VIETNAM / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim Vietnam Startup Community Day 2026 fand am PTIT ein international besetzter Workshop zum Aufbau eines Innovations-Ökosystems statt. Fast 1.000 Teilnehmende trafen dabei auf Referenten aus China, Singapur und Kanada. Die Veranstaltung stellt die zunehmende Vernetzung von Ressourcen in den Mittelpunkt, damit Startups nicht nur Kontakte knüpfen, sondern Märkte systematisch erschließen. Gleichzeitig zeigt der Global Startup Ecosystem Index 2026 einen deutlichen Sprung: Vietnam steigt um fünf Plätze auf Rang 50.

Vietnams Startup-Szene rückt gerade mit messbarem Tempo näher an internationale Märkte heran. Im Posts and Telecommunications Institute of Technology (PTIT) wurde dazu der Workshop „Startups im internationalen Kontext“ im Rahmen des Vietnam Startup Community Day 2026 ausgerichtet. Laut den Veranstaltungsangaben kamen dabei fast 1.000 Teilnehmer zusammen, und erstmals gab es einen international ausgerichteten Workshop mit Referenten aus China, Singapur und Kanada. Damit verschiebt sich der Fokus im Ökosystem spürbar: Weg von reinem Austausch, hin zu einem konkreteren Zielbild, bei dem Unternehmensaufbau, Investitionen und der Schritt in neue Märkte gleich mitgedacht werden.
Technisch und organisatorisch wird die Veränderung dabei weniger als „Einzelinitiative“ diskutiert, sondern als systemische Kette. Die Präsentationen setzten auf den Austausch praktischer Erfahrungen beim Aufbau eines Innovationsökosystems, auf die Förderung des Startup-Wachstums und auf die schrittweise Expansion in internationale Märkte. Ergänzend zu den Seminaren sieht das Format 20 Ausstellungsstände vor, die nicht nur Produktpräsentationen ermöglichen, sondern auch Partnerfindung und Zugriff auf Unterstützungsressourcen. Dazu kommen Workshops und Programme zur Investorenansprache, die den Weg von der Pitch-Phase in Richtung Zusammenarbeit und Finanzierung verkürzen sollen.
Das passt zu den Zahlen, die im Kontext der Index-Entwicklung genannt werden. Im Global Startup Ecosystem Index 2026 von StartupBlink steigt Vietnam laut Quelle um fünf Plätze auf Rang 50 weltweit; zugleich sei das Wachstum des „innovativen Startup-Ökosystems“ in Vietnam um 67,9 % gestiegen. Die durchschnittliche Wachstumsrate der 100 weltweit führenden Ökosysteme wird mit 17,5 % beziffert, während Vietnam damit das stärkste Wachstum in Südostasien erreicht. Regional positioniert bleibt das Land dabei weiterhin auf Platz 5 in Südostasien und Platz 10 in Asien. Für Unternehmen und Förderstrukturen ist vor allem die Kombination aus Rangverbesserung und überdurchschnittlichem Wachstum relevant, weil sie auf eine geänderte Dynamik im Zusammenspiel von Gründungen, Finanzierung und Skalierung hindeutet.
Auf der politischen und institutionellen Seite wird der Wandel als Folge neuer Richtlinien beschrieben, die laut Quelle zusammen mit einer stärkeren Unterstützung von zentralen bis lokalen Ebenen und einer verbesserten internationalen Vernetzung eine weitere Grundlage schaffen sollen. Besonders im Hochschul- und Schulkontext sieht die Programmlogik einen „entscheidenden Wendepunkt“: Das Programm „Unterstützung studentischer Unternehmensgründung 2026–2035“ soll ein unternehmerisches Ökosystem an Bildungseinrichtungen synchron aufbauen. Entscheidend ist hier die Idee, dass unternehmerische Aktivitäten nicht bei Wettbewerben oder Ideen enden, sondern als kontinuierlicher Prozess organisiert werden: von der Ideenfindung über Projektentwicklung, Inkubation und Erprobung bis zur Ressourcenanbindung und letztlich Kommerzialisierung.
