WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der ATX hat am Donnerstag den vierten Verlusttag in Folge verbucht und sich dabei vom Rekordniveau weiter zurückgezogen. Steigende Ölpreise und eine nervöse Stimmung am US-Anleihemarkt belasteten das Aktienumfeld. Der Index fiel um 0,39 Prozent auf 6.567,24 Punkte, auch ATX Prime gab nach. Im Handel lieferten Unternehmensmeldungen wie von UNIQA, SBO und Mayr-Melnhof jedoch einzelne Impulse.

Die Wiener Börse setzt ihren Rückzug vom Rekordniveau fort: Mit dem vierten Verlusttag in Folge verliert der ATX an Höhe und signalisiert zugleich, wie schnell Makrosignale die Stimmung am Leitmarkt drehen können. Am Donnerstag schloss der Index bei 6.567,24 Punkten, das entspricht einem Abschlag von 0,39 Prozent. Auch ATX Prime geriet unter Druck und rutschte um 0,45 Prozent auf 3.230,51 Zähler. Damit reiht sich die Tagesbewegung in ein Muster ein, das in den vergangenen Tagen bereits angelegt war – weniger mit Blick auf Unternehmensdaten, sondern vor allem wegen des Umfelds aus Energie und Zinsstruktur.
Technisch betrachtet spielen an der Börse Wien derzeit mehrere Trendmarker gegeneinander. Der ATX hat die 21-Tage-Linie bei 6.579 Punkten bereits nach unten durchbrochen, während die 50-Tage-Linie bei 6.515 Punkten als nächster viel beachteter Indikator in Reichweite rückt. Der Abstand zum vor zwei Wochen markierten Allzeithoch liegt nun bei etwas mehr als drei Prozent. In so einer Phase genügt häufig schon eine kleine Neubewertung externer Faktoren, um kurzfristig risikoscheue Kapitalflüsse auszulösen – zumal Europa auch insgesamt mit moderaten Abgaben schloss.
Als zentrale Treiber nennt die Entwicklung an den US-Märkten vor allem die Renditeerwartungen. Der US-Anleihemarkt reagierte zuvor am Mittwoch mit sinkenden Renditen auf eine unerwartete Ankündigung des US-Finanzministeriums, Rückkäufe langlaufender Anleihen erhöhen zu wollen. Doch diese Entlastung hielt offenbar nicht durch: Am Donnerstag verpuffte die Wirkung wieder. Parallel zogen Öl- und Gaspreise weiter an. Dazu kommt der außenpolitische Risikoaufschlag im Hintergrund, nachdem US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit fehlenden Fortschritten bei den Verhandlungen mit Teheran einen schrittweisen, wirtschaftlichen Druck angekündigt hat. Für Anleger bedeutet das in der Praxis: höhere Energiepreise treffen die Margenlogik, während gleichzeitig die Zinsseite die Bewertungsmodelle belastet.
Innerhalb des ATX zeigten sich die Auswirkungen dann weniger als einheitlicher Abverkauf, sondern als stark differenzierte Reaktionen auf Quartalszahlen. SBO führte den Index zeitweise mit plus 4,3 Prozent an, während UNIQA am ATX-Ende 4,7 Prozent abgab. Mayr-Melnhof bildete im breiteren Prime-Index mit minus 5,3 Prozent das Schlusslicht. Bei UNIQA wurde für das erste Halbjahr ein Prämien- und Gewinnwachstum von zwölf bzw. 10,5 Prozent gemeldet, der Ausblick auf das Gesamtjahr wurde bestätigt. Der Hinweis von Analyst Thomas Unger von der Erste Group: Die unveränderte Guidance wirke auf eine vorsichtige Haltung des Managements – vermutlich inklusive der Annahme höherer wetterbedingter Schäden im zweiten Halbjahr.
Bei SBO dagegen zeigte sich, dass operative Details an der Börse offenbar stärker zählen als kurzfristige Umsatzzahlen. Der Ölfeldausrüster meldete zwar einen Umsatz- und Gewinneinbruch, als Lichtblick wurde jedoch ein steigender Auftragseingang hervorgehoben. Auch Erste-Analystin Vladimira Urbankova verwies auf Umsatzmomentum und steigende Margen im zweiten Quartal. Die erwartete Geschäftserholung dürfte ihrer Einschätzung nach im zweiten Halbjahr in Gang kommen. Mayr-Melnhof wiederum berichtete rückläufige Umsatz- und Ergebniskennzahlen – auch wegen eines Sondereffekts aus dem Verkauf der TANN-Gruppe im Vorjahr. Für die zweite Jahreshälfte rechnete der Verpackungskonzern zudem mit einem weiterhin schwierigen Umfeld.
Unter den Schwergewichten blieb die Last nicht nur hausgemacht: Voestalpine verlor 3,8 Prozent und stand damit erneut im Zentrum der Schwäche. Hier spielen europäische Faktoren hinein, insbesondere höhere Energiepreise, die auf den Sektor drücken dürften. Negative Vorgaben kamen außerdem von der schwedischen SSAB, was bei international vernetzten Wertschöpfungsketten schnell auf die Kursfindung durchschlagen kann. Daneben beobachtet der Markt weiterhin eine mögliche Einigung der USA und Kanadas über Zölle auf Stahlimporte in die USA – ein Thema, das zwar zunächst politisch wirkt, an den Börsen aber direkt mit Erwartungen zu Absatz, Preisgestaltung und Kostenstrukturen verknüpft wird.
In der zweiten Börsenreihe zeigten sich dagegen einzelne Stabilisierungsansätze. Semperit stieg um 1,5 Prozent auf 16,60 Euro, nachdem es bereits mehrere positive Analystenreaktionen auf die Quartalszahlen der Vorwoche gegeben hatte. Nun zog auch die Erste Group nach und hob das Kursziel von 14,2 auf 17,8 Euro an, ließ die Aktie jedoch auf „Hold“. Für Anleger ist das ein typisches Signalbild: Verbesserungen in der Profitabilitätslogik oder im Ausblick werden zwar erkannt, die Bewertungseffekte oder die Planbarkeit für die nächsten Quartale reichen aber noch nicht für eine deutlich bullischere Einstufung.
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