LONDON (IT BOLTWISE) – Coinbase-CEO Brian Armstrong erklärt, er halte den Bitcoin-Boden in diesem Zyklus für erreicht. Gleichzeitig verweist er darauf, dass rund die Hälfte der Coinbase-Erlöse am Handelsvolumen hängt. Die Kursdaten zeigen zwar einen Rückprall von etwa 60.100 US-Dollar auf rund 85.200 US-Dollar, die frühen Tiefphasen lagen jedoch noch deutlich tiefer. Damit verschiebt sich die Debatte weniger auf die Richtung, sondern auf den Zeitpunkt des nächsten großen Fensters.

Coinbase-CEO Armstrong: Bitcoin-Boden erreicht – stimmt der Zyklus-Reset?
Coinbase-CEO Armstrong: Bitcoin-Boden erreicht – stimmt der Zyklus-Reset? (Foto: IT BOLTWISE)
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Brian Armstrong, CEO von Coinbase, hat die Schlagzeile gesetzt, die in Bullen- und Bärenphasen gleichermaßen für Diskussion sorgt: Er glaubt, der Bitcoin-Preis habe in diesem Zyklus sein Tief gesehen. Der Satz ist als Marktstatement verständlich, aber er ist auch ein Wagnis, denn „Boden“ ist statistisch selten exakt zu treffen – gerade bei einem Asset, das in mehreren Phasen innerhalb eines Zyklus stark schwankt. In der Argumentation steckt zudem ein Eigeninteresse: Armstrong betont laut Quelle, dass etwa die Hälfte der Coinbase-Einnahmen aus dem Handelsvolumen stammt. Für Anleger heißt das nicht, dass die Aussage falsch ist, aber dass sie die Perspektive eines Plattformbetreibers widerspiegelt, der von hoher Aktivität und Volatilität profitiert.

Der Kern der Debatte lässt sich an den genannten Kursmarken festmachen. Bitcoin habe im Umfeld des 6. Oktober 2025 nahe 124.800 US-Dollar seinen Höhepunkt erreicht und sei bis zum 29. Juni 2026 auf etwa 60.100 US-Dollar gefallen. Das entspricht einem Rückgang von 51,8 % – eine Bewegung, die im Aktienjargon als „technischer Bärenmarkt“ durchgeht, wenn man von einer 20-%-Abwärtsstrecke ab Recent-Highs ausgeht. Danach setzt jedoch wieder Dynamik ein: Am 2. Oktober sei Bitcoin laut Quelle ungefähr bei 85.200 US-Dollar notiert, also 41,6 % über dem Juni-Tief. Der Punkt, der diese Erholung relativiert, ist aber die Tiefe der vorherigen Abschwünge: Die früheren Zyklus-Korrekturen hätten 79,9 %, 81,9 % und 76,6 % erreicht. Im Vergleich wirken die 51,8 % damit weniger wie ein Extrem-Paniktief, sondern eher wie eine relativ „sanfte“ Korrektur – zumindest gemessen an den historischen Spannen.

Auch das Argument „Was ist dieses Mal anders?“ zielt nicht nur auf das Kursdiagramm, sondern auf die Käuferbasis. Die Quelle nennt als entscheidende Veränderung, dass U.S.-Spot-Bitcoin-Exchange-Traded-Produkte inzwischen rund 1,29 Millionen BTC halten würden, bewertet mit etwa 109,3 Milliarden US-Dollar. Das entspräche ungefähr 6,1 % der maximalen Bitcoin-Menge von 21 Millionen Coins. Zusätzlich wird eine Strategische Bitcoin-Reserve ins Spiel gebracht – mit dem Hinweis, dass weder die ETP-Bestände noch diese Reserve in den drei früheren Tiefphasen existiert hätten. Technisch betrachtet verändert so ein Kapitalpuffer zwei Dinge: Erstens kann er die Verkaufswelle bremsen, wenn Zuflüsse in Produkte schneller erfolgen als Panikverkäufe auslaufen. Zweitens verschiebt er das „Timing-Risiko“ der Marktteilnehmer: Wer statt direktem On-Chain-Handel indirekt über Vehikel investiert, reagiert nicht immer gleich auf kurzfristige Kursimpulse.

Wo die Aussage von Armstrong nach Einschätzung der Quelle angreifbar bleibt, ist der Zeitaspekt. Die Argumentationskette basiert auf einem Muster, nach dem frühere Zyklus-Tiefs 924 bis 999 Tage nach einem Halving erreicht wurden. Für den aktuellen Zyklus wird als Ausgangspunkt die April-2024-Halbierung genannt; daraus resultiert ein mögliches Fenster um Ende Oktober/Anfang November und eine Ausdehnung bis Mitte Januar 2027. Genau an dieser Stelle wird die Begründung zugleich plausibler und fragiler: Plots über mehrere Vierjahres-Zyklen können visuell „saubere“ Kurven liefern, aber der Markt bleibt laut Quelle stets in Bewegung – Liquidität, Makroeffekte und Anlegerpsychologie wirken als Störgrößen. Hinzu kommt ein Sonderfall, der in der Quelle ausdrücklich erwähnt wird: Für den ersten Zyklus habe Bitcoin bereits vor dem Halving ein Rekordhoch gesetzt, etwa bei 72.100 US-Dollar im März 2024 – ausgelöst, als neue Bitcoin-ETFs auf den Markt kamen. Damit wird klar, dass nicht nur die Halving-Logik zählt, sondern auch die Marktstruktur rund um neue Zugangskanäle.

Für Technologie- und Digital-Asset-Teams ist die praktische Konsequenz weniger das „Ja oder Nein“ zum Boden, sondern die Frage, wie man mit Zyklus-Unsicherheit operativ umgeht. Wenn Volatilität und Handelsaktivität ein Geschäftsmodell antreiben, ist es für Plattformen wie Coinbase naheliegend, ein Tief früh zu antizipieren oder zumindest einen solchen Eindruck zu kommunizieren. Gleichzeitig zeigt der Vergleich der prozentualen Drawdowns, dass Timing-Fehler in der Regel teuer werden, wenn Anleger auf „Ende des Absturzes“ setzen, bevor sich bestätigt, ob das Tief auch im historischen Kontext ausreichend tief war. Wer im Unternehmen Risiko- und Liquiditätspläne erstellt, sollte daher eher Szenarien bauen als deterministische Kalender: ein erweitertes Fenster für die Marktkorrektur, Trigger für die Wiederaufnahme von Risikoexponierung und klare Regeln, wann man in der Produktpipeline etwa Margin- und Handels-Features ausbaut. Der Zyklus kann eine Leitplanke liefern – aber er ist kein präzises GPS.


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