Auch in der Workshop-Botschaft wird die Richtung klar benannt: vom Begriff der „internationalen Vernetzung“ hin zu „internationaler Kompetenz“. Diese Abgrenzung ist für Startups nicht semantisch, sondern operativ. Denn internationale Vernetzung im engeren Sinn kann Kontakte bedeuten, während internationale Kompetenz Bedingungen liefert, um Zugang zu Märkten zu erhalten, Partnerschaften aufzubauen und Ressourcen zu mobilisieren. Dabei geht es um mehr als Auslandspräsenz: Startups sollen ihre Geschäftstätigkeit international ausweiten können – also Prozesse, Vertrieb und Kooperationen so skalieren, dass sie außerhalb des Heimatmarktes funktionieren.
Die einzelnen Programmpfade illustrieren anschließend, wie sich diese „Kompetenz“-Logik in konkrete Inkubations- und Expansionsmodelle übersetzen lässt. PTITs stellvertretender Direktor, Associate Professor Tran Quang Anh, verwies laut Quelle darauf, dass in den letzten Jahren Inkubations- und Beschleunigungsprogramme umgesetzt, FabLabs betrieben, geistiges Eigentum unterstützt und Wettbewerbe organisiert wurden. Zudem sei die Zusammenarbeit mit Partnern in Süd-Korea, Singapur, China, Kanada und Australien ausgebaut worden. Als Beispiel für einen skalierbaren Übergang von Forschung zu Unternehmen wird der Ansatz von TusStar genannt, einem Inkubationsnetzwerk innerhalb des Innovationsökosystems der Tsinghua-Universität in China; laut Quelle habe TusStar bereits über 8.000 Unternehmen betreut und sei in mehr als 100 Städten aktiv. Ergänzend wird in der Diskussion aus singapurischer Perspektive betont, dass Startups ihre übergeordneten Ziele früh definieren sollten und ihre Fundraising-Strategie auf Wachstum ausrichten müssen – inklusive Wege wie Börsengänge oder Mergers und Akquisitionen.
Für die nächste Phase bleibt damit eine zentrale Herausforderung im Raum: Die Branche sieht es als nicht ausreichend an, „global zu werden“, wenn zugleich nicht die Kapazitäten aufgebaut werden, um auf internationalen Märkten bestehen zu können. Genau hier setzt die kanadische Perspektive an: Zehra Khoja, Beraterin für Startup-Inkubatoren und -Beschleuniger, beschreibt laut Quelle einen „Canadian Path for Global Founders“, der über Kanadas Innovationsökosystem Zugang zum nordamerikanischen Markt schaffen soll. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie internationale Startups in Kanada Fuß fassen, Partnerschaften aufbauen und den Markt validieren, bevor sie schrittweise nach Nordamerika expandieren. Für vietnamesische Teams heißt das in der Praxis, dass der Ausbau des Ökosystems eng mit Marktvalidierung, Transfer von Forschungs- und Produktkompetenz sowie der Anbindung an Mentoring-Netzwerke verknüpft werden muss.
In Summe zeigt der Workshop eine konsistente Linie: Ein besser vernetztes Startup-Ökosystem wird nicht nur an Veranstaltungen sichtbar, sondern an Mechanismen, die aus Gründungen marktfähige Unternehmen machen. Die Index-Zahlen liefern dabei einen externen Bezugspunkt, während Programme wie die Unterstützung studentischer Unternehmensgründungen die Pipeline von Talenten und Projekten systematisieren sollen. Für Entscheider in Unternehmen und Förderinstitutionen bedeutet das: Der internationale Kontext wird zunehmend zur Standardanforderung im Produkt- und Geschäftsaufbau, und die Fähigkeit zur Kommerzialisierung sowie zur Ressourcenmobilisierung rückt als Wettbewerbsfaktor in den Vordergrund. Wie schnell diese Breitenwirkung die konkrete Qualität der Exporte, Partnerschaften und Finanzierungsrunden erreicht, bleibt zwar abzuwarten – aber die Richtung der organisatorischen Mechanik ist bereits klar erkennbar.
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