidet sich, ob eine Reform langfristig Akzeptanz findet – oder ob sie bereits in der Aufbauphase an Glaubwürdigkeitsproblemen arbeitet.


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