BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Angesichts der starken Waldbrände in Deutschland und Belgien fordert der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates einen konsequenten Waldumbau hin zu Mischwäldern. Christian Haase betont im Deutschlandfunk, dass Forstbetriebe von reinen Nadelholzbeständen weggehen und stattdessen gezielt für bessere Widerstandsfähigkeit sorgen müssen. Der Prozess beginne zwar bereits, dauere aber voraussichtlich noch mindestens ein Jahrzehnt. Entscheidend sei vor allem, dass die Umstellung schneller vorankommt, ohne Jungpflanzen durch ungünstige Zeiten wieder zu gefährden.

Die aktuellen Waldbrände wirken wie ein Stresstest für ganze Landschaften. Während sich viele Diskussionen zunächst auf Löschkapazitäten und akute Einsatzpläne konzentrieren, rückt in Berlin vor allem eine langfristige Stellschraube in den Vordergrund: der Waldumbau. Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Christian Haase, sieht dabei eine klare Richtung. Er fordert, weg von reinen Nadelholzbeständen hin zu Mischwäldern zu arbeiten, weil diese Bestockung in der Fläche besser mit wechselnden Bedingungen zurechtkommen kann.
Technisch betrachtet geht es beim Waldumbau nicht um ein einzelnes Forstjahr, sondern um eine Kette von Maßnahmen entlang des Bestandes: Saat- und Pflanzkonzepte, die Auswahl geeigneter Baumarten und der Aufbau stabiler Bestandsstrukturen. Haase verweist darauf, dass es bereits seit Jahren an der Umsetzung arbeite. Entscheidend sei jedoch, die Prozesse zu beschleunigen, weil ein Waldumbau nicht wie ein „Sofortprogramm“ funktioniert: Aus vitalen Wäldern lassen sich nicht einfach kurzfristig große Kahlflächen erzeugen, ohne Folgeschäden bei Boden, Wasserhaushalt und Biodiversität in Kauf zu nehmen. Stattdessen setzt die Praxis auf Jungpflanzen und eine schrittweise Entwicklung des Bestandes.
Aus den Schilderungen wird auch sichtbar, warum sich der Zeitbedarf so hartnäckig anfühlt. Wenn Haase betont, dass es „ein Jahrzehnt“ dauern werde, dann beschreibt er nicht nur Geduld, sondern die reale Biologie des Systems: Jungpflanzen müssen anwachsen, Wurzelräume brauchen Zeit, und die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe entscheidet darüber, ob Aufforstungen gelingen. Dazu kommt der richtige Zeitpunkt. Geschehe die Pflanzung zur falschen Saison, würden Setzlinge wieder absterben. Genau hier liegt ein Kernproblem der Risikovorsorge: Die klima- und wetterbedingten Fenster für erfolgreiche Etablierung verschieben sich, während Planungs- und Arbeitszyklen in der Forstwirtschaft traditionell auf längere Horizonte ausgerichtet sind.
Der Blick auf die Brandereignisse erweitert den Zusammenhang zusätzlich. Haase argumentiert, dass selbst in eher „nassen Gebieten“ Ausbrüche auftreten, was als Hinweis gewertet wird, dass der Klimawandel voranschreite. Für die Forstpraxis bedeutet das: Es reicht nicht, lokale Annahmen über Feuchte und Brandneigung zu treffen. Vielmehr müssen Risikomodelle und Anbauentscheidungen stärker darauf ausgerichtet werden, wie sich Hitze- und Trockenphasen über Jahre kumulieren. Wenn Wetterextreme häufiger auftreten, verschiebt sich die Priorität von „Schadensbeseitigung nach dem Brand“ hin zu „Schadensvermeidung durch strukturelle Robustheit“ im Bestand.
Auch politisch zeigt sich, dass der Waldumbau in die Schnittstelle zwischen Fachplanung und gesellschaftlicher Erwartung rückt. Haase, der zugleich CDU-Bundestagsabgeordneter ist, formuliert den Ruf nach Waldumbau nicht als rein forstfachliches Detail, sondern als Auftrag an die Praxis. Damit wird sichtbar, dass Förderrichtlinien, Beratungskapazitäten und langfristige Beschaffungs- oder Pflanzprogramme mitgedacht werden müssen. Unternehmen, Kommunen und Waldbesitzende stehen dadurch vor einer Planungsaufgabe: Sie müssen Mittel und Arbeitskräfte so koordinieren, dass Pflanzungen nicht nur fachlich, sondern auch zeitlich zu den sich verändernden Bedingungen passen.
Für die Branche ergibt sich daraus ein konkretes Umsetzungsverständnis. Der Waldumbau läuft zwar seit Jahren, aber der Anspruch verschiebt sich: nicht „einmal umstellen“, sondern die Umstellung schneller, kontrollierter und mit passender Saisonlogik durchführen. Gleichzeitig verlangt das, die Pflege- und Begleitmaßnahmen über mehrere Vegetationsperioden mitzudenken, weil junge Bestände in den ersten Jahren besonders sensibel auf Trockenstress reagieren. In der Folge verschiebt sich auch die Bedeutung der lokalen Zusammenarbeit zwischen Waldbesitz, Forstdienstleistung und Forschung: Wer die Etablierung verbessern will, muss Daten aus der Fläche mit praktischen Entscheidungen verknüpfen.
Wie sich das in den nächsten Jahren konkret niederschlägt, bleibt damit weniger eine Frage von einmaligen Investitionen als von dauerhaftem Prozessmanagement. Wenn Haase fordert, man müsse „die Prozesse schneller angehen“, dann ist das im Kern ein Appell an die Umsetzungsgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Qualitätskontrolle. Angesichts der wiederkehrenden Brandrisiken werden Mischwälder nicht nur als Idee diskutiert, sondern als mehrjährige Strategie, die in Pflege, Pflanzzeitfenstern und Bestandsentwicklung messbar werden muss. Der nächste Schritt liegt daher weniger im Alarmmodus, sondern in verlässlichen, wiederholbaren Abläufen, die den Waldumbau in der Praxis real beschleunigen.
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